Ställe

Bauwettbewerb: Bayern räumen ab

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Max Riesberg
am Dienstag, 20.11.2018 - 13:56

Gleich drei bayerische Familienbetriebe wurde für Umbaulösungen vom Bundeslandwirtschaftsministerium ausgezeichnet.

Ein Beweis für die Kreativität der Landwirtschaft in Sachen bauen ist der Bundeswettbewerb landwirtschaftliches Bauen, der 2017/18 unter dem Motto: „Aus Alt mach Neu – Zukunftsweisende Stallanlagen durch Umbau“ lief.  Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) schrieb den Wettbewerb, der jedes Mal einen anderen Themenschwerpunkt hat, bereits zum 24. Mal aus. Die Preisverleihung fand in feierlichem Rahmen auf dem TopTierTreff im Rahmen der EuroTier statt.

„Gerade der Umbau und die Nutzung von bestehenden Altgebäuden ist eine besondere Herausforderung für die Baueherren“, betonte der neue KTBL-Präsident Prof. Eberhard Hartung. Da brauche es viel Mut und Sachverstand, den die ausgezeichneten Betriebe allesamt eindrucksvoll unter Beweis stellen konnten. Das Besondere: In diesem Jahr waren unter den sechs prämierten Landwirtsbetrieben gleich drei aus Bayern.

Familie Willibald aus Arzbach (Lks. Bad Tölz) betreibt eine erfolgreiche Fleckviehzucht mit 13 Milch- und Zuchtkühen, drei Zuchtbullen und der Nachzucht. 2008 erfolgte der Umbau des alten Anbindestalles zu einem Laufstall mit Hochliegeboxen. Hier beeindruckte die Jury eine im Detail durchdachte Umbaulösung, die aus den Gegebenheiten am Hof das Beste herausgeholt hat. Selbst konzipierte Rolltore, Hubdecken im Kälberbereich, abwaschbare Stallwände und -decken sowie eine ausgeklügelte Schiebekonstruktion der Stalldecke, die den Heuboden abtrennt, machen das Gesamtbild des Umbaus stimmig. Die Wirtschaftlichkeit des Betriebes sowie die Tiergesundheit und die Arbeitszufriedenheit der Landwirtsfamilie sprechen für sich.

Die Sieger aus Bayern

„Wir haben unsere Anmeldung für die Teilnahme zum Bundeswettbewerb erst ein paar Tage vor Abgabeschluss eingesendet und hätten nie gedacht, dass wir so weit kommen“, erzählt Georg Willibald. Die Baumaßnahme wurde bereits vor zehn Jahren im Rahmen der von der Molkerei Berchtesgaden forcierten Maßnahme zum Umbau von Anbindehaltung in kleine Laufställe durchgeführt. „Mein Mann hat viel Wert auf Details gelegt und wurde deshalb zunächst belächelt“, ergänzt Marianne Willibald. Doch heute kann die Familie mehr als zufrieden sein, „denn es funktioniert“, sind sich beide einig. Wenn man dann noch so eine Auszeichnung als Bestätigung bekommt, dürfe man schon ein bißchen stolz sein, meint das Betriebsleiterehepaar bescheiden.

Der Betrieb der Familie Holzner in Bad Endorf (Lks. Rosenheim) wird als Familienbetrieb mit Vater-Sohn-Nachfolge geführt. Hier handelt es sich um einen konventionellen Milchviehbetrieb in GbR mit Label-Vermarktung (Sternenfair-Milch). 57 Milchkühe, 28 Jungrinder und zehn Kälber werden in einem Stallneubau gehalten. Der ehemalige Anbindestall wurde zum Melkhaus mit Abkalbebereich und Laufstall mit Liegeplätzen für Trockensteher umgebaut. Der Umbau des alten Anbindestalles zum Melkhaus ist sowohl im Betriebsablauf als auch aus klimatischer Sicht gut gelungen, wie die Jury beurteilt. Das alte stabile Gebäude bringt im Melkstand angenehme Temperaturen und ermöglicht im Sommer wie auch im Winter ein angenehmes Klima für Mensch und Tier. „In beengter Dorflage ist dieses Konzept, verbunden mit der Label-Vermarktung, beispielhaft und zukunftsträchtig“, heißt es in der Laudatio.

Familie Neumaier aus St. Wolfgang (Lks. Erding) bewirtschaftet einen Familienbetrieb. Der alte massive Anbindestall für 30 Milchkühe wurde 2016 zu einem Masthähnchenstall mit Wintergarten und Freiland für 4800 Bio-Masthähnchen umgebaut. Das typische Bestandsgebäude aus den 1970er-Jahren wurde komplett entkernt und ein neuer Betonboden eingezogen. Für den Wintergarten, der an der Westseite des Gebäudes entstand, wurden sieben Auslaufluken ausgeschnitten. An der Südseite des Stalles wurden drei große Ventilatoren eingebaut. In der ehemaligen Milchkammer konnte die Technik des neuen Stalles installiert werden. Im Stall wurde eine 8 cm dicke Isolierdecke angebracht und die Aufstallungseinrichtungen eingebracht. Die Familie ist mit der neuen Situation zufrieden. Tiergesundheit und -leistung sprechen für sich.

Weitere Bundessieger

 Weitere ausgezeichnete Betriebe:

  • Familie Dörr vom Wackenberger Hof in Wiesbach, Saarland (Legehennenhaltung, Acker-/Gemüsebau und Direktvermarktung nach Bioland-Richtlinien. Prämiert wurde der umgebaute Schweinemaststall, der nun 950 Legehennen ein Zuhause in Freilandhaltung bietet).
  • Die Bodenkamp van Bebber Veredlungs GmbH und Co KG in Samern, Niedersachsen (Konventioneller Schweinemastbetrieb. Zwei ehemals geschlossene zwangsbelüftete Mastställe wurden zu Offenställen mit Außenklima umgebaut und bieten nun 1008 Tieren pro Stallgebäude Platz. Die alternative Haltung in strukturierten Buchten mit Funktionsbereichen und Bodenfütterung bietet den Tieren eine abwechslungsreiche Umgebung). 
  • Betrieb Rieken, UT Oostfreesland in Aurich, Niedersachsen (konventioneller Haupterwerbsbetrieb. Beispielhafter Umbau zweier ehemaliger Schweinemastställe im Außenbereich zu Volierenställen nach Tierschutzstandards der Premiumstufe für 15 950 Legehennen zur Konsumeierproduktion).

Auch Dr. Hermann Onko Aeikens vom Bundesministerium bescheinigte den Ausgezeichneten allen samt enormen Innovationsgeist „in einem Wirtschaftszweig, der mit Ansehen und Akzeptanz zu kämpfen habe, wie kaum ein anderer“, wie er zu bedenken gab. Die einzelnen Lösungen seien richtungsweisend für die gesamte Branche.  Aeikens sagte den Landwirten zu, dass von Seiten des Bundes die Umbauförderung noch weiter ausgebaut werden soll. Zudem stellte er den Landwirten raschere Baugenehmigungen und schnellere Prüfungen in Aussicht – Was ist mit alter Bausubstanz überhaupt noch möglich?