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Nitrauswaschung

Zwischenfrucht senkt den Herbst-Nmin

Senfgemenge
Regierung von Unterfranken
am Dienstag, 19.04.2022 - 11:13

Ein Projekt in Unterfranken soll die Nitratwerte in Roten Gebieten langfristig senken. Vor allem der Bodenbearbeitung und dem Zeitpunkt des Zwischenfruchtumbruchs kommen dabei hohe Bedeutung zu.

Die Düngeverordnung und die Ausweisung von nitratgefährdeten Gebieten – Roten Gebieten – führten dazu, dass die Regierung von Unterfranken zusammen mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und dem Erzeugerring Unterfranken 2020 ein „Nmin-Projekt“ gestartet hat. Mit Nmin wird der für die Pflanzen im Boden verfügbare mineralische Stickstoff (N) bezeichnet. Im Rahmen des Projekts wird der Nmin-Vorrat der Felder im Herbst gemessen, um das Auswaschungsrisiko von Nitrat im Winter abzuschätzen.

Das Projekt wurde 2021 weitergeführt und ausgeweitet. Darüber hinaus wurden in den betroffenen Gebieten Arbeitskreise mit den Landwirten vor Ort gegründet. Ziel ist es, die Nitratwerte an den Messstellen in Unterfranken, die überhöhte Werte aufweisen, langfristig zu senken. Die drei Pilotgemeinden Brünnstadt, Euerfeld und Darstadt wurden um Seinsheim ganz im Süden Unterfrankens verstärkt. Alle vier haben Messstellen in ihrer unmittelbaren Nähe, die über dem Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter Wasser liegen. Die meisten davon liegen nur knapp über dem Grenzwert.

Hohe Erträge lassen wenig Nmin zurück

Wie im Herbst 2020 wurden auch im Herbst 2021 wieder Bodenproben auf mineralischen Stickstoff untersucht; die Anzahl wuchs von 120 im Jahr 2020 auf 225 im Jahr 2021. Sie zeichneten ein viel detaillierteres Bild als im ersten Jahr. In den Gebieten, die zum zweiten Mal beprobt wurden, waren zumeist die durchschnittlichen Nmin-Werte leicht reduziert.

Stickstoffgehalt

Die Abbildung zeigt die durchschnittlichen Nmin-Werte im November und Dezember 2021, differenziert nach den Bodenschichten. Ein vertiefter Blick zeigte, dass die Werte nach Getreide relativ hoch waren, aber es war deutlich zu erkennen, dass eine Zwischenfrucht nach Weizen, Dinkel, Wintergerste und Sommergerste die Werte deutlich verringerte.

Erfreulich niedrige Werte zeigte der Mais, die auf die guten Erträge beim Mais im Jahr 2021 zurückzuführen sind. Erbsen zeigten als Leguminosen erwartbar hohe Reststickstoffwerte. Der Raps aber wies die höchsten Werte auf, was wiederum auf die durchwachsene Ernte zurückzuführen ist.

Zwischenfrüchte, um den Herbst-Nmin-Wert zu reduzieren

Somit bleibt die Zwischenfrucht als Hauptmaßnahme, um den Herbst-Nmin-Wert zu reduzieren. Je später die Zwischenfrucht umgebrochen wird, desto weniger Auswaschung findet gerade in jener Phase statt, die für die Grundwasserneubildung relevant ist, nämlich November bis Februar.

Umfrangreiche Bodenbearbeitung steigert Mineralisierung

Aber auch die Bodenbearbeitung bleibt ein Faktor, der nicht zu unterschätzen ist. Je mehr und je umfangreicher die Bodenbearbeitung im Herbst ist, desto mehr Mineralisierung – d. h. Umsetzung des im Boden vorhandenen organisch gebundenen Stickstoffs – findet im Herbst statt und desto höher sind die gemessenen Nmin-Werte.

Um regionsspezifisch passende Maßnahmen zu erarbeiten, wurde in jedem Gebiet zusammen mit dem Erzeugerring Unterfranken ein Arbeitskreis gebildet. Ziel ist es, dass sich zuallererst die Landwirte untereinander austauschen. Dabei sollen für jede Region und jeden Betrieb die geeigneten Maßnahmen gefunden werden. Sie sind stark von der Maschinenausstattung und der Betriebsausrichtung abhängig. Eine Lösung für alle kann es nicht geben.

Zusatzinfos für die Landwirte

Darüber hinaus können sich die Landwirte über aktuelle Themen informieren. Der Erzeugerring lud dafür verschiedene Berater der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ein. Sie informierten über das Thema Zwischenfrucht und worauf insbesondere bei der Auswahl, der Aussaat, aber auch beim Umbruch zu achten ist. An weiteren Abenden wurden verschiedene Themen zur Düngung, z. B. Ermittlung des Düngebedarfs der einzelnen Schläge, aber auch die Geologie und wasserwirtschaftlichen Gegebenheiten in und um die Messstellen besprochen.

Der Stenonspaten überzeugt nicht

Auch ein neues System, den Stenonspaten, mit dem die Nmin-Gehalte anhand einzelner Einstiche in den Boden zeitnah vor Ort gemessen werden können, wurde ausprobiert. Leider überzeugte das System die Landwirte noch nicht. Auch in diesem Jahr geht es mit den Veranstaltungen in den Arbeitskreisen weiter und wir hoffen, dass die Resonanz weiterhin hoch bleibt. Wolfgang Ehbauer, Bereichsleiter der Regierung von Unterfranken, ist sich sicher: „Wir haben einen guten Weg eingeschlagen und werden die Nitratwerte in den Quellen und Messstellen langfristig senken können.“