DüV und die Tierhaltung

Bullen sind keine Schweine

Mastbullen-Futtertisch_MR
Vivienne Inhuber, Prof. Dr. Wilhelm Windisch Lehrstuhl für Tierernährung, TUM Anton Obermaier, Dr. Thomas EttleLfL Tierernährung, Grub
am Freitag, 09.10.2020 - 10:34

Die Auswirkungen der DüV treffen auch die Bullenmast. Dabei gilt es Nährstoffüberschüsse zu vermeiden. Doch macht ein Reduzieren des Rohproteingehalts in Rationen bei Wiederkäuern hier überhaupt Sinn?

Aufgrund der aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen ist es dringend notwendig, die Stickstoff (N)-Ausscheidungen landwirtschaftlicher Nutztiere zu reduzieren. In der Fütterung von Schweinen und Geflügel konnten hier in den letzten Jahren durch Absenkung des Proteingehaltes der Ration, bei zeitgleicher Zulage an einzelnen Aminosäuren, bereits erhebliche Fortschritte erzielt werden. Die Rationen für diese Monogaster werden bereits auf Basis der präcaecal verdaulichen Aminosäuren und deren idealem Verhältnis zueinander berechnet. Auch beim Wiederkäuer ist davon auszugehen, dass im Dünndarm ein bestimmter Bedarf an verdaulichen Aminosäuren besteht.

Versorgungsempfehlungen für die Rindermast

Die in Deutschland gültigen Versorgungsempfehlungen für die Rindermast basieren jedoch immer noch auf dem über das Futter zugeführte Rohprotein. Die Ursache dafür ist, dass der Umfang des Abbaus des Proteins und der Neusynthese an Aminosäuren durch Mikroorganismen im Pansen nur schwer eingeschätzt werden kann. Dadurch ist auch die Höhe des Bedarfes der Tiere an einzelnen Aminosäuren nur schwer zu bestimmen.

Effekte auf Leistung und Futteraufnahme

Aus den wenigen veröffentlichten Untersuchungen zur Aminosäurenversorgung von Mastrindern lässt sich ableiten, dass die Aminosäuren Methionin oder Lysin für das Wachstum und die Proteinsynthese der Tiere limitierend sein könnten. Mit dem vorliegenden Versuch sollte daher überprüft werden, ob durch die Fütterung von pansengeschütztem Methionin die Absenkung des Rohproteingehaltes in der Ration von Mastbullen ohne negative Effekte auf Futteraufnahme und Leistung der Tiere möglich ist. Die Untersuchung wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefördert.

Durch die Absenkung des XP-Gehaltes der Ration war die Futteraufnahme verringert. Das deckt sich mit Ergebnissen früherer Fütterungsversuche an der LfL und deutet auf eine N-Unterversorgung der Pansenmikroben hin. Als Folge der geringeren Futteraufnahme war neben der XP- und nXP-Aufnahme auch die ME-Aufnahme verringert. Die Zulage an pansengeschütztem Methionin hatte keinen positiven Effekt auf die Futteraufnahme. Die Methionin-Aufnahme lag in den Gruppen 1 bis 3 bei rund 20, 13 und 21 g/Tag.

Schlechtere Zunahmen und Schlachtendgewichte

Durch die Absenkung des XP- Gehaltes der Ration waren sowohl die Endgewichte als auch die täglichen Zunahmen und Schlachtleistungsmerkmale deutlich verschlechtert. Der Rückgang in den täglichen Zunahmen ist vergleichbar hoch wie in früheren Versuchen, die aber auch einen negativen Effekt einer überhöhten XP-Versorgung gezeigt haben. Das macht deutlich, dass der XP-Gehalt der Ration zur Optimierung der Leistung aber auch zur Minimierung der N-Überschüsse immer an den Versorgungsempfehlungen ausgerichtet sein sollte.

Auch pansengeschütztes Methionin hilft nicht weiter

Die Zulage an pansengeschütztem Methionin zu der im XP-Gehalt abgesenkten Ration führte zu keiner Verbesserung in der Leistung der Tiere. Dabei weisen die erhöhten Methioningehalte im Blutserum darauf hin, dass das zugelegte Methionin im Organismus der Bullen angekommen ist und dementsprechend ein tatsächlicher Schutz vor dem Abbau im Pansen vorlag.

Insgesamt kann aus den Ergebnissen gefolgert werden, dass Methionin unter den vorliegenden Bedingungen nicht leistungslimitierend war. Dementsprechend müssen weitere Untersuchungen zeigen, welche Aminosäuren unter welchen Bedingungen den Proteinansatz bei wachsenden Bullen begrenzen. Mit diesem Wissen ist eine Reduzierung der N-Ausscheidungen bei XP-reduzierter Fütterung in der Bullenmast denkbar.