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Vorsorge

Ein Brand im Stall – was tun?

Abb-7-Lagebesprechung-Foto-M-Götz
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Externer Autor
am Dienstag, 05.02.2019 - 12:30

Es lohnt sich, im Voraus zu überlegen was zu tun ist und Vorkehrungen zu treffen.

Abb-8-Schnellöffnung-Foto-Pirmin Züricher
Es gibt keinen Brand nach Schema F“. Also auch keine allgemein gültige Antwort, wie man sich als Landwirt bei einem Brand im Stall verhalten soll. Einige Grundsätze gibt es aber schon, die zu beachten sind. Ganz oben steht: „Zuerst alarmieren“! Am besten notiert man sich die Notfallnummer des Rettungsdienstes und der Feuerwehr auf eine Tafel im Stall oder in sein Handy. Denn in der Aufregung erinnert man sich unter Umständen nicht an die einfachsten Nummern.

Ruhe bewahren und nichts überstürzen

Abb-5-Kälber retten-Foto-M-Götz
Nicht nur die Feuerwehr, sondern auch Berufskollegen können im Fall des Falles eine große Hilfe sein, denn sie wissen, wie man mit den Tieren und dem Traktor umgeht. Während der Landwirt selbst im Stall die Tiere von der Anbindung löst, kann seine Frau die Berufskollegen informieren. Wie man die Zeit bis zum Eintreffen der Feuerwehr nützt, hängt von der Situation ab. Möglichst Ruhe bewahren und nichts überstürzen, raten erfahrene Feuerwehrleute. Oberste Priorität hat immer die eigene Sicherheit und die Rettung von Personen. Es folgen die Tiere, die Umwelt und schließlich die Sachwerte.
Abb-6-Landwirt-Kommandant-Foto-M-Götz
Der Landwirt nützt der Feuerwehr vor dem Stall oft mehr als im Stall. Dann kann der Landwirt nämlich den Einsatzleiter informieren, wo Menschen oder Tiere gerettet werden müssen, aber auch, wo es für die Rettungskräfte gefährlich werden könnte und wo Gefahren für die Umwelt zu befürchten sind. Solche Gefahren können zum Beispiel ein Treibstofftank oder ein Düngerlager sein, dessen Stoffe hochkonzentriert mit dem Löschwasser in das Grundwasser oder in Bäche gespült werden können.

Den Kontakt mit Einsatzleiter suchen

Abb-2-Kühe verlassen Stall-2-Foto-M-Götz
Der Landwirt sollte den Kontakt zum Einsatzleiter suchen, damit dieser die Aktionen der Feuerwehrleute koordinieren kann. Hydranten sind in den Plänen der Feuerwehr eingezeichnet, aber die Feuerwehrleute finden sie manchmal schneller, wenn der Landwirt ihnen die Orte zeigt.
Abb-1-Stall brennt-Foto- Feuerwehr Höchst
Beim Retten sollte man die Tiere nicht zu etwas zwingen müssen. Sie sollten möglichst den gewohnten Weg gehen können. Auch sollte es möglich sein, die Tiere vor dem Stall „aufzufangen“, damit sie nicht ziellos herumrennen und sich und andere in Gefahr bringen. Mittels griffbereiter Bänder lassen sie sich auf den Laufhof oder sogar auf eine nahe Weide leiten. Das alles funktioniert aber nur, wenn man sich im Voraus Gedanken über das Vorgehen bei einem Brandfall gemacht hat und der Prävention auch im Alltag Beachtung schenkt. Dazu gehört, Hydranten nicht durch Maschinen oder Futterballen zu verstellen, den Traktor mindestens nachts nicht vor den Stallausgängen abzustellen und Zufahrtswege zum Stall frei zu halten. Wie auf Industriebetrieben sollte es auch auf Landwirtschaftsbetrieben eine Liste mit Telefonnummern von Leuten geben, die in einem Notfall helfen können.

Türen sollen sich nach außen öffnen lassen

Abb-3-Kühe im Freien-Foto-M-Götz
Zu den Vorkehrungen für den Brandfall gehört auch, dass Feuerlöscher oder sogar ein Wandhydrant im Stall oder in der Futtertenne vorhanden sind. Je länger der Schlauch desto besser. So lässt sich ein Brand evtl. noch beim Entstehen löschen oder er breitet sich langsamer aus und man gewinnt Zeit. Die Evakuierung von Tieren geht schneller und einfacher, wenn sich die Türen nach aussen öffnen lassen und Schnellverschlüsse vorhanden sind. Brandmelder sind heute für wenig Geld zu haben und sollten im Stall sowie an besonderen Gefahrenstellen angebracht sein. Löschgeräte, Hydranten und Brandmelder sind regelmässig auf ihre Funktionstüchtigkeit zu überprüfen.
Abb-4-Kälber im Rauch-Foto-M-Götz
Was auch gut ist: Kontakt aufnehmen mit der Feuerwehr, damit diese eine Feuerwehrübung auf dem Hof durchführt und nötigenfalls einen Einsatzplan erstellt. Das sorgt für mehr Sicherheit im Erntfall. Michael Götz

Einsatz ist grundsätzlich unentgeltlich

„Der Einsatz der Feuerwehr ist grundsätzlich für den Geschädigten unentgeltlich“, sagt Titus Mesmer, stellvertretender Feuerwehrinspektor im Kanton St.Gallen. Das ist auch in Deutschland so, bestätigt Wolfram Auch, Kreisbrandmeister in Reutlingen. Die Feuerwehr wird von der Gemeinde gezahlt. Der Landwirt soll die Feuerwehr unverzüglich alarmieren, wenn er Rauch oder einen Brand auf seinem Betrieb feststellt. Erst danach soll er selbst einen Löschversuch starten, ohne sich dabei in Lebensgefahr zu bringen. Auch wenn es ihm gelingt, den Brand zu löschen, bevor die Feuerwehr eintrifft, hat der Einsatz für den Betroffenen keine finanziellen Folgen. Nur, wenn der Landwirt die Feuerwehr präventiv alarmiert, zum Beispiel, um die Temperatur im Heustock zu messen, wird ihm dies als Dienstleistung der Feuerwehr berechnet.

Richtig löschen

Wenn man sicher ist, einen Brand selbst löschen zu können, verwendet man am besten einen Hand-Feuerlöscher. Dieser erstickt das Feuer, indem er diesem den Sauerstoff entzieht. Für landwirtschaftliche Betriebe eignen sich am besten ABC-Feuerlöscher. Die Buchstaben stehen für die Brandklassen. CO2-Löscher sollte man wegen der Erstickungsgefahr nur in gut durchlüfteten Räumen verwenden. Sie eignen sich zur Bekämpfung von Bränden in elektrischen Schaltschränken. Wasser ist dafür ungeeignet, da es zu Kurzschlüssen führen kann. Pulverlöscher machen die Anlage unbrauchbar. Fettbrände dürfen keinesfalls mit Wasser gelöscht werden. Die Wassertropfen werden vom heißen Fett eingehüllt, dehnen sich schnell aus, werden gasförmig und erzeugen dabei eine gefährliche Explosion. Wie man ein Feuer richtig bekämpft, lernt man am besten bei einem Tag der offenen Türe der Feuerwehr. Grundsätzlich gilt, nicht gegen den Wind angreifen, das Löschmittel gezielt auf die Flammen richten und den Löscher immer nur stoßweise betätigen. Auf Glutnester achten. Haben die Kleider einer Person Feuer gefangen, dann sollte man das Feuer mit Stoffen aus Baumwollen ersticken. Auch Feuerlöscher lassen sich im Notfall dafür verwenden.