Veranstaltung

Bilder, die die Menschen verstören

Tierquälerei
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Cornelia Beisser
am Donnerstag, 25.07.2019 - 12:18

Schreckliche Bilder und Filme, die zeigen, wie Milchkühe in einem Stall misshandelt werden, wurden zu Beginn einer Veranstaltung der „Soko Tierschutz“ in der Kemptener Kultbox gezeigt.

Kempten/Schw. Politiker, Tierschützer und Bürger versuchten herauszufinden, wie es so weit kommen konnte, wer dafür verantwortlich ist und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind. Von Behördenversagen war die Rede, der Verantwortung der Verbraucher an der Ladentheke, von den politischen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft und vom Faktor Mensch.

„Wir haben genügend Kontrollmechanismen, die greifen sollten“, sagte etwa der FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Dominik Spitzer, der auf dem Podium saß. Wenn das nicht funktioniere, müsse nachgebessert werden. Die agrarpolitische Sprecherin der Grünen, Gisela Sengl, sieht den Fehler im System. Die Landwirtschaft sei in der Vergangenheit auf Masse und Export getrimmt worden. Und der Oberallgäuer Landtagsabgeordnete Dr. Leopold Herz (Freie Wähler), der auch Vorsitzender im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist, warnte davor, „alle Bauern über einen Kamm zu scheren“. Der im Fokus stehende Betrieb habe nichts mehr mit bäuerlicher Landwirtschaft zu tun.

Laut Friedrich Mülln, dem Vorsitzenden des Vereins „Soko Tierschutz“, haben Vertreter von CSU und SPD abgesagt, die Molkerei Champignon und der Schlachthof Vion die Anfragen zur Teilnahme an dem Bürgergespräch ignoriert. Die anwesenden Landwirte, die zu Wort kamen, stellten ihre solide Arbeitsweise in den Vordergrund und wollten nicht in die Tierquäler-Schublade gesteckt werden.

Am Ende der Veranstaltung lobte Mülln eine Prämie von 5000 € aus für das Anzeigen von Vorfällen, wenn männliche Kälber getötet werden, nur weil sich deren Aufzucht wirtschaftlich nicht lohne.

Hohe Kälbersterblichkeit: Ursachen bekannt

In dem Betrieb in Bad Grönenbach, gegen den wegen seines Tierwohl missachtenden Umgangs mit seinem Vieh die Staatsanwaltschaft ermittelt, gab es zeitweise eine erhöhte Kälbersterblichkeit. Das war dem Veterinäramt am Landratsamt Unterallgäu bekannt, obwohl die Auswertung der Kälbersterblichkeit nicht zu den Regelaufgaben des Veterinäramts gehöre, hieß es in einer Pressemitteilung. Und weiter: In dem Betrieb grassierte der BVD-Erreger. Gemeinsam mit dem Tiergesundheitsdienst seien die Veterinäre dieses Problem angegangen. Es wurden zum Beispiel umfassende Impfmaßnahmen angeordnet. Sogenannte PI-Tiere (Virämiker, die die Krankheit lebenslang in sich tragen) mussten getötet werden.

Grundsätzlich gilt: Die Daten zu seinem Tierbestand pflegt der Landwirt selbst in eine gesamtbayerische Datenbank ein, die auch von den vorgesetzten Behörden einsehbar ist. Die Daten zur Kälbersterblichkeit werte das Veterinäramt aber nur aus, wenn ohne ersichtliche Ursache Auffälligkeiten auftreten. In diesem Fall war aber die Ursache bekannt.