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Corona-Prävention

2G+ im Reitstall umstritten

Reithallen
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 08.12.2021 - 15:48

Eine auf das Pferderecht spezialisierte Anwältin hat sich in einem offenen Brief an das Innenministerium gewandt und darin auf nicht nachvollziehbare Regelungen verwiesen.

Birgit Blank, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht bemängelt in dem Schreiben, dass die in der 15. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (BayIfSMV) getroffenen Regelungen, soweit sie die Ausübung des Pferdesports betreffen, nicht nachvollziehbar seien. Es sei schwer verständlich, was wo und mit welcher Konsequenz nun gelte. Das Bayerische Staatsministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten habe am 17.03.2021 noch die Ansicht geteilt, dass teil-/halboffene Hallen und überdachte Freiluftsportanlagen, die eine mit Freiluftsportanlagen vergleichbar hohe Luftzirkulation gewährleisten, als Anlagen “unter freiem Himmel” gleichgestellt werden können (https://www.stmelf.bayern.de/ministerium/241613/). Deren Betrieb und Nutzung sei somit für die Unterrichtserteilung und zur Ausübung von Reitsport zulässig. Diese Einstufung scheint das Ministerium inzwischen vergessen zu haben.

Durch die Reiterliche Vereinigung FN wurden Studien veröffentlicht, wonach das Ansteckungsrisiko beim Reiten in einer Reithalle mehr als gering ist (Coronavirus: Nur geringe Ansteckungsgefahr in Reithallen (pferd-aktuell.de).

Desweiteren verweist die Autoren auf den Tierschutz, wonach die Bewegung von Pferden immer gewährleistet sein muss

Verhältnismäßigkeit der Regelung 2G+

Die Einführung der Regelung 2Gplus auf Reitanlagen erachtet die Fachanwältin weder für geeignet noch erforderlich, um der Ausbreitung des Corona-Virus zu begegnen. Schon gar nicht, wenn der Großteil der Geimpften in Kürze auch noch geboostert sein werde. Im Gegenteil werde die in Bayern beklagte viel zu niedrige Impfquote dadurch eher verstärkt. Für Ungeimpfte bestehe keinerlei Anreiz, sich impfen zu lassen. Mit teils rotzigen Drohungen „erpressen“ sich Ungeimpfte in Reitställen den Zugang zur Reithalle – schließlich stehe das Tierwohl an oberster Stelle und „wer mich nicht zu meinem Pferd lässt, den melde ich beim Ordnungsamt.“ Irgendetwas finde sich da immer.

"Wieso sollte sich ein Ungeimpfter testen lassen, wenn er doch aus Tierwohlgründen auch ohne Test und Impfung sein Pferd bewegen darf?" hinterfragt findet Anwältin die jetzige Situation. Der redliche und umsichtige Geimpfte hingegen werde durch die 2G+ Regelung in unzumutbarer Weise gegängelt.

Offener Brief an das Bayerische Innenministerium