Marktnischen

Gesucht: Henne, jung, bio

Junghennenstall-2
Ariane Haubner, Rinderzucht
Ariane Haubner
am Donnerstag, 23.04.2020 - 15:32

Bio-Junghennen sind knapp und neue Aufzuchtbetriebe gesucht. Über den Einstieg in die Lohn-Aufzucht informierte Bernhard Grüb von der Bio-Aufzucht LSL Rhein-Main-GmbH im Rahmen der Biolandwoche in Plankstetten.

Auf einen Blick

  • In Deutschland gibt es zu wenig Bioland-Junghennen um den jährlichen Bedarf zu decken
  • Landwirtschaftliche Familienbetriebe als Lohnaufzüchter für Bio-Junghennen werden deshalb seitens der Vermehrer gesucht.
  • Die Lohnaufzucht von rund 13 000 Junghennen kann auch im Nebenerwerb stattfinden.
  • Zwischen Vermehrer und Aufzüchter gibt es eine enge Zusammenarbeit, um ein gleichförmiges Endprodukt zu erhalten.
  • Die Gebäudekosten sind inzwischen ein großer Hemmschuh für potenzielle Betriebe.

Günstige Marktaussichten

Bernhard-Grüb-LSL-Rhein-Main

Die Marktaussichten scheinen günstig. Die Politik will den Ausbau der Biolandwirtschaft vorantreiben und schon heute sind Bio-Eier beim Verbraucher gefragter als alle anderen Bioprodukte im Lebensmittelhandel. Insgesamt werden in Deutschland rund 5,7 Mio. Bio-Legehennen gehalten (Anteil etwa 12 %).

Bei der Veranstaltung des Bioland-Anbauverbands im Kloster Plankstetten stand natürlich der eigene Bedarf im Vordergrund. Und auch für die verbandlich gebundenen Hühnerhalter gilt: Sie können ihren Bedarf an Bioland-Junghennen derzeit nicht decken. Es fehlen in Deutschland rund 100 000 bis 200 000 Junghennen, um den jährlichen Bedarf an 1,1 bis 1,2 Mio. Tieren zu decken. Hinzu kommt, dass bald Aufzuchtkapazitäten wegfallen. Grund dafür ist die Forderung nach einem Grünauslauf auch für Junghennen im Rahmen der neuen EU-Öko-Verordnung, die ab Januar 2021 in Kraft tritt.

Warum Lohnaufzucht?

„In Bayern ist die Junghennenaufzucht eher eine Nische. Es gibt hier nur 40 Betriebe (konventionell und bio), die 1000 und mehr Junghennen pro Jahr aufziehen“, zog Bernhard Grüb eine erste Bilanz. In Plankstetten informierte der Projektmanager der Bio-Aufzucht LSL Rhein-Main GmbH, einem Vermehrungsbetrieb mit Sitz in Hessen, wie der Einstieg in die Lohnaufzucht von Bio-Legehennen gelingen kann.
Für Grüb liegt die Notwendigkeit auf der Hand. Da vom Abnehmer eine gleichförmige Junghennenqualität gefordert wird, ist es sinnvoll, Produktion und Aufzucht ebenfalls zu standardisieren. So könne man gegebenenfalls schnell auf sich ändernde Marktbedürfnisse der Endkunden reagieren, klärte der Spezialist auf. Die Aufzucht könne in der Regel gut im Nebenerwerb durchgeführt werden. Professionelle Berater unterstützen den Landwirt beim Erreichen der gewünschten Qualität und Auslastung, die essentiellen Punkte für den Betriebserfolg in der Junghennenaufzucht.

Die Stallkosten bremsen

Im Rahmen der Lohnaufzucht stellt der Vermehrer die Küken, das Futter, den Tierarzt und eben die Fachberatung. Der Landwirt erhält außerdem Unterstützung beim Impfen und auch beim Verladen der Tiere. Eigene Transportfahrzeuge werden nicht benötigt. Der Landwirt stellt im Gegenzug den Stall, Energie, Wasser, Heizung, Einstreu sowie seine Arbeitskraft.
Vor allem der Investitionsbedarf für den Stall sei aber zu einem erheblichen Faktor geworden, räumt Grüb ein. Die Gebäudekosten haben sich in zehn Jahren etwa verdoppelt. Auch Umbauten seien inzwischen nicht mehr günstig. Vorgestellt wurde ein Beispiel für eine Aufzuchtkapazität von 13 000 Junghennen. Im Falle eines Neubaus ergab sich eine Bausumme von rund 572 000 € inklusive der Einrichtung. Bei 25 % Zuschuss im Rahmen des AFP (Achtung: Zweckbindung 12 Jahre), war das eine Investitionssumme von 429 000 €, rechnete der Experte vor.

Welche Voraussetzungen?

Doch welche Voraussetzungen sind nötig bzw. welche Vorgaben müssen erfüllt werden? Bioland gibt ab dem 71. Lebenstag maximal 24 Tiere/m² Stallgrundläche vor, mit maximal zwei erhöhten Ebenen beim Einbau von Volieren. Für die Bewegungsfläche im Warmbereich sind maximal 13 Tiere/m² erlaubt. Der Scharrbereich muss mindestens 50 % der Bewegungsfläche im Stall einnehmen. An Fensterfläche sind mindestens 5 % der Stallgrundfläche vorgesehen.
Sitzstangen müssen ab der ersten Woche vorhanden sein, davon ein Drittel erhöht. Ebenfalls ab der ersten Woche muss ein Staubbad angeboten werden mit Sand und Gritanteilen. Ab dem 43. Lebenstag ist Körnereinstreu vorgesehen. Raufutter muss ab dem ersten Tag vorhanden sein. Für den Außenklimabereich (Pflicht ab der 11. Woche) sind ab dem 71. Tag maximal 25 Tiere/m² erlaubt. Pro Gruppe sind maximal 4800 Tiere zu halten, die Abtrennung muss bis 80 cm Höhe blickdicht sein. Aktuell ist noch kein Grünlandauslauf gefordert. Doch mit der neuen EU-Öko-Verordnung im Anmarsch wird dieser ab 2021 Pflicht und ist deshalb bei geplanten Neubauten mit einem Quadratmeter pro Tier schon einzuplanen.
Als Flächenbedarf für die Futtergrundlage gibt Grüb rund 16 ha an. Diese Zahl ergibt sich durch den Futterbedarf von rund 6,5 kg pro Junghenne und Durchgang. Bei 13 000 Hennen entspräche dies 84,5 t pro Durchgang und bei 2,3 Durchgängen pro Jahr 194,35 t Futter pro Jahr. Gefordert werden, dass mindestens die Hälfte aus eigener Erzeugung stammen muss, was 97 t wären. Bei einem angenommenen Ertrag von 6 t/ha ergeben sich diese 16 ha. Etwas anders sieht es beim Flächenbedarf für den Mist aus. Pro Junghenne wird in der Beispielrechnung mit 4,5 kg Mist kalkuliert. Bei 2,3 Durchgängen im Jahr ergeben sich in Summe 134 t Mist bei 13 000 Aufzuchtplätzen. In Summe wären hier rund 46 ha nötig.

Was bleibt übrig?

Wenn man sich für den Einstieg in den Betriebszweig entscheidet, ist es natürlich wichtig zu wissen, was unterm Strich übrig bleibt. Wie Deckungsbeitrag bzw. das Betriebs- einkommen ausfallen, hängt unter anderem davon ab, wie gut der Stall ausgelastet ist, das heißt, wie viele Durchgänge realisiert werden können. 2,3 bis 2,6 Durchgänge sollten erreicht werden.
Der Erlös pro Tier wird aktuell mit 2,34 € angegeben, die variablen Kosten mit 0,75 €. Demnach kann ein Betriebseinkommen von etwa 25 bis 30 000 € realisiert werden. Davon muss noch die eigene Arbeit entlohnt werden. Als Arbeitsbedarf gibt die LSL etwa eine Stunde pro Tag nach der Kükenphase an. Hinzu kommt noch der Wertansatz für den anfallenden Mist, der mit rund 4000 Euro angegeben wird.
Grüb wies außerdem darauf hin, dass in den Stallungen für Junghennenaufzucht nach Vorgaben der neuen EU-Öko-Verordnung auch Bruderhähne aufgezogen werden können.