Milchvieh

Daheim bei der ältesten Kuh Bayerns

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Max Riesberg
Max Riesberg
am Mittwoch, 23.12.2020 - 05:01

Sie heißt Liebe, ist inzwischen 25 Jahre alt und weitbekannt. Dabei ist großer Rummel eigentlich nicht das Ihre. Doch die Ausnahmekuh der Familie Merkle steht wie keine andere für die Nachhaltigkeit der bayerischen Rinderzucht.

Wer kennt sie nicht oder hat zumindest schon mal was von ihr gehört oder gesehen? Die Grande Dame der deutschen Fleckviehzucht, Liebe vom Betrieb Merkle im schwäbischen Krumbach-Attenhausen ist inzwischen zu einer Art Gallionsfigur der bayerischen Rinderzucht geworden. Denn sie verkörpert Vitalität, Langlebigkeit, Doppelnutzung und Wirtschaftlichkeit, wie kaum eine andere ihrer Rassekolleginnen. Die Radon-Tochter ist 25 Jahre und immer noch aktiv in der Milchbranche tätig. Somit bereitet sie nicht nur Edgar Merkle, sondern auch vielen anderen Rinderhaltern viel Freude, weil sie ein deutliches Zeichen setzt, in welche Richtung die Zucht schreiten muss.

Ausnahmekuh ist eher unauffällig

Dabei war die am 31. Juli 1995 geborene Ausnahmekuh von Anfang an eigentlich eher unauffällig und unproblematisch. Gezüchtet wurde sie am Betrieb Kappelmeier in Maisach. Merkle ersteigerte sie auf dem Zuchtviehmarkt in Weilheim für gut 2500 DM. Den Namen „Liebe“ suchte seine Tochter Nadja aus. Inzwischen ist Liebe eine von 160 Fleckvieh-Damen im 1994 erbauten Liegeboxenlaufstall. Doch eine Lebensleistung von 160.891 kg Milch mit 6.308 kg Fett und 5.748 kg Eiweiß – das müssen ihr ihre Kolleginnen erst nachmachen. Auch die Umstellung auf den Melkroboter packte sie problemlos.

Am 14. 2. 2020 hat die Ur-Ur- Oma in der Herde zum 22. Mal gekalbt und ein Stierkalb zur Welt gebracht. Insgesamt 13 ihrer Nachkommen waren weiblich, neun männlich, wobei noch ein Herdbuchbulle am Betrieb zum Deckeinsatz steht. Derzeit gibt es Nachkommen aus fünf Generationen von Liebe am Betrieb. Liebe die Urgroßmutter des Besamungsbullen Rijeka von der Bayern-Genetik.

Medienrummel war zwischenzeitlich enorm

Große Auftritte gab es für Liebe schon viele. Der Medienrummel um sie war zwischenzeitlich enorm. „Dabei ist sie alles andere als eine Kuh mit Starallüren. Eher mit einem gewissen Dickschädel und Altersstarrsinn, aber extrem liebenswert“, erklärt Merkle.

„Gute Kühe brauchen Zeit, sich zu entwickeln“, philosophiert der 58-jährige. Und etwas muss dran sein an seiner Theorie, denn immerhin stammen schon viele Kühe mit hoher Lebensleistung aus seinem Stall. „Aber auch Liebe hatte schon Laktationen, in denen es nicht so lief“, räumt Merkle ein. „Eines ist klar: Die Liebe bekommt bei uns auch das Gnadenbrot und darf bis an ihr Lebensende am Hof bleiben, auch wenn wir sie mal nicht mehr melken können“, betont der Betriebsleiter. Ihre Zwischenkalbezeit von 378 Tagen sowie eine Lebenstagsleistung von knapp 18 Litern sprechen Bände für die Wirtschaftlichkeit, Fitness, Fruchtbarkeit und Leistungsbereitschaft dieser lebenden Fleckvieh-Legende.