Blick über den Zaun

Erzeugung von Bioschweinefleisch in den Niederlande

Lipman - Ferkelaufzucht 1
Christian Wucherpfennig, LWK Niedersachsen
am Donnerstag, 09.01.2020 - 10:58

Neben neuesten Erkenntnissen zu Fütterungs- und Managementfragen sowie Praxisbeispielen gab es bei der Bioschweinetagung in den Niederlanden auch Tipps, um das Ansehen der Landwirtschaft in der Gesellschaft zu verbessern.

Auf einen Blick

  • Bei der Bioschweinetagung in den Niederlanden wurde erklärt, wie man Erdrückungsverluste durch bauliche Maßnahmen reduzieren kann.
  • Dank Events, wie Kinder, die im Ferkelstall sein dürfen, bekommt man positive Berichte in den Medien.
  • Nicht die Kosten je Einheit Futter, sondern die Kosten je kg Zuwachs sollten im Vordergrund stehen.
  • Bei Krankheitssymptomen sollte man die Ursache genau abklären. So kann z. B. Husten auf eine Erkältung, aber auch auf Wurmbefall hinweisen.

Vermarktung muss gesichert sein

Wir freuen uns über jeden Umsteller. Aber davor muss unbedingt die Vermarktung der erzeugten Bioschweine gesichert sein“, erklärte Heinrich Rülfing vom Aktionsbündnis Bioschweine Deutschland (ABD) bei der Bioschweinetagung, die vom ABD und der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen ausgerichtet wurde und auf Einladung der Vereinigung Biologische Varkenshouders im niederländischen Almen stattfand.

Dort stellte Jeroen Neimeijer die Vereinigung Biologische Varkenshouders (VBV) vor, dem niederländischen Gegenstück zum Aktionsbündnis Bioschweinehalter Deutschland (ABD), die erst kürzlich ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert hatte. Mit 73 Mitgliedern sind 80 Prozent aller Bioschweinehalter im VBV organisiert. Das ABD entstand vor zwölf Jahren aus einem Bioland-Fachgruppentreffen und hat heute knapp 90 Mitglieder.
Den aktuellen Stand der neuen EU-Bio-Verordnung, die 2021 in Kraft treten soll, stellte Marian Blom von Bionext vor. Blom, die auch Vizepräsidentin der IFOAM ist, dem weltweiten Zusammenschluss aller Bioanbauverbände, berichtete zudem, dass der Anteil Umstellungsfuttermittel künftig nur noch 25 % betragen dürfe und dass konventionelle Eiweißfuttermittel nur bei Schweinen bis 35 kg Lebendgewicht mit maximal 5 % Anteil eingesetzt werden dürfen. Noch im Diskussionsprozess befinden sich Änderungen beim Platzangebot für die Ausläufe von ferkelführenden und tragenden Sauen. Sollten hier größere Flächen ab 2021 vorgeschrieben sein, ist nach jetzigem Stand nur eine fünfjährige Nachrüstfrist für Altbauten geplant, was jedoch nach Ansicht der Teilnehmer der Tagung viel zu kurz ist.

Das Abliegeverhalten der Sauen beeinflussen

Herman Vermeer von der Universität Wageningen Livestock Research gab einen Überblick über die in den Niederlanden durchgeführten Versuche mit Bioschweinen. Bei der Buchtengestaltung hat sich in Versuchen bestätigt, dass man mit einfachen Elementen, wie einem seitlich platzierten Rohr, in Abferkelbuchten das Abliegeverhalten von Sauen so beeinflussen kann, dass es zu weniger Erdrückungsverlusten kommt. Abferkelbuchten sollten nicht zu breit sein und dabei möglichst doppelt so lang wie breit, sodass die Sauen weitestgehend draußen koten. Um Zugluft zu vermeiden, haben sich doppelte Vorhänge vor den Auslauföffnungen bewährt und mit Hecken um die Ausläufe kann der Wind zusätzlich gebrochen werden.
Anfangs behandelt wie ein Krimineller, sieht sich Erik Stegink, der sowohl einen konventionellen als auch einen ökologischen Betrieb bewirtschaftet, heute als geschätzter Lebensmittelproduzent. Landwirte sollten der Gesellschaft von sich und ihrer Arbeit ein positives Bild vermitteln. Und dazu gehöre auch Selbstbewusstsein. Auf seinen Betrieben ist Stegink nicht verlegen, ständig neue Ideen zu entwickeln, immer verbunden mit dem Leitspruch „Das beste Fleisch in den Niederlanden“.

Mit einer Rutschbahn in die Medien

So bietet Stegink den Schweinen in einem Areal eine Rutschbahn an. „Dann kommen die Medien“, so Stegink und damit könne man sogar mehr bieten als mancher Biobetrieb. Für einige Events sind die Besucher sogar bereit zu zahlen. Ausgerüstet mit Stiefeln können kleine Kinder durch ein Gehege mit Ferkeln laufen und die Eltern zahlen dafür Eintritt. Zum Schluss noch ein Tipp von ihm zum Umgang mit den Medien: „Wenn die Medien über einen schlecht berichten, sollten andere einen verteidigen.“

Schon in der 19. Generation bewirtschaftet Dr. Kees Scheepens den landwirtschaftlichen Betrieb der Familie. „Schweine sind sehr intelligent“, betonte Scheepens. Er arbeitet daran, dass Schweine an getrennten Orten harnen und koten. Immer wenn ein Schwein an der gewollten Stelle uriniert hat, wird es mit einem Zitronenbonbon und Zucker belohnt. Im Normalfall seien die Ausläufe in der biologischen Schweinehaltung immer mit Kot und Harn verschmutzt. Das im Kot enthaltene Enzym Urease wandele in kürzester Zeit den Harnstoff im Urin in Ammoniak um und entsprechend kommt es zu den Geruchsbelästigungen und Ammoniakbelastungen. „93 Prozent des Ammoniaks kommen aus der Landwirtschaft und die Schweine haben daran einen Anteil von einem Viertel“, warnte Scheepens. Das Prinzip der Kot- und Harntrennung hat er auch schon mit kleinen Gruppen von Schweinen erfolgreich erprobt.

Intensive Beratung in Fütterungsfragen

Die ökologischen Schweinehalter in den Niederlanden sind sehr erfolgreich. Daher lag es nahe, dass Achim Tijkorte, Produktmanager bei Reudink, berichtete, wie erfolgreich im Team gearbeitet wird. Als Berater des Betriebes in allen Fütterungsfragen besucht Tijkorte die Betriebe etwa sechs- bis achtmal im Jahr. Zu ein bis zwei dieser Treffen kommen auch der Tierarzt und gegebenenfalls andere Beteiligte hinzu. „Wir wollen nicht nur Futter verkaufen, sondern auch die Tiere sehen“, betonte Tijkorte. Teil der Beratung ist ein intensives Controlling der Erzeugung, das beispielsweise die Erfassung der Geburtsgewichte und die Biestmilchqualität umfasst. Aus den Werten wird das betriebsindividuelle Fütterungsprogramm abgeleitet, indem zum Beispiel die Futtermenge beitragenden Sauen zu Beginn der Trächtigkeit erhöht und zu anderen Zeiten verringert wird. Tijkorte wundert sich, dass in Deutschland die Kosten je Einheit Futter so im Vordergrund stehen. „Entscheidend sind die Kosten je kg Zuwachs“, hob Tijkorte daher hervor.

Eine zweite Eisengabe lohnt sich immer

Über „Best Practice aus Sicht der Beratung“ referierten Ulrike Westenhorst und Christian Wucherpfennig von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Dabei präsentierte Wucherpfennig die Ergebnisse von zwei Projektarbeiten an der Fachschule für Ökologischen Landbau in Kleve. In einer Arbeit konnte durch höhere Tageszunahmen und ein höheres Absetzgewicht nachgewiesen werden, dass sich eine zweite Eisengabe immer lohnt. Dem Betriebsleiter waren diese großen Unterschiede zuvor nicht bewusst gewesen. Wucherpfennig plädiert immer, wo es möglich ist, für eine mehrphasige Mast. „Dafür sprechen nicht nur niedrigere Futterkosten bei gleichen Leistungen, sondern auch eine Verringerung der Ammoniakausscheidungen in die Luft und verminderte Phosphor- und Stickstoffausscheidungen über Harn und Kot“, betonte er.

Nabelbrüche können viele Ursachen haben

Westenhorst wies auf die Bedeutung von Nabelbrüchen hin und klärte darüber auf, dass es dafür mit genetischer Veranlagung, einem vermehrten Auftreten bei Jungsauen und Nabelabszessen im Saugferkelalter viele Ursachen gibt. Wenn die Nabelbrüche mehr als einen halben Abstand vom Bauch zum Boden herausragen, sei ein Transport der Tiere weder zulässig noch zweckmäßig. Abschließend erwähnte sie die Möglichkeiten der webbasierten Schlachtdatenauswertung, mit deren Hilfe schnell auf Abweichungen reagiert werden könne.
Ihre Vorgehensweise auf Betrieben erläuterte Dr. Sabine Schütze vom Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen anhand eines Beispiels in einem Mastbetrieb mit 300 Plätzen. Vom Landwirt erfuhr Schütze, dass die Tiere latent husten und niesen und dass sich dies je nach Witterung auch verstärken könne. Einzelne Tiere seien behandelt worden. Beim Betriebsrundgang stellte Schütze fest, dass die Aufstallung veraltet und teilweise defekt ist und dass sich einzelne Schweine aufgrund der schlechten Luft auch bei herbstlicher Witterung in den Auslauf zum Ruhen legten.

Kranke Tiere immer gründlich untersuchen

Während die Analyse der Blutproben unauffällig war, zeigten sich bei mehreren Tieren Lungenentzündungen. Die hohe Zahl eosinophiler Granulozyten deutete darauf hin, dass der Husten auf parasitären Belastungen zurückgeführt werden kann. Fündig wurde Schütze bei den verworfenen Lebern mit einem Anteil von 40 Prozent. „Die Atemwegserkrankungen sind daher die Folge des Spulwurmbefalls gewesen“, erklärte Schütze. Nach Einführung einer zweiten Entwurmung, einer häufigeren und intensiveren Reinigung sowie verschiedener anderer Maßnahmen gelang es, den Spulwurmbefall spürbar zu senken. Schütze empfiehlt daher, bei hartnäckigen Problemen gründlich zu untersuchen, um auch die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Ronald van Marlen, Gründer des Bioberatungsunternehmens Timeli, wies auf die Bedeutung der Auswirkungen des Klimawandels und den Zusammenhang mit Landwirtschaft und Ernährung hin. „Würden alle Menschen so leben wie in den Niederlanden oder Deutschland, bräuchte es drei Erden“, warnte van Marlen. Dabei spiele die Ernährung eine große Rolle. „Wir essen zu viel und die falschen Sachen“, betonte er. Den konventionellen Landbau sieht er als Auslaufmodell und sieht sich dabei durch aktuelle Studien der Vereinten Nationen bestätigt. Man solle sich auch keine Illusionen machen, dass die großen Unternehmen tatsächlich etwas umsteuern wollen. Dabei macht ihm die zunehmende Konzentration auf wenige Unternehmen auch im Biobereich zunehmend Sorgen, denn dies vermindere die Autonomie der Landwirte und schränke den Innovationsspielraum ein.

800 Biosauen in Freilandhaltung

Niederlande

Mit der Freilandhaltung hat Heinz-Dieter Lödden 1997 im niedersächsischen Nordhorn begonnen. 2011 stellte er seinen Betrieb auf ökologischen Landbau um und vermarktet die Ferkel seitdem im Verbund über das Schlachtunternehmen Goldswien, einer Tochter der Edeka Minden-Hannover, an neun Bioschweinemäster in Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Goldswien hat mit den Betrieben fünfjährige Lieferverträge mit festen Preisen geschlossen, sodass der Absatz der Ferkel auch längerfristig gesichert ist. Die Zusammenarbeit zwischen den Betrieben ist sehr gut. So betreut ein Tierarzt, der wiederum in Kontakt mit den Hoftierärzten steht, alle dem Verbund angeschlossenen Betriebe, sodass Informationen zwischen den Betrieben schnell ausgetauscht werden können.

Die mit durchschnittlich 25 Bodenpunkten sehr leichten Böden sind für die Freilandhaltung gut geeignet. Jährliche Bodenuntersuchungen belegen, dass die Nährstoffverluste gering sind. Die Hütten werden regelmäßig versetzt und der Mist sowie der abgemähte Grasbestand abgefahren. Durch einen Doppelzaun, bei dem der äußere als Maschendrahtzaun mit Unterwühlschutz ausgeführt wurde, ist die Koppel gegen Wildschweine gut geschützt. Der innere Zaun steht unter Strom. Die Sauen sind somit an ihre jeweilige Koppel gebunden, während die Ferkel das ganze Gelände erkunden können. „Die Ferkel finden aber problemlos ihre Mutter wieder, sodass Fremdsaugen kaum vorkommt“, erklärte Lödden. Die tragenden Sauen werden in einem Stall mit betoniertem Auslauf gehalten.

Über die Jahre wurde die Genetik an die Bedürfnisse der Haltung und des Marktes angepasst. Auf der Mutterseite arbeitet Lödden mit der BHZP-Linie Victoria und als Endstufeneber wurde von Duroc auf Pietrain umgestellt. Ziel ist eine optimale Kombination von Mastleistungen und Fleischqualität bei zugleich robusten Tieren.

Nach etwa 43 Tagen werden die Ferkel mit einem Gewicht von etwa 11,5 kg abgesetzt. Das Einsammeln der Ferkel ist gut organisiert. Um 4 Uhr morgens wird begonnen, die Hütten zu schließen und den Zaun abzubauen. Anschließend werden zuerst die Sauen und später die Ferkel aus den Hütten geholt.

Um die Fütterung kümmert sich Sohn Janek Lödden. Aus ökonomischen und ethischen Gründen werden vermehrt Nebenprodukte aus der Lebensmittelverarbeitung eingesetzt. „Das geht aber nur, wenn auch die Qualität stimmt“, warnte er. So habe man Sojapülpe mittlerweile wieder herausgenommen, weil deren Konsistenz und Sauberkeit zu stark schwankte. Aktuell wird Maismehl aus der Corn Flakes-Produktion verwendet, was aber nur im Winterhalbjahr geht, weil es mit einer Temperatur von 30°C angeliefert wird und bei einer Restfeuchte von etwa 16 % sonst zu schnell verderben würde.

Die Ferkel werden vor der Kastration mit Isofluran betäubt, das kostet pro Ferkel knapp 3 €, wobei der größte Anteil mit 90 € pro Stunde die Tierarztkosten betragen. Mit Hilfe eines selbstgebauten Wagens, in dem die Narkose und Kastration durchgeführt wird, ist dies einfach möglich. Einmal jährlich kommt die gesamte Kastrationseinrichtung zur Inspektion.

Familie Lödden ist sehr zufrieden mit der Entwicklung ihres Betriebes. Die Erzeugung funktioniert und die Vermarktung ist gesichert. Nun wartet man auf die Genehmigung zum Bau eines neuen Stalls für die Ferkelaufzucht.

Ausgezeichnete Leistungen mit 320 Bio-Sauen

Niederlande

Jan Harmsen und sein Sohn Wilco haben ihren Betrieb im niederländischen Hengelo vor knapp 20 Jahren auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt und halten heute 320 Sauen. Wie viele niederländische Bioschweinehalter verfügen Harmsens mit 10 ha Acker und 3 ha Grünland nur über wenig Fläche. Gülle und Mist werden an benachbarte ökologische Acker- und Gemüsebaubetriebe abgegeben. Die Familie Harmsen kann sich so ganz auf die Sauen konzentrieren.

Mit 27,5 abgesetzten Ferkeln erzielen sie ausgezeichnete Leistungen. „Im kommenden Jahr wollen wir uns auf 28,5 Ferkel steigern“, berichtete Jan Harmsen. Dann müsse aber auch alles passen. In der Vergangenheit gab es beispielsweise einen Krankheitseinbruch nach dem Zukauf von Jungsauen, sodass man jetzt ausnahmslos selbst remontiere. Auch habe die Hitze im vergangenen Sommer zu höheren Erdrückungsverlusten geführt.

Die Buchten der ferkelführenden Sauen sind einfach gestaltet. Die kompakten Gebäude, verbunden mit einer Überdrucklüftung sorgen auch im Winter für ausreichend Wärme bei gleichzeitig angenehmen Raumklima. Während in Deutschland viele Abferkelställe im Winter relativ kühl sind und daher über ein separates Ferkelnest verfügen, reicht bei Harmsen eine einfache Wärmelampe. Das Liegeverhalten der Sau wird durch einen großen Bügel und ein flach am Boden liegendes Rohr gesteuert. Die geringen Erdrückungsverluste bestätigen den Erfolg des einfachen Buchtenkonzepts.

Zur Verbesserung der Ergebnisse soll auch die Kreuzung aus Topigs 70 und Nordischem Landschwein beitragen, die im Vergleich zu der jetzt verwendeten Linie etwas mehr lebend geborene Ferkel bringt. Als Endstufeneber wird die Rasse Pietrain eingesetzt. Die ersten Ergebnisse sind positiv, denn die Würfe seien noch gleichmäßiger, die einzelnen Ferkel robuster und die Zahl der Kümmerer gering.

Alle tragenden Sauen dürfen bzw. müssen im Winter auf die Weide. Im Winterhalbjahr erhalten sie Silage. Die Ferkel werden an Mäster verkauft, die die fertigen Mastschweine an das Schlachtunternehmen De Groene Weg verkaufen, das etwa 80 % aller in den Niederlanden erzeugten Bioschweine verarbeitet.

27,5 abgesetzte Bio-Ferkel in den Niederlanden

Niederlande

Vor drei Jahren kauften Melissa und Koep Lipman den Hof im niederländischen Hellendoorn und bauten ihn so um, dass keine Neubauten gebraucht wurden. Heute halten sie 135 Sauen gemäß EU-Bio-Verordnung, die aus einer Kreuzung von Topigs 20- und Topigs 50-Sauen entstanden sind. Die Ferkel sind robust und das Fleisch weist einen hohen intramuskulären Fettgehalt auf.

Bei 14,8 lebend geborenen Ferkeln und bei Saugferkelverlusten von nur 13 % erreichen Lipmans mit 27 abgesetzten Ferkel ausgezeichnete Ergebnisse. Die guten Leistungen setzen sich nach dem Absetzen fort. Auch hier präsentierten sich die Ferkel sehr homogen und die Verluste liegen bei nur einem Prozent.

„Am Futter darf man nicht sparen“, betonte Koep Lipman. Im Schnitt fallen je Ferkel etwa 30 € Kosten für Ferkelfutter an. „Dann sind die Ferkel aber auch schneller verkauft, wenn sie schnell wachsen“, erklärte er weiter. Mit seinen vier Mästern steht er dabei im engen Kontakt und freut sich, dass sich die guten Leistungen dort fortsetzen, was sich u.a. in den niedrigen Verlusten von 1,5 % in der Mast widerspiegelt.

Gemäß den Vorgaben des Schlachtunternehmens De Groene Weg erhalten alle tragenden Sauen Zugang zu einer Weide. Eigene Ackerflächen bewirtschaften die Eheleute hingegen nicht. Während in Deutschland Betriebe bei Fehlen einer eigenen Futtergrundlage meistens eine Futter-Mist-Kooperation eingehen, bei denen der Ackerbaubetrieb Futter liefert und im Gegenzug Mist erhält, muss in den Niederlanden am Ende des Jahres nachgewiesen sein, dass Mist und Jauche an Biobetriebe geliefert wurden.

In den Niederlanden ist der Spaltenanteil im Vergleich zu Deutschland hoch. Der Auslauf besteht im Betrieb der Familie Lipman sogar ausschließlich aus Spalten. In Deutschland wird die EU-Bio-VO dahingehend interpretiert, dass der Auslauf weitestgehend planbefestigt sein muss, da andernfalls kein Wühlmaterial angeboten werden könne. Aufgrund der Spalten müssen die Ausläufe nicht entmistet werden und die Ausscheidungen werden somit auch nicht zwischen den einzelnen Buchten und Tiergruppen hin- und hergeschoben, was sich hygienisch sicher sehr positiv auswirken dürfte. Zudem spart sich die Familie so auch sehr viel Arbeitszeit.

Es gibt in den Niederlanden jedoch auch Auflagen, die strenger sind als in Deutschland. Die Außenwände des Auslaufs dürfen maximal 50 cm hoch sein und die nächste Außenwand muss mindestens 4 m entfernt sein, damit auch der Charakter eines Auslaufs nach draußen entsteht. Nach den Vorgaben vom De Groene Weg darf nur Biostroh eingesetzt werden. In Deutschland darf zur Einstreu auch Stroh konventioneller Herkunft genutzt werden.