Schweinehaltung

Biosicherheit im Team umsetzen

Dr. Pia Münster
am Freitag, 08.01.2021 - 10:57

Gerade in Betrieben mit vielen Mitarbeitern ist es oft nicht leicht, die Schwarz-Weiß-Trennung konsequent einzuhalten und Infektionsketten effektiv zu unterbrechen. Die folgenden Tipps helfen dabei.

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Auf einen Blick

  • Um Infektionsketten effektiv zu unterbrechen, müssen alle Mitarbeiter die Schwarz-Weiß-Trennung beim Betreten des Stalls konsequent einhalten.
  • Große Mengen organischer Verschmutzungen in Desinfektionswannen zur Stiefeldesinfektion können die Wirkung beeinträchtigen.
  • Man sollte darauf achten, dass es im Stall keine attraktiven Nistplätze für Ratten und Mäuse wie unaufgeräumte Ecken sowie Futterreste gibt.

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Landwirtin

Krankheitserreger können leicht in Betriebe eingeschleppt werden. Sowohl die Umgebung als auch infizierte Tiere können (Re-)Infektionen mit Krankheitserregern verursachen. Um Infektionsketten effektiv zu unterbrechen, müssen ausnahmslos alle Mitarbeiter die Schwarz-Weiß-Trennung beim Betreten des Stalls konsequent einhalten. Die folgenden Schritte helfen, ein hohes Maß an Biosicherheit zu erreichen – auch in Betrieben mit vielen Mitarbeitern.

Tierseuchenerreger sind in der Lage, sich schnell über lange Strecken zu verbreiten. Eine Region mit hoher Viehdichte ist dabei einem höheren Emissionsdruck ausgesetzt als eine Region mit einer geringen Anzahl an Nutztieren. Ein- und Ausfuhr sollten am besten über unterschiedliche Wege ablaufen. Eine Abschirmung mittels Zaun oder Hecke schützt den Betrieb zudem vor fremden Fahrzeugen. Bei einem Standortwechsel sollte man Fahrzeuge und Equipment sachgerecht reinigen und desinfizieren.

Tipp: Ein- und Ausfahrt des Betriebes deutlich beschildern und Parkplätze ausweisen.

Feuchte Stellen auf dem Betrieb vermeiden

Auch das Grundstück um das Stallgebäude beeinflusst möglicherweise die Tiergesundheit im Stall. Es empfiehlt sich, Waschwasser aufzufangen und nicht auf der Fläche vor dem Gebäude stehen zu lassen. So verhindert man, dass Fahrzeuge oder Personen Erreger, die aus dem Stall entfernt wurden, wieder in den Stall hineingetragen werden. Pfützen bieten auch bei längeren Niederschlagsperioden reichhaltige Infektionsmöglichkeiten. Deshalb sollte man darauf achten, dass die an die Gebäude angrenzenden Flächen schnell trocknen und kein Wasser auf der Fläche stehen bleibt.

Tipp: Die Vegetation kurz halten, Pfützen aufschütten und gegebenenfalls die Umgebung kalken.

Personalhygiene umsetzen

Funktionsfähige Hygieneschleusen sowie die Dokumentation und Einschränkung von Personenverkehr verhindern die Übertragung von Krankheiten durch Besucher und Personal. Gründliche Handreinigung und -desinfektion sind einfache Maßnahmen, die bei Landwirten und ihren Mitarbeitern selbstverständlich sein sollten.
Eine ordnungsgemäße Handreinigung und -desinfektion braucht allerdings Zeit und Aufmerksamkeit. Hautpartien zwischen Fingern und Fingernägel dürfen beim Händewaschen nicht vergessen werden. Auf den Daumen ist besonders zu achten, da man ihn bei fast jedem Handgriff einsetzt und bei der Handhygiene oft vernachlässigt. Auch Handschuhe bieten einen sicheren Schutz. Uhren und Schmuck sollten im Umkleideraum bleiben und Fingernägel möglichst kurz geschnitten sein.

Tipp: Die Dokumentation von Stallbesuchen ernstnehmen und bei externen Besuchern eine vorherige Stallfreiheit von 48 Stunden gewährleisten.

Desinfektionswannen regelmäßig pflegen

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Große Mengen organischer Verschmutzungen, wie sie in Desinfektionswannen zur Stiefeldesinfektion häufig zu finden sind, können die Wirkung chemischer Desinfektionsmittel beeinträchtigen. Daher empfiehlt es sich, Desinfektionswannen mindestens einmal pro Woche aufzufrischen oder die Stiefel vor der Desinfektion mechanisch mit einem Wasserschlauch oder einer Bürste zu reinigen.

Tipp: Auf einem laminierten Blatt über den Desinfektionswannen das Datum der Auffrischung der Desinfektionslösung eintragen.

Für jeden Arbeitsbereich eigenes Material nutzen

Noch wirkungsvoller ist es, die Schuhe vor und nach dem Betreten des Stalles zu wechseln, um keine Erreger rein oder raus zu tragen. Grundsätzlich ist es sinnvoll, für jeden Stall oder Arbeitsbereich eigene Kleidung, Stiefel und Geräte zu verwenden.
Eine Barriere, zum Beispiel eine Bank oder Bodenmarkierung, ist dabei ein praktisches Hilfsmittel, um das Umziehen in den alltäglichen Arbeitsablauf zu integrieren. Vor der Neubelegung sind Stiefel, Kleidungsstücke und Gebrauchsgegenstände zu reinigen und desinfizieren.

Tipp: Kleidung und Gegenstände nicht von einem Stall mit in den anderen mitnehmen.

Wild- und Schadtiere konsequent abhalten

Wildvögel können Erreger wie Salmonellen oder Influenza in den Betrieb eintragen und verbreiten. Darum ist es wichtig, den Betrieb vor Vögeln abzuschirmen. Netze oder Maschendraht sind eine gute Option, um zu verhindern, dass Nistplätze unter dem Dach entstehen.
Auch Schadnager halten sich gerne in der Nähe von Stallungen auf. Es besteht die Gefahr, dass sie eine Re-Infektion mit Krankheitserregern verursachen. Daher sollte man darauf achten, dass es im Stall keine attraktiven Nistplätze für Ratten und Mäuse wie unaufgeräumte Ecken sowie Futterreste unter dem Silo als mögliche Futterplätze gibt.
Käfer verbreiten bakterielle (Salmonellen, E. coli), virale (Influenza) und parasitäre (Kokzidien) Krankheitserreger und sind damit in der Schweinehaltung ebenfalls ein ernstzunehmender Schädling. Eine Überwachung des Befalls mit Klebefallen ermöglicht eine frühzeitige Bekämpfung, sodass eine große Population gar nicht erst heranwachsen kann. Als vorbeugende Maßnahme empfiehlt es sich zudem, Risse und Dehnungsfugen in Wänden und Decken abzudichten.

Tipp: Einen Verantwortlichen für die Schädlingsbekämpfung benennen, der regelmäßig den Befall prüft und Köderboxen auffrischt.

Infektionsketten gezielt unterbrechen

Ob Hygienemaßnahmen im Stall erfolgreich über den gesamten Durchgang greifen, hängt entscheidend davon ab, wie sich Betriebsleiter und Personal verhalten. Selbst wenn eine Fläche im Leerstand ordnungsgemäß gereinigt und desinfiziert wurde, können kontaminiertes Equipment oder Stiefel Erreger aus der Umwelt wieder in den sauberen Stall hineintragen. Deshalb ist es wichtig, immer hygienisch zu arbeiten, nicht nur im Leerstand. So lassen sich Infektionsketten unterbrechen und mögliche Übertragungswege von Infektionskrankheiten ausschließen.
Teil eines guten Betriebsmanagements ist es, alle denkbaren Infektionsketten außerhalb (Transportverkehr, Wild- und Haustiere) und innerhalb (Arbeitsgerätschaften, Käfer) des Betriebes zu berücksichtigten und diese in der gesamten Belegschaft zu kommunizieren.

Tipp: Das Hygienekonzept regelmäßig mit dem gesamten Team besprechen.

Mit allen Mitarbeitern an einem Strang ziehen

Gerade in Betrieben mit Fremdpersonal ist eine gute Kommunikation sehr wichtig, wenn es darum geht, neue Hygienemaßnahmen konsequent und einheitlich umzusetzen. Nur wenn alle mitmachen, ist der Erfolg gesichert. Betriebsleiter sollten bei täglichen oder zumindest wöchentlichen Treffen darüber reden, was ansteht und was gut oder schlecht gelaufen ist.
Auch eine gute und strategische Einarbeitung ins Aufgabengebiet ist essenziell. Eine klare Beschreibung von Prozessen wie Impfung, Umstallung, Reinigung oder Desinfektion hilft, Prozesse auf dem Betrieb zu standardisieren. Kontrollen wie Abklatschproben oder eine Dokumentation sorgen für eine hohe Qualität bei jedem einzelnen Mitarbeiter.
Jeder sollte wissen, welche Aufgaben zur Arbeit auf dem Betrieb gehören und wer wofür verantwortlich ist. Dazu trägt eine große Tafel im Gang bei, auf der Farben die einzelnen Mitarbeiter oder Aufgaben markieren. Um Wissen aufzufrischen, sind regelmäßige Schulungen zur Biosicherheit nötig.

Tipp: In Besprechungen thematisieren, was gut oder schlecht funktioniert und gegebenenfalls Arbeitsabläufe anpassen.

Mit baulichen Maßnahmen das Verhalten verändern

Größere Umbauten, wie Straßen oder eine Befestigung des Vorplatzes, lassen sich nicht sofort oder nur mit erheblichem Aufwand umsetzen. Verhaltensänderungen wie die Einhaltung einer Schwarz-Weiß-Trennung oder eine Verkehrsregulierung sind im Vergleich dazu immer kostengünstiger und auf den ersten Blick leicht umzusetzen.
Es sind aber gerade diese Schritte, die wegen eingefahrener Gewohnheiten langfristig nur schwer umzusetzen sind. Nur wer regelmäßig Hände oder Stiefel wäscht, kann die Infektionskette unterbrechen – vorausgesetzt, ein Waschbecken mit Seife, Trockentüchern und Desinfektionsmittel sind frei zugänglich. Umbauten wie eine deutliche Barriere sowie leicht zugängliche Plätze für die Stiefelreinigung können darauf hinweisen, dass ein Stiefelwechsel nötig ist.

Tipp: Mit Vorbeugung (Hygienemanagement) und Beobachtung (Kontrollen) beginnen, anstatt zu warten, bis eine Bekämpfung (Sanierung) notwendig wird. Dieses Vorgehen ist auf lange sicht betrachtet am erfolgreichsten und auch ökonomisch am effektivsten.

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