Pferdezucht

Ihr Auftritt: Die schönsten Kaltblüter Bayerns

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Andrea Tölle
Andrea Tölle
am Donnerstag, 15.10.2020 - 14:52

Die Landesschau Süddeutsches Kaltblut war ein Festtag für die Züchter. Das lag nicht nur an der hervorragenden Qualität der Stuten.

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Ich bin dankbar diesen Tag erlebt zu haben. Alle 72 Kaltblüter haben dazu beigetragen, dass es ein toller Tag wurde“, meinte Rassebeiratsvorsitzender Florian Schelle. Auch Gastrichter Dr. Matthias Görbert lobte: „Nach den vielfältigen coronabedingten Einschränkungen der Pferdezucht- und sportveranstaltungen war die Durchführung der 2020er Landesschau ein gelungener Höhepunkt in den Aktivitäten des Verbandes Bayerischer Pferdezüchter.“ Die positive Resonanz war am Auftrieb der Stuten und den gut gestimmten Teilnehmern zu spüren. Von den 165 zur Stutbuchaufnahme vorgestellten Stuten hatten 75, also 45 % die Zulassung nach München erhalten, wovon 72 zum Auftrieb gelangten. Den Richtern Josef Erhart, Christian Strauß, Hermann Ober, Dr. Matthias Görbert und Zuchtleiter Torsten Große-Freese fiel das optimale Mustern der bestens herausgebrachten Stuten in sehr guter Schaukondition als vorbildlich auf und trug zur harmonischen Arbeit in der Bewertungskommission bei.

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Die Stuten demonstrierten im Typ und in der Modellgestaltung eine Variationsbreite, die erwarten lässt, dass auch zukünftig Pferde der Rasse Süddeutsches Kaltblut für alle Einsatzgebiete zur Verfügung stehen. Nach dem Dafürhalten von Gastrichter Görbert lassen sich die Stuten drei verschiedenen Typrichtungen zuordnen:

  • Typ A: ausdrucksvoller, gut bemuskelter Kaltblüter, der auch eine gewisse Noblesse ausstrahlt, für die klassischen Arbeits- und Repräsentationsgespanne,
  • Typ B: kalibriges, dabei etwas derberes größeres Kaltblutpferd für die verbliebenen Arbeitsgespanne in der Forstwirtschaft,
  • Typ C: etwas leichteres, gängiges Pferd für den Freizeitsport sowie für die Freizeit- und Wanderreiterei.

Nach der Einzelvorstellung konnten 18 Stuten für den Endring ausgewählt werden.

Die Siegerin Ravena strahlte bei jedem Auftritt

Das Haupt- und Landgestüt Schwaiganger konnte bei den Kaltblutstuten einen Erfolg feiern. Ihre Ravena (v. Van Gogh/ Ramsach) sicherte sich den Sieg. Vater, der Bundesreservesieger Van Gogh (v. Victor/Nussknacker) ist Landbeschäler in Schwaiganger und war 2. Reservesieger seiner Körung 2014. Görbert lobte die Fuchsstute: „Ravena kann als Siegerstute nach Maß und als Zuchtzielmodell bezeichnet werden. Sie strahlte bei jedem ihrer Auftritte viel Präsenz aus und verfügt über den gewünschten Kaltblutadel, ohne dabei puppig zu wirken. Im Einzelnen zeichnen sie aus: ein ausdrucksvoller Kopf, gut getragene Halsung, eine wohlproportionierte Dreiteilung im Körper, wobei die schräge Schulter und die optimal gewinkelte und bestens bemuskelte Kruppe hervorzuheben sind. Auch die Korrektheit des Fundaments, insbesondere des Vorderfußes, fiel ins Auge. Im Bewegungsablauf zeigte sie sich schwungvoll im Trab und mit raumgreifendem Schritt.“
Das HLG stellte mit Sivera (v. Veron/Schogun) eine zweite Endringstute. Zudem qualifizierten sich zwei weitere Töchter von Van Gogh für den Endring: Noblesse aus der Naomi (v. Rupp/Grimaldi S) aus der Zucht von Georg Mayr, Rottenbuch und Jette aus der Joni (v. Renzo/Ramsauer I) aus der Zucht von Ludwig Engelhard, Bubenhausen.

Erste Reservesiegerin Pocahontas: edler Typ

Den 1. Reservesieg konnte Pocahontas (v. Rochus/Nussberg, Z.: Rosemarie Schröder, Traunstein, B.: Andrea Schröder) verbuchen. Matthias Görber lobte den edlen Typ mit ganz feinem Stutengesicht. Hervorzuheben ist neben der guten Linierung ihrer Körpertiefe vor allem das nahezu makellose Fundament. In der Bewegungsdemonstration zeigte sie einen besonders raumgreifenden Schritt. Der Trab war gekennzeichnet durch Fleiß, könnte aber noch mehr durch den Körper der Stute schwingen.
Schon die Uroma Pamina (v. Schlehdorn) gehörte Rosemarie Schröder. Pocahontas, Mutter, die Staatsprämienstute Pandora (v. Nussberg/Ramsprinz) brachte in neun Zuchtjahren neun Fohlen zur Welt, davon zwei Staatsprämienanwärterinen und drei Prämienstuten. „Für den Hengst Rochus (v. Rupp/Nussdorf) haben wir uns entschieden, weil seine Elterntiere aus besten Mutterstämmen stammen und Rochus ein sehr ansprechendes und charakterstarkes Pferd ist“, berichtet Andrea Schröder, die sich täglich über die Gelassenheit und Unerschrockenheit von Pocahontas freut. Im Stall Schröder in Traunstein stehen außer Pocahontas drei weitere Rochus-Töchter: die Staatsprämienanwärterin Pina Colada, die Prämienstute Prada und eine Jährlingsstute.

Zweite Reserve Orla mit Weiblichkeit im Typ

Die 2. Reservesiegerin wurde Orla (v. Rupertiwinkel/Gigolo) von Josef Waller, Niederaudorf. Görbert kommentierte: „Auch diese braune Stute zeichnet sich durch Weiblichkeit im Typ und sehr gute Übergänge aus, wobei die Bemuskelung der Hinterhand positiv ins Auge fiel. Bei all den Vorzügen hätte man ihr noch etwas raumgreifendere Bewegungsabläufe gewünscht.“
Die Dunkelbraune führt über ihre Mutter Ondra (v. Gigolo/Dirnstein) noch 12,5 % sächsisches Warmblut in sich, da der Muttervater Gigolo ein Sohn des schweren Warmblüters Geronimo ist. Auch die Mutter war seinerzeit bei der Landesschau im Endring platziert. Dank ihrer Nervenstärke kann man sie auch gut vor dem Fiaker einsetzen. Orla stammt aus einer ganz fruchtbaren Mutterlinie: Mutter Ondra hat in neun Zuchtjahren neun Fohlen gebracht.
Waller legt viel Wert auf eine natürliche Aufzucht. Der Nachwuchs verbringt zwei Sommer auf der Alm, was die Widerstandskraft und Härte sowie die Trittsicherheit und Ausdauer der Pferde fördert.
Bewegungssiegerin wurde die Rißbach/Schlern-Tochter Fini von Josef Raßhofer, Reichersbeuern. Görbert lobte: „Diese im Rechteckformat stehende, lang linierte, etwas herbe Stute konnte aus einer bestens gewinkelten Hinterhand einen enorm kraftvollen Antritt entwickeln. Dazu befand sie sich stets im Gleichgewicht und begeisterte bei jeder Vorstellung durch Raumgriff, Takt und Schwung.“
Etwas kritisch äußerte sich Dr. Matthias Görbert bei all der Begeisterung doch noch: „Wird die große Zahl der zur Schau zugelassenen Stuten dem Anliegen gerecht, nur die besten des Jahrgangs für die Staatsprämienanwartschaft auszuwählen?“ Da nach den in Bayern geltenden staatlichen Vergaberichtlinien nur 20 Prozent der Stuten eines Eintragungsjahrganges mit dem Titel Staatsprämienanwärterin ausgezeichnet werden können, bleibt zu erörtern, wie viele Stuten zur Landesschau künftig zum Auftrieb kommen sollten. Diese Frage stellt sich auch deshalb, da bei dem gültigen Vergabeverfahren der Anwartschaften die Gefahr besteht, dass nach der Landesschau doch einige Züchter frustriert nach Hause fahren. Geht man davon aus, dass die 20 Prozentklausel für eine Staatsprämienanwartschaft erhalten bleibt, dann sollten maximal 25 Prozent eines Jahrgangs die Zulassung zur Schau erhalten. Das hätte für den aktuellen Jahrgang bedeutet, dass anstelle von 75 Stuten maximal 40 erschienen wären. „Mit diesen Ausführungen will ich lediglich einen Denkansatz liefern, der in der Züchterschaft und den Verbandsgremien zur Diskussion anregen soll“, meinte Görbert und weiter: „Es bleibt festzuhalten, dass das Qualitätsniveau der besten Stuten, die auf der Landesschau zu sehen waren, einen sehr hohen Stand erreicht hat, an dem sich zukünftige Kollektionen messen können.“

Das sind die 18 Endringstuten

Siegerstute: Ravena (v. Van Gogh/Ramsach), B. und Z.: Haupt-und Landgestüt Schwaiganger, 82441 Ohlstadt;

1. Reservesiegerstute: Pocahonta (v. Rochus/Nussberg), B.: Andrea Schröder, 83278 Traunstein, Z.: Rosemarie Schröder, 83278 Traunstein;

2. Reservesiegerstute: Orla (v. Rupertwinkel/Gigolo), B. und Z.: Josef Wallner, 83080 Niederaudorf;

Bewegungssiegerstute: Fini (v. Rißbach/Schlern), B. und Z.: Josef Raßhofer, 83677 Reichersbeuern;

Weitere Stuten im Endring:

Flora (v. Vodka/Safir), B. und Z.: Tobias u. Stefan Kotz, 87645 Schwangau;

Paloma (v. Schlosser/Rossau), B. und Z.: Thomas Hipp, 86975 Bernbeuren;

Paloma (v. Veitel/Sribery), B. und Z.: Andreas Ellenrieder, 87675 Rettenbach;

Sivera (v. Veron/Schogun), B. und Z.: Haupt-und Landgestüt Schwaiganger, 82441 Ohlstadt;

Ella (v. Salieri S/Valdano), B. und Z.: Hans Maier, 83703 Gmund;

Tony (v. Schlosser/Schwarzach), B: Johann Sprenzel, 86975 Bernbeuren;

Mirabella (v. Ganimedes/ Scherenau), B. und Z.: Gabriele Gantner, 82438 Eschenlohe;

Pina (v. Retter/Rupp) B,: Bauer Christian, 94259 Kirchberg, Z.: Ernst Steffl, 83236 Übersee;

Harmonie (v. Salieri S/Silvester) B: Katharina Mair, 83629 Weyarn;

Bordeaux N (v. Versailles/ Solero II), B. und Z.: Karl Neumayr Karl, 83083 Riedering;

Omira (v. Veitel/Schachen), B. und Z.: Josef Steinle, 86911 Diessen;

Noblesse (v.Van Gogh/Rupp), B.: Georg Mayr, 82401 Rottenbuch, Z.: Klaus Widmann, 83727 Schliersee;

Jette (v. Van Gogh/Renzo), B. und Z.: Ludwieg Engelhard, 89264 Bubenhausen;

Pippa (v. Grenoble S /Renzo), B.: Benedikta Hack, 86807 Honsolgen, Z.: Josef, Hartung, 86807 Honsolgen.

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