Getreidebau

Vielversprechender Neuzugang

Getreide
Peer Urbatzka und Anna Rehm, LfL Agrarökologie, Freising
am Donnerstag, 02.01.2020 - 11:23

Öko-LSV Hafer: Eine erst einjährig geprüfte Sorte brachte 2019 einen guten Kernertrag und Qualitäten auf dem Niveau der Empfehlungssorte Max.

Hafer passt gut in den ökologischen Pflanzenbau und ist dort auch ein verbreitetes Getreide. Die Anbaufläche ist in Bayern im Vergleich zu den Ernten 2014 und 2015 um ca. 25 % gestiegen; mittlerweile beträgt der Ökoanteil an der gesamten Haferfläche mehr als ein Drittel. Ein guter Teil der Ernte wird als Schälhafer vermarktet. Hafer ist insgesamt wenig anfällig für Krankheiten. Darüber hinaus gilt er als Gesundungsfrucht, da er für einige Erreger von Getreidekrankheiten wie Halmbruch und Schwarzbeinigkeit keine Wirtspflanze ist. Allerdings kann im ökologischen Landbau Flugbrand Probleme bereiten.

Bei guter Wasserversorgung wächst der Hafer wegen seinem leistungsfähigen Wurzelsystem auf allen Bodenarten. Zu beachten ist aber der vergleichsweise hohe Wasserbedarf in trockeneren Gebieten. Hafer wird häufig in einer abtragenden Fruchtfolgestellung nach anderen Getreidearten angebaut.

Zügige Frühjahrsentwicklung und Bodendeckung

Geht es um die Sortenwahl, werden im ökologischen Landbau bei einer Reihe pflanzenbaulicher Eigenschaften andere Anforderungen als im konventionellen Anbau gestellt. So werden beispielsweise Sorten gewünscht, die sich im Frühjahr zügig entwickeln und einen hohen Bodendeckungsgrad erreichen – was zu einer besseren Beikrautunterdrückung führt. Aus dem selben Grund sind auch Sorten mit einer hohen Pflanzenlänge gefragt.

Die Öko-LSVs zu Hafer stehen an drei Standorten in Bayern: Die Versuche in Kasendorf (Lks. Kulmbach) werden in Zusammenarbeit mit dem AELF Bayreuth durchgeführt. Der zweite Standort ist Berglern (Lks. Erding) und der dritte Versuch wird auf der ökologisch bewirtschafteten Versuchsstation Neuhof (Lks. Donau­wörth) der Bayerischen Staatsgüter angebaut. Geprüft wurden zur Ernte 2019 acht Sorten Spelzhafer. Bei allen Sorten handelte es sich um Gelbhafer.

Gesät wurde Anfang April. Der Feldaufgang und die Jugendentwicklung waren normal bis gut. Der zumeist geringe Beikrautbesatz konnte mit dem Striegel gut reguliert werden. Der Krankheitsdruck fiel über die gesamte Vegetation gering aus. Allerdings setzte die trockene und heiße Witterung ab Juni insbesondere den Beständen in Kasendorf deutlich zu. Hier erfolgte das Rispenschieben sehr zögerlich.

Gute Kornerträge in Südbayern

Die Kornerträge fielen auf den südbayerischen Standorten gut aus. In Kasendorf wurde trotz anhaltender Trockenheit noch ein ordentlicher Ertrag erzielt. Allerdings führte diese im Vergleich zum Vorjahr zu einer geringen Qualität. Dagegen reichte der Niederschlag auf den anderen beiden Orten, in Berglern und auf dem Neuhof, für eine übliche Qualität aus.

Das Hektolitergewicht in Kasendorf lag im Sortendurchschnitt zur Ernte 2019 bei lediglich 53,5 kg, im Vorjahr waren es 62,5 kg. Von der abnehmenden Hand, wird häufig ein Mindestgewicht zwischen 52 und 55 kg gefordert. Hier können neben der bewährten Sorte Max die Ökozüchtung Kaspero und die beiden neuen Sorten Delfin und Lion punkten. Die kürzere Sorte Lion erzielte einen guten Kernertrag und lag in der Qualitäts­einstufung ähnlich wie Max.

Andererseits wurde in Kasendorf der von den Schälmühlen geforderte geringe Spelzenanteil zur Ernte 2019 aufgrund des geringen Tausendkorngewichtes nicht erreicht. Der Spelzenanteil lag mit 32 % fünf Prozentpunkte höher als zur Ernte 2018. Lion und Max konnten hier erneut überzeugen und erreichten um zwei bis drei Prozentpunkte geringere Anteile als die anderen geprüften Sorten.

Für den ökologischen Anbau werden die Sorten Apollon und Max empfohlen. Die Sorten mit der größten Ökovermehrung in Bayern sind die Sorten Max, gefolgt von Bison und Apollon.