Schafe

Das ganze Tier verwerten

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Helga Gebendorfer
am Freitag, 31.08.2018 - 12:46

Landwirt Markus Schnltzler möchte nicht nur das Fleisch sondern auch die Felle und vor allem die Wolle seiner Schafe gut vermarkten. Um die Wolle zu Düngerpellets zu verarbeiten hat er sich eine Pelletiermaschine angeschafft.

Das Konzept „Düngerpellets aus Schafwolle“ verfolgt Markus Schnitzler aus Dießen am Ammersee. „Mein Ziel ist, aus Wolle ein Produkt herzustellen, für das die Schafhalter wieder Geld bekommen, und das zum Erhalt der Rassenvielfalt beiträgt“, erzählt der Landwirtschaftsmeister für Ökolandbau, Schwerpunkt Pferde und Schafhaltung, sowie Metzgermeister und Betriebswirt.

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Der 49-jährige bewirtschaftet im Nebenerwerb rund 80 ha Grünland einschließlich Linkersalpe bei der Enzianhütte in Oberstdorf. Er hält 180 Mutterschafe – eine bunte Mischung aus Merinolandschaf, Weißes, Braunes und Schwarzes Bergschaf, Coburger Fuchsschaf und Alpines Steinschaf. Darüber hinaus gehören zum Betrieb vier Esel, zwei Pferde und 19 Schottisch Blackface-Schafe, zur psychosomatischen Therapie.

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Schnitzler startete vor 26 Jahren die Schafhaltung mit drei Tieren. Damit baute er im Laufe der Zeit nach und nach seinen heutigen Bestand auf. In der Metzgerei in Dießen, in der er 20 Stunden pro Woche berufstätig ist, nutzt er die Gelegenheit, die eigenen Tiere zu schlachten, zu zerlegen und zu verwursten. „Von Anfang an verfolgte ich dabei die Absicht, das ganze Tier, vor allem auch Altschafe, einschließlich Wolle zu verwerten“, blickt er zurück.

Bunte Felle sind auf Märkten sehr gefragt

Zum einen vermarktet der Schafhalter pro Saison 90 bis 140 Schaffelle und Wollprodukte auf vier Christkindlmärkten in der Region. „Dabei ist besonders die Rassenvielfalt mit verschiedenen Farben, unterschiedlicher Zeichnung und Wollstruktur bei der Kundschaft gefragt“, informiert er. Zudem lieferte er bisher seine Wolle nach der Schur an die Wollsammelstelle Pfaffenwinkl.

Wolle muss doch etwas wert sein

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Vor fünf Jahren hatte er ein Schlüsselerlebnis. „Ich dachte mir: Es kann doch nicht sein, dass die Wolle so wenig wert ist“, erklärt er und weist darauf hin, dass im Oberland viele kleine Bestände mit einer großen Rassenvielfalt zu Hause sind. „Sie alle müssen froh sein, dass der Wollhändler kommt und die Wolle mitnimmt“, schildert er die Situation. Dabei wurde über Jahrtausende die Wolle an das Schaf hingezüchtet. Je nach klimatischen Bedingungen sind dabei regionaltypische Rassen entstanden. Der geringe Preis für Wolle leuchtete Schnitzler nicht ein und deshalb beschloss er, ein wenig herumzutüfteln, um eine sinnvolle Verwertung für die Schafwolle aufzutun. „Mein erster Gedanke war ein Vlies zur Begrünung von Autobahnböschungen“, erzählt er. Doch das stellte sich als zu aufwändig heraus. „Das Projekt hatte keine Zukunft, denn andere Materialien sind für diesen Zweck schneller und leichter zu verarbeiten“, präzisiert er. Es folgten Versuche im eigenen Garten: einige Pflanzen wurden mit Rohwolle, die etwa zehn Prozent Stickstoff enthält, gedüngt und gediehen prächtig. Also begann der findige Landwirt, die Rentabilität durchzurechnen. Richtschnur für ihn waren Haarmehl-Pellets, die im Ökolandbau bei der Düngung eingesetzt werden und im Durchschnitt 5,60 €/kg kosten. Das würde sich auch für die Schäfer rechnen.

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Im Moment zahlt der Schafhalter für die Schur 3 bis 5 € pro Schaf und erlöst für 3 bis 4 kg Wolle je nach Rasse, Sortierung und Feinheit 3 Ct/kg bis 1,50 €/kg. Das neue Produkt sollte auf jeden Fall praktikabel sein und alle ansprechen, also von der Hausfrau fürs Gemüsebeet über Gärtner, die z. B. urbane Dächer bepflanzen, bis hin zu Großabnehmern, die einen maschinellen Einsatz fahren.

Es gelten strenge Hygienemaßnahmen

Nach einer Vielzahl von Gesprächen war die Idee geboren: „Wenn die Wolle pelletiert wird, lässt sie sich mit einem Düngerstreuer ausbringen und mit einer Fräse einarbeiten“, stellt Schnitzler fest, der hinzufügt, dass bei der Pelletierung von einer Ausbeute von rund 85 Prozent auszugehen ist. Er schaute sich um und wurde bei der Firma Ecokraft in Deggendorf fündig, die mit dem Slogan warb: „Wir pelletieren alles“. Doch ganz so einfach war es dann doch nicht. „Denn Wolle ist wahnsinnig zäh“, gibt er Auskunft. Mit 250 kg Wolle wurden die ersten Tests gemacht sowie Erfahrungen gesammelt und dann war klar, dass die Wolle vor dem Pelletieren geschnitten werden muss. Sofort ergab sich eine weitere Hürde: Da Wolle ein K3- Material ist (das sogenannte K3-Material bezeichnet v. a. Abfälle und Nebenprodukte aus Schlachtbetrieben aber auch Fell und Wolle) müssen besondere Hygienemaßnahmen ergriffen werden. Damit sie handelbar wird, muss sie erhitzt werden und alle Verarbeitungsschritte müssen in einem geschlossenen Raum stattfinden.

Verkauf in Big Bags oder in kleinen Säcken

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Das Ergebnis ist eine handwerkliche Anlage mit zwei Maschinen – einer Schneidmühle, die die Wolle zerkleinert, und einer Pelletiermaschine. Da beide relativ viel Strom benötigen, erfolgen die Arbeitsschritte getrennt voneinander und nacheinander. Zuerst wird die Wolle durch Warmluft in einem Heißluftofen erhitzt und dann händisch in die Schneidmühle verfrachtet – kontinuierlich und nicht zu viel auf einmal. Dort wird sie fein zerkleinert und fällt in einen Container, von wo aus sie wiederum händisch in die Pelletiermaschine eingefüllt wird. In Zukunft ist für diesen Schritt der Einsatz eines Gebläses geplant. Danach ist es notwendig, die Pellets, die mit 70 bis 90 °C aus der Maschine kommen, auskühlen zu lassen. Auf Wunsch werden diese als lose Ware in Big Bags vermarktet oder in Säcke von 1 bis 5 kg abgepackt – auf jeden Fall in luftdichtes Material, damit die Wolle keine Feuchtigkeit ziehen kann.

Die Wolle wird unsortiert geliefert

Heuer war Startschuss für die erste Saison. Von März bis Juni wurden 1,5 bis 2 t Wolle verarbeitet. Produziert wird das ganze Jahr über – bei einer Leistung von 160 kg Wollverarbeitung je Stunde und bis zu 400 kg pro Tag. Dazu verwendet Schnitzler die Wolle seiner eigenen Schafherde und die Wolle, die von Schäferkollegen angeliefert wird. Die Wolle wird unsortiert entgegen genommen. Je nach Qualität, sprich Verunreinigung, werden bis zu 50 ct/kg bezahlt. Vor allem Schweißwolle, also Hals-, Schwanz- und Bauchwolle, findet bei diesem System eine sinnvolle Verwendung. Dabei sind verschiedene Wege möglich:

  • Schnitzler nimmt die Wolle ab, pelletiert und verkauft sie. Der Preis für Endverbraucher liegt bei 9,80 € und für Großabnehmer bei 6,50 €/kg. Die Pellets werden über Abholung oder Versand abgegeben (www.Ammersee-Lamm.de)
  • Lohnpelletierung, das heißt der Schäfer lässt seine Wolle pelletieren und nimmt die Ware wieder mit nach Hause zur Selbstvermarktung oder für den Eigenverbrauch. Der Vorteil dabei ist, dass der Lieferant seine eigene Wolle wieder bekommt, da Markus Schnitzler auch kleine Mengen individuell verarbeiten kann – im Gegensatz zu den wenigen industriellen Anlagen, wie ein Betrieb in Brandenburg und in Österreich.

Alternative für Schweißwolle

Markus Schnitzler sieht sich nicht als Konkurrent zu anderen Wollhändlern. Denn die Vlieswolle soll auch nach seiner Meinung weiterhin in die Textilverarbeitung gehen. Doch für die Schweißwolle und die Wolle, die sonst nicht zu vermarkten ist, ist es durchaus eine interessante Alternative. „Auf diese Weise ist sehr wohl ein anständiger Preis für das Produkt zu erzielen“, bekräftigt er.

„Das ist im Grunde genommen ein Riesenmarkt. Denn Wolle ist ein Rohstoff, der jedes Jahr nachwächst“, gibt er zu bedenken. Außerdem finden hier gerade rauere Wollen ihren Absatz, was indirekt zum Erhalt von bedrohten Rassen beiträgt – ein Aspekt, den man nicht aus den Augen verlieren sollte. „Im Prinzip habe ich einen Weg aufgetan, der für die Schafschur wieder Geld bringt“, so der Schafhalter, der von einer positiven Resonanz berichtet – sowohl seitens der Landschaftspflege als auch seitens der Schäferkollegen – und der hofft, dass sich die Pelletierung, in die er rund 80 000 € investierte, weiter gut entwickelt.