Zoonosen

Forscher sehen Risiko durch Schweineviren

Schweine-Stall-Stroh_Maucher
Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Dienstag, 28.07.2020 - 11:14

Das Friedrich-Loeffler-Institut geht davon aus, dass Schweinehaltungen ein Reservoir für neue Grippeviren sein können.

Insel Riems - Schweinehaltungen können ein Reservoire diverser Influenzaviren darstellen, die teilweise auf den Menschen übergehen können und möglicherweise präpandemisches Potenzial besitzen. Dass dies auf europäische Haltungen zutreffen kann, davon geht eine Studie aus, die das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und das Universitätsklinikum Freiburg federführend mit weiteren Partnern in einem von der CEVA Tiergesundheit GmbH unterstützten Forschungsprojekt durchführten.

Hierzu wurden mehr als 18.000 Einzelproben aus annähernd 2.500 schweinehaltenden Betrieben mit Atemwegserkrankungen bei Schweinen in Europa untersucht.

Untersuchungen in 17 europäischen Ländern

Die Forscher gehen davon aus, dass Schweine sich für die Vermehrung und Neusortierung von Influenzaviren eignen, die vom Mensch, Schwein oder Vogel stammen. Der Erreger der letzten menschlichen Grippepandemie Influenza A(H1N1)/2009 fand bereits 2009 Eingang in die Schweinepopulationen Europas und hat nach den Erkenntnissen der Studie eine wichtige Bedeutung für das stark anwachsende Repertoire neuartiger Virusvarianten im Schwein.

Untersucht wurden Schweinehaltungen in Deutschland sowie weiteren 16 europäischen Ländern. In mehr als der Hälfte der untersuchten Betriebe wurden ganzjährig Influenzavirusinfektionen gefunden. Während vier Influenzaviruslinien mit unterschiedlicher geographischer Verteilung in den Schweinepopulationen Europas dominieren, entstehen daraus zunehmend neue Virusvarianten.  
 
Ein Fokus der Studie war die Untersuchung von möglichen zoonotischen Eigenschaften dieser Viren, also deren mögliches Übertragungspotential auf den Menschen.

Impfung als eine Maßnahme zur Risikominderung

Aktuelle Kenntnisse zur Infektionslage, verbesserte Bekämpfungsstrategien sowie die Optimierung von Impfstoffen für Schweine gegen Influenzaviren können wesentlich zu einem gesteigerten Tierwohl beitragen und wirtschaftliche Einbußen in der Schweineproduktion vermindern. Gleichzeitig würde ein Rückgang der Influenzaviren in Schweinebeständen eine Verringerung des Expositionsrisikos von Menschen gegenüber potentiell zoonotischen Influenzaviren aus diesem Reservoir bewirken.

„Der vielbeschworene `One Health-Gedanke´ ließe sich gerade hier erfolgversprechend in praktische Projekte zum gegenseitigen Nutzen von Mensch und Tier umsetzen“, sagt Prof. Dr. Timm Harder vom Friedrich-Loeffler-Institut.

Diese Studie wurde ist im Fachmagazin „Cell Host & Microbe“ veröffentlicht worden: https://doi.org/10.1016/j.chom.2020.07.006