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Getreide-Monitoring

Weizen, Gerste und Co.: Unbedingt die Schläge kontrollieren

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Stephan Weigand, LfL Pflanzenschutz, Freising
am Donnerstag, 12.05.2022 - 07:48

Regen und Wärme schieben nicht nur das Getreide an, sondern auch die schädlichen Pilze. Ackerbauern müssen jetzt ihre Kulturen im Blick behalten.

Die ersten zehn Maitage brachten Bayern schon einiges an Regen, im Mittel aller Stationen des LfL-Messnetzes immerhin 16 mm – dies allerdings mit einer Spanne von 0 bis 67 mm. So gibt es in allen Regierungsbezirken Gemeinden, wo es im Mai bislang nahezu trocken blieb, verstärkt in Unter- und Oberfranken, während benachbart ergiebige Gewitterschauer und mancherorts auch heftige Unwetter niedergingen.

Stationen mit mehr als 40 mm Regen finden sich im Allgäu und im westlichen und südlichen Oberbayern, aber etwa auch in den niederbayerischen Landkreisen Passau und Kelheim. Das Hoch in dieser Woche brachte nun aber trockene Luft und frühsommerliche Temperaturen. Nach dem Durchzug eines kleinen Regengebietes am Freitag ist auch für die nächsten Tage trockenes Hochdruckwetter mit Temperaturen jenseits der 20 Grad vorher gesagt.

Mit den lokal sehr unterschiedlichen Regenmengen variiert auch der Infektionsdruck in den Getreidebeständen entsprechend. Nur mit dem nötigen Ausgangsbefall leitete sich daraus jedoch auch ein Behandlungsbedarf ab.

Wintergerste: Die Maßnahmen abschließen

Bis auf spätere Lagen spitzten bei den Wintergersten zu Wochenbeginn die Grannen (BBCH 49), sodass mit der Wärme dieser Woche vielerorts mittlerweile die Ähren teilweise oder auch schon vollständig geschoben sein werden. Neben geringem Befall mit Netzflecken, Rhynchosporium und Zwergrost, finden sich seit letzter Woche auf den Blättern F-4 und F-3 auch vereinzelt bereits die ersten feinen, anfangs chlorotischen, später dann auch bräunlich-nekrotischen Sprenkelungen von Ramularia. Der Wechsel von Niederschlägen und Hochstrahlungsphasen hat dies begünstigt.

Wo die Abschlussmaßnahme noch nicht geschehen ist, sollte dies nachgeholt werden, zumal Fungizide in der Gerste in der Regel nur bis zum Beginn der Blüte (BBCH 61) zugelassen sind. Eine Maßnahme wird auch für viele noch weitgehend gesunde Bestände empfohlen – und zwar überall dort, wo schon in der Vergangenheit regelmäßig das spätere Auftreten der Ramularia-Sprenkelkrankheit („Sonnenbrand der Gerste“) beobachtet wurde.

Empfohlen werden Mischungen auf Basis von 1,5 l Folpan 500 SC oder 1,5 l Amistar Max, die beide, mit zwischenzeitlich auch deutlich erhöhten Mengen, über eine Notfallzulassung zur Verfügung stehen. Diese Kontaktmittel sollten mit Regelaufwandmengen breitwirksamer Partner wie Ascra Xpro, Balaya, Elatus Era, Gigant, Jordi, Revytrex gemischt werden. Kostengünstiger, bei allerdings etwas reduzierter Wirkung sind auch 175 bis 200 g Prothioconazol, zum Beispiel über 0,7 bis 0,8 l Abran, Aurelia oder Traciafin (Aufwandmengen jeweils je ha) möglich. Selbst bei Behandlungen auf die Ähre sollten die breitwirksamen Partner allenfalls moderat reduziert werden, nicht jedoch die Kontaktmittel.

Winterweizen: Auf neuen Gelbrostbefall achten

Gegenüber der Vorwoche hat der Winterweizen meist einen weiteren Knoten abgehoben und ein neues Blatt geschoben. Die Mehrzahl der Bestände befand sich am Montag im Zwei-Knotenstadium (BBCH 32), günstigere Lagen oder frühere Sorten teils im Drei-Knotenstadium (BBCH 33). Vor allem dort, wo im Mai Regen fiel, präsentieren sich die Bestände aktuell sehr gut. Dies gilt auch mit Blick auf die Krankheiten – die ersten Proben vom Montag belegen weiterhin sehr gesunde Bestände.

Vereinzelt wird Mehltau gefunden, bei sehr geringer Befallshäufigkeit – und weit entfernt von einer Behandlungsnotwendigkeit (sechs von zehn Pflanzen mit ersten Pusteln). Das war im Monitoring bislang der Fall bei den Sorten Asory, Chevignon, Elixer, KWS Keitum, Patras und RGT Reform. Der Erreger profitiert zwar grundsätzlich von den jetzt wieder milderen Nächten, doch ohne Regen und bei strahlungsreichem Wetter kann er sich nicht rasch ausbreiten.

Die Sonnenstrahlen kommen aber dem Gelbrost zugute, vor allem dort, wo der Regen der letzten Woche noch für ausreichende Tau sorgte. Mit lediglich zwei Einzelfunden bei der Sorte Patras – letzte Woche im Landkreis Schweinfurt, diese Woche im Landkreis Roth – bleibt die Situation auch hier weiterhin sehr entspannt. Befallen war jeweils auch nur ein Einzelblatt der Probe, Nester bilden sich in den unbehandelten Parzellen dagegen noch nicht. Die Kontrollen sollten allerdings aufmerksam weiterlaufen.

Achtung Verwechslungsgefahr: Verwechseln Sie Gelbrostbefall nicht mit chlorotischen, später auch nekrotischen Punkten, Streifen oder Blattspitzen, die wieder bei manchen Sorten wie Apostel, Asory, Axioma, Patras oder RGT Reform, als rein physiologische Reaktion, auftreten können. Gelbrost erkennen Anbauer mit bloßem Auge (noch besser mit einer Lupe) an den wegwischbaren gelben Rostpusteln, die streifenförmig aus dem Blattinneren hervorbrechen.

Der nächste Regen rückt Septoria in den Fokus

Mit den Regenfällen rückt nun aber vor allem die Septoria-Blattdürre in den Fokus. Hier kann man, anders als mit kurativ starken Mitteln bei Mehltau oder Gelbrost, nicht einen ersten Befall auf den oberen Blättern abwarten, sondern muss auf Basis von Regenmenge, Bestandesfeuchtedauer und Ausgangsbefall auf älteren, nicht ertragsrelevanten Blättern seine Entscheidung treffen. Und das fällt in vielen Fällen weiterhin sehr leicht, weil bislang keine oder kaum Septoria zu finden ist. Die breite Anbaubedeutung septoriagesunder Sorten trägt wesentlich dazu bei.

So war bei mehr als der Hälfte aller Monitoringschläge in der Vorwoche, sowohl das Indikationsblatt F-4 (in BBCH 32 das dritte, in BBCH 33 das vierte Blatt von oben) als auch das Blatt darunter (F-5) vollkommen frei von Septoria. Bei nur jedem zehnten Schlag ließen sich überhaupt Septoria-Flecken mit ihren typischen kleinen schwarzen Fruchtkörpern im Innern auf F-4 feststellen. Mit einer mittleren Befallshäufigkeit von nur 4 % ist das aber weit entfernt von der Schwelle, die bei 40 % liegt. Auf Basis der Monitoringuntersuchungen war daher in keinem Schlag eine Septoria-Behandlung nach den Regenfällen der letzten Woche nötig.

Das kann sich aber für folgende Regenereignisse ändern, denn schon im Laufe dieser Woche ist, vor allem bei anfälligeren Sorten und früheren Saatterminen, mit einem Anstieg des Ausgangsbefalls auf F-4 und auch F-3 zu rechnen. Dabei handelt es sich um Infektionen aus dem Regenblock vom 5. bis 9 April, während mögliche Infektionen durch die bayernweiten Regenfälle vom 24. bis 27 April frühestens ab der kommenden Woche sichtbar werden.

Auf welche Wirkstoffe sollte man setzen?

Ab BBCH 32 wird mit F-2 das erste schützenswerte Blatt geschoben. Wenn Septoria auf F-4 bei mehr als vier von zehn Pflanzen zu finden ist, wird bei Regenfällen ab 5 bis 10 mm, mit einer Blattfeuchtdauer von mehr als 36 Stunden, eine Erstbehandlung empfohlen. Wer sich unsicher ist, kann zusätzlich das schlagspezifische Infektionsrisiko mit der Septoria-Prognose unter www.isip.de nutzen.

Für eine frühe Maßnahme eignen sich (Aufwandmengen jeweils je ha):

  • Vor BBCH 33 Septoria-starke Azolpräparate, wie zum Beispiel: 1,0 l Input Classic, 1,0 l Input Triple, 0,8 l Verben, 1,0 l Revystar + 0,5 l Flexity, 0,5 kg Unix + 0,5 l Pecari 300 EC, 0,5 l Property 180 SC + 0,5 l Patel 300 EC mit geringerer Mehltau-Wirkung auch 1,0 l Balaya oder reine Prothioconazol-Mittel wie 0,8 l Abran, Aurelia oder Traciafin.
  • Ab BBCH 33, wenn also nur noch das Fahnenblatt fehlt, eignen sich auch breitwirksame Carboxamid-Azol-Präparate oder Mischungen – wie zum Beispiel alle Xpro-Produkte, Elatus Era, Gigant, Jordi, Revytrex oder Vastimo. Aufgrund der nötigen möglichst anhaltenden Dauerwirkung sollten die Regelaufwandmengen allenfalls moderat reduziert werden. Folgemaßnahmen sind gezielt auf den Schutz von Fahnenblatt und Ähre auszurichten.

Sollte sich im Einzelfall stärkerer Septoria-Befall aufbauen, wird bei regenreicher Infektionswitterung die Zugabe des Kontaktmittels 1,5 l Folpan 500 SC empfohlen.

Alle oben aufgeführten Präparate schützen auch ausreichend vor Gelbrost. Tritt Gelbrost bei nur geringem Septoria-Risiko auf, genügen in der Schossphase auch kostengünstigere Tebuconazol-Produkte, wie zum Beispiel (je ha): 1,5 l Ampera, 1, 0 l Fezan/ Folicur/ Tebucur 250 EW oder 1,2 l Orius. Tritt neben Gelbrost auch stärker Mehltau auf, eignen sich zum Beispiel 1,5 l Kantik oder 1,2 l Pronto Plus.

Halmbruch: Gefahr auf den Risikoschlägen

Alle genannten Erreger können und sollten Ackerbauern selbst im eigenen Feld kontrollieren, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Tritt dagegen Halmbruchbefall auf, so lässt sich dieser in der frühen Schossphase kaum mit dem bloßen Auge finden. Dies gelingt aber mit den Färbetests, welche die Labors der beteiligten Ämter durchführen. Die ersten Daten zeigen auch hier eine sehr entspannte Situation, nahezu ohne Befall.

Zusätzliche Unterstützung liefert die ISIP-Prognose mit dem Modell SIMCERC. Ein erhöhtes Risiko wird dort aktuell für Bayern meist nur bei getreidereicher Fruchtfolge, insbesondere bei Wintergetreidevorfrucht und Saatterminen bis Anfang Oktober ausgegeben. Dies gilt heuer jedoch nicht nur für die wärmebegünstigen fränkischen Anbaulagen, sondern auch für weitere Regionen.

Auf Basis der ersten Monitoringproben vom Montag besteht bei der überwiegenden Zahl der Weizenflächen weiterhin kein Bedarf für einen ersten Fungizideinsatz.

Triticale vereinzelt Behandlungen nötig

Triticale hatte zu Wochenbeginn meist BBCH 33/34 erreicht, in günstigeren Lagen spitzte das Fahneblatt (BBCH37). Bei den Krankheiten treten, wie schon in den Vorwochen, weiterhin vereinzelt bekämpfungsrelevanter Mehltau und auch Rhynchosporium auf. Der Gelbrost verharrt mit den wenigen Einzelfunden sowohl im Bestand meist auf seiner geringen Befallstärke, als auch auf regionaler Ebene, etwa in Mittelfranken. Hier gilt es jedoch weiterhin aufmerksam zu kontrollieren um rechtzeitig zu reagieren, spätesten bei ersten, kleinen Befallsnestern oder wenn etwa drei von zehn Pflanzen erste Pusteln zeigen.

Wie in Weizen eignen sich auch in Triticale ab BBCH 39 breitwirksame Azol-Mischungen mit Carboxamid-, Picolinamid- und/oder Strobilurin-Anteil. Die Regelaufwandmengen lassen sich dabei gegenüber dem Weizen um bis zu 20 % reduzieren. Ausführliche Hinweise dazu finden Sie in Heft 16 des Wochenblattes im Fachartikel zum Fungizideinsatz in Roggen und Triticale.

Die Sommergerste ist noch am Schossbeginn

Die Entwicklung der Sommergersten ist heuer deutlich verzögert. Zu Wochenbeginn hatten noch nicht alle der Monitoringschläge BBCH 31 erreicht. Frühestens dann sind Entscheidungen über einen möglichen Fungizideinsatz zu treffen. Die ersten Proben zeigen bislang auch noch keinerlei Krankheitsbefall.

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