LKV-Milchleistungsprüfung

Bayerns Kühe werden älter

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LKV Bayern
am Donnerstag, 17.12.2020 - 08:45

LKV-Milchleistungsprüfung: Die bayerischen Milchviehhalter schaffen es im Einklang mit dem Tierwohl, die Zahl der Kühe mit hoher Lebensleistung weiter auszubauen. Der Strukturwandel hinterlässt 2020 jedoch deutliche Spuren.

Auf einen Blick

  • In Bayern gibt es über alle Rassen hinweg mehr Lebensleistungskühe denn je zuvor.
  • Die Zweinutzungsrasse Fleckvieh hat erstmals die Leistungsmarke von 8 000 kg Milch geknackt.
  • Sowohl die Lebensleistung, als auch die Nutzungsdauer der bayerischen Milchkühe steigt gemäß dem langjährigen Trend weiter stetig an.
  • Der Rückgang der Betriebe in Bayern im Zuge des Strukturwandels bewegt sich auf Vorjahresniveau, allerdings verringern sich die Kuhzahlen in diesem Prüfungsjahr überdurchschnittlich stark.

Verbesserte Haltungsbedingungen

Braunvieh-Kuh_MR

Aufgrund weiter verbesserter Haltungsbedingungen konnten die bayerischen Milchviehhalter die Leistungen ihrer Kühe im Jahr 2020 weiter steigern und zwar um 142 kg auf 8187 kg, wie die Ergebnisse der aktuellen Milchleistungsprüfung (MLP) zeigen. Auch der weiter anhaltende Struktuwandel macht sich hier bemerkbar, denn die Milchproduktion wird weiter vorwiegend in kleineren Betrieben eingestellt, welche oft geringere Durchschnittsleistungen als Größere haben. Die diesjährige Leistungssteigerung fällt deutlich höher als das zehnjährige Mittel (107 kg) aus. Die Inhaltsstoffe sind dabei mit 4,21 % Fett und 3,53 % Eiweiß nahezu konstant.

Im Prüfungsjahr 2020 setzt sich der Strukturwandel mit 4,3 % fort. Damit ist der Betriebsrückgang zwar im Vergleich zu den beiden vergangenen Jahren konstant, liegt aber deutlich über dem langjährigen Mittel (3,8 % in den vergangenen 15 Jahren). Den höchsten Betriebsrückgang markiert hierbei das Jahr 2017 mit 5,1 %. Da es sich bei den MLP-Aussteigern fast ausschließlich um Betriebe handelt welche die Milchviehhaltung komplett einstellen, sind die Hauptgründe dafür wohl zum einen die immer ernster werdenden Diskussionen um die Anbindehaltung und zum anderen die Auswirkungen der Düngeverordnung. Zum 30. 9. gab es noch 17 553 MLP-Betriebe in Bayern.

790 Betriebe und 2 % der Kühe bei der MLP weniger

Erschreckender als der ohnehin schon hohe Verlust von 790 Betrieben ist der Blick auf die Entwicklung der Kuhzahlen. Konnte die absolute Zahl an Kühen in den vergangenen 15 Jahren durch die wachsenden Herden noch nahezu ausgeglichen werden (minus 0,4 % pro Jahr), reduzierte sich die Zahl der MLP-Kühe in diesem Jahr um 2 % (18 459 Kühe). Dies stellt den höchsten Wert im genannten Zeitraum dar.

Zum Ende des Prüfungsjahres standen somit noch 926 289 Kühe in den Ställen. Überdurchschnittlich viele Betriebsaufgaben und der höchste Rückgang der Kuhzahl seit 15 Jahren lassen nur einen Schluss zu: Das Wachstum in den Betrieben verlangsamt sich. Die durchschnittliche Kuhzahl in den MLP-Betrieben hat sich im abgelaufenen Jahr um 1,3 Kühe erhöht. Während die Herden in den vergangenen zehn Jahren jährlich um 3,6 % wuchsen, waren in diesem Jahr lediglich 2,5 % Herdenwachstum zu verzeichnen. Im Jahr 2020 standen in den bayerischen MLP-Betrieben somit im Mittel 52,8 Kühe.

Nutzungsdauer und Lebensleistung steigen

Rind

Für eine wirtschaftliche Milchproduktion sind zweifelsfrei eine ganze Reihe an Einflussfaktoren entscheidend. Keiner dieser Faktoren ist aber so deutlich vom Landwirt zu beeinflussen, wie die Leistung seiner Kühe. Dass die Leistung nicht im Konflikt mit der Gesundheit und dem Tierwohl stehen muss, haben dabei bereits verschiedene Auswertungen mehrfach gezeigt.Das durchschnittliche Alter der abgegangenen Kühe der milchbetonten Rasse Holstein Schwarzbunt sowie der Zweinutzungsrasse Fleckvieh unterscheidet sich bspw. nur um wenige Tage. Lediglich die Lebensleistungsrasse Braunvieh schert hier aus und stellt sich mit durchschnittlich 6,6 Jahren um ein komplettes Jahr besser dar.

Um die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere auch bei steigenden Leistungen stets im Blick zu haben, sollte die MLP als das Erzeugungs- und Qualitätsmonitoring schlechthin in keinem Betrieb fehlen. Dass das betriebliche Management und die unterstützende Beratung dem züchterischen Fortschritt standhalten können, zeigt ein Blick auf die Entwicklung des Abgangsalters in den vergangenen 20 Jahren: Während die Milchleistung seit dem Jahr 2001 um über 1 800 kg gesteigert wurde, stieg auch das durchschnittliche Abgangsalter von 5,5 auf 5,7 Jahre um rund 2,5 Monate. Die Konsequenz aus dem höheren Abgangsalter und das im genannten Zeitraum um etwa einen Monat gesunkene Erstkalbealter ist eine deutlich höhere Nutzungsdauer der bayerischen Milchkühe als noch vor 20 Jahren.

Ausgeprägte Zunahme in Nordbayern

Eine sehr differenzierte Entwicklung gab es im vergangenen Jahr bei der Milchleistung in den unterschiedlichen Regionen Bayerns. Während die Leistungsentwicklung in Schwaben (+34 kg), Niederbayern (+105 kg) und Oberbayern (+61 kg) Nordbayern im moderaten Bereich lag, scheinen die Folgen des Dürrejahrs 2019 in Nordbayern größtenteils überstanden.

Die Milchleistung entwickelte sich hier durchwegs überdurchschnittlich (Mittelfranken +381 kg, Oberfranken +300 kg, Unterfranken +352 kg, Oberpfalz +265 kg). Bayerns leistungsstärkste Kühe standen im vergangenen Jahr damit im Mittelfranken (8610 kg), wobei auch die oberbayerischen Kühe erstmals über 8000 kg lagen. Der Wermutstropfen ist jedoch, dass in diesen Regionen auch die Zahl der Betriebsaufgaben mit bis zu annähernd 10 % (Unterfranken) am höchsten sind, während es in Oberbayern lediglich 3,1 % waren.

Fleckvieh erstmals über der 8000 kg-Marke

Im Jahr 2020 konnte das Fleckvieh in Bayern erstmals die Grenze von 8000 kg Milch überschreiten. Dank eines Leistungszuwachses von 167 kg ermolken die bayerischen Fleckviehkühe im abgelaufenen Jahr 8130 kg. Die Schwarz- und Rotbunten Kühe konnten ebenfalls einen Leistungszuwachs um 191 bzw. 123 kg auf 9445 bzw. 8833 kg verzeichnen. Von den vier Hauptrassen konnte lediglich das Braunvieh keinen Leistungszuwachs für sich verbuchen, sondern musste das zweite Jahr in Folge um 69 kg auf nunmehr 7582 kg Federn lassen.

73 000 Biokühe gibt es inzwischen in Bayern

Beim Blick auf den Rassevergleich gilt es hier den Anteil an Biokühen in den jeweiligen Rassen zu berücksichtigen. Während bei Holstein Schwarz- und Rotbunt sowie Fleckvieh nur rund 6 bzw. 7 % der Kühe in Ökobetrieben stehen, ist es beim Braunvieh mit über 18 % fast jede fünfte Kuh. Über alle Rassen hinweg gab es in Bayern vergangenes Jahr gut 73 000 Biokühe (8 % der Population), welche bei etwas geringeren Inhaltsstoffen (4,12 % Fett und 3,39 % Eiweiß) eine Durchschnittsleistung von 6767 kg hatten.

Die Holsteinkühe setzen sich hier mit 7682 kg mit knapp 1000 kg vom Braunvieh (6753 kg) und Fleckvieh (6715 kg) ab. Der bloße Blick über alle Tiere hinweg täuscht hier also beim Rassenvergleich, da das Braunvieh nicht nur in den ohnehin schon oft extensiv wirtschaftenden Betrieben am Alpenrand steht, sondern auch rund dreimal so viele Biokühe wie die anderen gängigen Rassen stellt.

Herdenfortschritt in größeren Betrieben

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Ein besonderes Augenmerk verdient hier auch der Blick auf die Entwicklung der Leistung in den verschiedenen Betriebsgrößen. Dass in größeren Herden höhere Leistungen erbracht werden als in kleineren, sollte hinlänglich bekannt sein. Betriebe mit mehr als 100 Kühen ermolken im Jahr 2020 9025 kg, während es in Betrieben mit 30 bis 40 Kühen rund 2500 kg weniger waren (7511 kg). Verglichen mit dem Jahr 2018 konnten hier bei den größeren Betrieben die Leistung um 258 kg gesteigert werden, während es bei den kleineren 49 kg waren.

Die längere Nutzungsdauer und gestiegene Leistungen wirken sich auch dieses Jahr wieder über alle gängigen Rassen hinweg positiv auf die Abgangsleistungen aus. Wie im Vorjahr behaupten sich die Kühe der Rasse Holstein Rotbunt mit 31 577 kg (+ 951 kg) vor dem Braunvieh mit 31 169 kg (+ 765 kg). Es folgen Holstein Schwarzbunt, erstmals über 30 000 kg, und Fleckvieh.

Lebensleistung als bestes Zeugnis für die Tierhalter

Ein besonders positives Bild auf die Erfolge der bayerischen Milchviehhalter wirft ein Blick auf die Entwicklung der Zahl der Lebensleistungskühe (Kühe mit > 100 000 kg Milch). Gab es hier im Jahr 2007 noch 315 Stück über die gängigen Rassen hinweg, so waren es im MLP-Jahr sage und schreibe 1447 Stück. Für die Landwirte gibt es kein besseres Zeugnis für die Erfüllung höchster Management- und Tierwohlstandards.
Im Vergleich zu 2007 standen damit vergangenes Jahr mehr als viereinhalbmal so viele Lebensleistungskühe in den bayerischen Ställen, korrigiert um die reduzierte Kuhzahl sind es sogar 4,8 mal so viele. Während bei der Rasse Fleckvieh in etwa jede tausendste Kuh diese Leistung erreicht, ist es bei Holstein und Braunvieh eine von 300 Kühen. Allerdings hat sich Fleckvieh hier im genannten Zeitraum extrem verbessert, im Vergleich zum Jahr 2007 hat die Rasse mittlerweile rund sechseinhalbmal so viele 100 000 l-Kühe vorzuweisen.

Abgangsursache Nummer eins ist Unfruchtbarkeit

Ziel ist es bei allen Kühen, hohe Lebensleistungen durch das Herdenmanagement zu erreichen. Der MLP-Zwischenbericht liefert hier eine ganze Reihe an Informationen über die Gesundheit der Tiere. Um die Stellschrauben im eigenen Betrieb zu kennen, ist ein konsequentes Erfassen der Abgangsursachen unabdingbar.
Wie in den Vorjahren auch ist die Fruchtbarkeit nach wie vor die häufigste Abgangsursache (21,9 %). Des Weiteren folgen Eutererkrankungen (16,1 %) sowie eine geringe Leistung (10,1 %). Letztere sind besonders schmerzhaft, da die Tiere im Schnitt nur 4,2 Jahre alt und somit weit weniger als zwei Jahre in Milch waren. Leider wird die Möglichkeit der Erfassung der Abgangsursachen immer noch bei fast jeder dritten Kuh nicht genutzt. Eine umfassende Unterstützung bei der korrekten Erfassung sowie individuellen Bearbeitung der betrieblichen Schwachstellen bieten hier der Leistungsoberprüfer sowie der LKV-Berater.
Zwischen den Rassen gibt es hier nur sehr geringfügige Unterschiede, wobei die fruchtbarkeitsbedingten Abgänge beim Braunvieh mit 23,7 % am höchsten sind. Außerdem gehen beim Braunvieh 15,1 % der Kühe wegen hohen Alters ab (10,6 Jahre). Beim Fleckvieh und Schwarzbunt fallen neben der Unfruchtbarkeit (21,9 bzw. 19,9 %) vor allem die euterkranken Tiere (16,5 bzw. 15,5 %) auf. Unterstützung im Fruchtbarkeitsmanagement bieten hier die verschiedenen Angebote des PAG-Tests, mit denen können teilweise mehrfach je Laktation auf Trächtigkeit untersucht werden, um möglichst früh über den Trächtigkeitsstatus er Kuh informiert zu sein oder auch Aborte rechtzeitig zu bemerken.

Über 3000 Betriebe nutzen ProGesund

Weiterhin unterstützt das LKV Bayern die Milchviehhalter im Management Ihrer Herde mit dem Gesundheitsmonitoring Pro Gesund. Neben einer differenzierten Auswertung der einzelnen Probemelkungen können dabei noch eine Vielzahl an Beobachtungen erfasst werden. 3378 Betriebe und 169 Tierärzte nutzen Pro Gesund.