Schutzmaßnahmen

Corona: Den Infektionsfall einplanen

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Andrea Tölle
Andrea Tölle
am Donnerstag, 26.03.2020 - 11:53

Worauf Pensionsstallbetreiber in der aktuellen Lage achten müssen.

Das Coronavirus führte in Bayern zu Ausgangsbeschränkungen. Was bedeutet das für Pensionsstallbetreiber? Müssen sie jetzt alle Einstellpferde bewegen, umdecken, Medikamente geben und Bandagen wechseln oder dürfen ihre Einsteller die Pferde noch selbst versorgen? Das ist zum Glück noch der Fall, wie Martin Hecht, stellvertretender Pressesprecher des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums gegenüber dem Wochenblatt bestätigte. Das Gesundheitsministerium wurde nach seiner Aussage letzte Woche von diesen Regelungen in Kenntnis gesetzt. Weitere Artikel zum Thema Corona finden Sie auf den Seiten 8, 12, 13, 64 und 69.
Hecht verwies auf das Deutsche Tierschutzgesetz, das vorschreibt, dass jedes Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden muss. Zudem darf die Möglichkeit zu artgemäßer Bewegung nicht so eingeschränkt werden, dass dem Tier dadurch Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden. Für Pferde auf der Reitanlage müsse daher immer eine entsprechende Grundversorgung und Pflege sowie ausreichende Bewegung sichergestellt sein. Laut Vollzug des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) und der vorläufigen Ausgangsbeschränkung anlässlich der Corona-Pandemie vom 20. März gelten als triftige Gründe u. a. Handlungen zur Versorgung von Tieren sowie Sport und Bewegung an der frischen Luft, allerdings ausschließlich alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstandes – ohne jede sonstige Gruppenbildung.

Das soziale Miteinander der Einsteller unterbinden

„Es ist einzelfallbezogen zu prüfen, ob und in welchem Umfang die kontrollierte Bewegung durch Personen erforderlich ist“, meinte Hecht und weiter: „Wenn für die Versorgung die Unterstützung des Besitzers notwendig ist, darf dieser hierfür auch weiterhin auf den Pferdehof kommen. Grundsätzlich dürfen aber ausschließlich die für die Versorgung und Bewegung der Pferde notwendigen Personen Zutritt haben und nur solche Tätigkeiten verrichtet werden.“ Die Stallbetreiber müssten aber darauf achten, dass sämtliches soziales Miteinander der Pferdebesitzer unterbunden wird und daher auch das Reiterstübchen schließen.
Die Tiere müssen weiterhin täglich kontrolliert und ggf. tierärztlich oder durch einen Schmied versorgt werden. Sofern es zur Versorgung der Tiere zwingend erforderlich ist, sei die Mitarbeit von Einstellern grundsätzlich möglich. Dabei müsse man aber beachten, dass ohne den Abschluss eines Arbeitsvertrages der Einsteller bei diesen Tätigkeiten eventuell nicht unfallversichert ist.
Außerdem müssten die auf dem Pferdebetrieb tätigen Personen die allgemeinen Regelungen zur Reduzierung des Infektionsrisikos beachten (z. B. Händehygiene, kein Händedruck, Tragen von (Reit-)Handschuhen, Husten- und Niesregeln sowie auf den Toiletten Einweghandtücher anzubieten, usw.). Hier gilt es die Hygienemaßnahmen streng zu überwachen. Personen mit Husten oder Fieber haben keinen Zutritt. Ein Abstand von mindestens 1,5 m zu anderen Personen im Stall und auf dem Gelände ist einzuhalten. Kleinere Räume, wie die Sattelkammer, dürfen immer nur einzeln betreten werden.
Damit im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus die sozialen Kontakte nachvollzogen werden können, sollen die auf dem Betrieb tätigen Personen die Anwesenheitszeiten dokumentieren, eventuell durch Listen. Die Anzahl der Pferde, die sich gleichzeitig in der Halle oder auf dem Reitplatz befinden, ist zu begrenzen: Orientierungswert könnte 200 m² pro Pferd sein.

Die Arbeiter möglichst im Schichtsystem einsetzen

Für das Umsetzen und Einhalten der notwendigen Regelungen bedarf es einer verantwortlichen Leitung (wie der Betriebsleiter oder der Vereinsvorsitzende). Mittels eines Anwesenheitsplans kann sichergestellt werden, dass nur so viele Personen gleichzeitig da sind, wie es mit einem guten Infektionsschutz vereinbar ist. Sofern ein Betrieb auf Grund seiner Größe über eine entsprechende Anzahl an Mitarbeitern verfügt, empfiehlt sich ein striktes Schichtsystem. Im Infektionsfall mit dem Coronavirus kann dies helfen, dass nicht alle Mitarbeiter unter Quarantäne gestellt werden müssen.
Wenn eine Versorgung durch einen Tierarzt oder Schmied notwendig wird, erfolgt dies in Absprache mit dem Leiter oder der Leiterin. Alle aufschiebbaren Dienstleistungen (etwa Sattler) müssen später gemacht werden. Um die Anzahl der Leute, die auf den Hof kommen, zu begrenzen, kann auch ein Bereiter, der nur auf einer Anlage arbeitet, dort auch die Betreuung von Pferden übernehmen.
Falls ein auf dem Betrieb lebender Mensch infiziert ist, sind die Anordnungen des Gesundheitsamtes zu beachten. Sofern diese Person in der Pferdebetreuung tätig war, muss deren Arbeit dann eine andere Person übernehmen. Für den Quarantänefall sollte man im Vorfeld Vertretungsregelungen treffen.