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Getreideanbau

Wechselweizen nicht unterschätzen

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Externer Autor
am Mittwoch, 30.10.2019 - 17:17

Der Klimawandel hat Einfluss auf die Bestockungsphase. Wechselweizen - eine Kreuzung von Sommer- und Winterweizen - kann eine Antwort darauf sein.

Der Klimawandel, aber auch Aspekte des integrierten Pflanzenschutzes, nehmen mittlerweile immer mehr Einfluss auf die Saatzeit von Weizen. Ergebnisse aus den Spätsaatversuchen der Saaten-Union lenken den Blick auf Wechselweizen.
Der Klimawandel hat auch Einfluss auf die Bestockungsphase des Winterweizens: Die Vegetationsruhe beginnt später und endet früher. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Wachstumsphase im Kurztag je nach Region um rund zwei bis drei Wochen verlängert. Damit verschiebt sich auch die optimale Saatzeit allmählich weiter in den Herbst. Zum einen, um ein Überwachsen der Bestände und damit den Verlust der Winterfestigkeit zu vermeiden. Zum anderen um Krankheits-, Schädlings- und Ungrasproblemen entgegenzuwirken, die mit chemischem Pflanzenschutz immer weniger zu kontrollieren sind.

Anmerkungen zu den verschiedenen Saatzeitpunkten

  • Saat bis etwa drei Wochen nach dem optimalen Termin: Das Saatzeitoptimum reicht regional unterschiedlich von Mitte Oktober in Nordostdeutschland bis Mitte November im Rheingraben. Bei normalem Witterungsverlauf erreichen die etwas späteren Saattermine vor dem Winter noch den Bestockungsbeginn. Hierfür eignen sich mit geringen Unterschieden alle in Deutschland geprüften und zugelassenen Winterweizensorten. Die standortgerechte Bestandesdichte sollte durch eine um ca. 20 % höhere Saatstärke unterstützt werden, um bei frühem Vegetationsende den Anteil weniger leistungsfähiger Frühjahrstriebe zu begrenzen: 260 – 320 Körner/m² bilden 220 – 260 abgrenzbare Einzelpflanzen mit durchschnittlich 1,5 kräftigen Bestockungstrieben 1. Ordnung. Genug Potenzial für 550 bis 600 leistungsfähige Ähren.
  • Spätsaaten ab drei Wochen nach dem optimalen Termin: Jetzt sollten nur noch Sorten verwendet werden, die ihre Spätsaateignung in Versuchen bzw. der Praxis bestätigt haben. In den Spätsaatversuchen der Saaten-Union waren das ausnahmslos früh- bis mittelreife Winter- und Wechselweizensorten. Die Ertragsstruktur spielte dabei eine untergeordnete Rolle: Frühe Korndichtetypen überzeugten genauso wie Einzelährentypen oder Sorten mit ausgeglichenem Ertragsaufbau. Als weniger geeignet erwiesen sich langtagbetontere, spätere Korndichtetypen, die nur bei rechtzeitigen Saatterminen überzeugen. Saatstärken von 350 – 420 Körner/m² stellen – unter Berücksichtigung des zurückgehenden Feldaufgangs – mindestens 300 – 360 abgrenzbare Keimpflanzen sicher.
  • Sehr späte Saattermine: Bei späten Terminen können sich in Verbindung mit kühlem Wetter Keimung und Feldaufgang um Wochen verzögern. Dann wird im Spätherbst – wenn überhaupt – nur noch das Ein- bis maximal Dreiblattstadium erreicht (BBCH 11/13).

Sorten für späte bis sehr späte Saattermine müssen deshalb an ein kürzeres Systemwachstum angepasst sein. Zudem müssen sie ein eher geringeres Vernalisationsbedürfnis aufweisen, um auch nach milden Wintern mit dem Langtagbeginn ohne Verzögerung zu schossen.

Beide Ansprüche werden von Wechselweizen erfüllt. Mit späteren Saatterminen zeigt sich ihr Vorteil, dann bringen sie nämlich zunehmend höhere Erträge als Winterweizensorten vergleichbarer Qualität. Hauptvorteil ist jedoch die Flexibilität bei der Saatzeit: „Bei schlechten Bedingungen kann die Bestellung problemlos ins Frühjahr bis Ende April verschoben werden. Die Erträge sind dann nicht ganz so hoch wie die der leistungsfähigsten Sommerweizensorten“, sagt Sven Böse, Leiter der Fachberatung.

Was ist eigentlich Wechselweizen?

Als Kreuzung von Sommer- und  Winterweizen besitzen Wechselweizensorten eine zügigere Jugendentwicklung als Winterweizensorten und eine höhere Winterfestigkeit als Sommerweizen. Als optimale Vorwinterentwicklung – auch im Hinblick auf die Winterfestigkeit – ist der Bestockungsbeginn anzustreben. Je nach Anbaulage ist dies mit Saatterminen von Mitte Oktober bis Anfang November zu erreichen – in der Regel also rund drei Wochen nach dem ortsüblich optimalen Saattermin von Winterweizen. Für leistungsfähige Bestände mit einem hohen Haupttriebsanteil empfehlen sich nicht zu knappe Aussaatstäken beginnend mit 360 - 380 Körner/m² im Herbst bis 400 - 450 Körner/m² im Frühjahr.