Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Maisernte

Wie es um die Erntereife von Mais in Bayern steht

Maisernte
Dr. Joachim Eder, Dr. Barbara Eder, Lukas Wachter, LfL Pflanzenbau Ruhstorf
am Donnerstag, 18.08.2022 - 14:00

Reifemonitoring Silomais: In vielen Gebieten Bayerns hat die Trockenheit Erträge und Qualitäten dahinschmelzen lassen – ein Blick in die Regionen.

Startschuss für das jährliche Silomais-Reifemonitoring – in einem Jahr, das kein gutes Maisjahr ist. Die regionalen Unterschiede bezogen auf Zustand und Reifeentwicklung der Maisbestände in Bayern sind heuer besonders groß.

Die Maissaison 2022 ist bereits im Frühjahr nicht optimal gestartet. Die Böden waren zwar im April meistens noch gut mit Wasser versorgt, sie waren gut vorzubereiten und auch die Saat verlief im Allgemeinen recht problemlos. Anschließend war es aber in ganz Bayern während der gesamten Saison zu trocken. So kam es oft auch schon zu Auflaufproblemen und in der Folge zu ungleich entwickelten und ausgedünnten Beständen durch verzögerte oder ausbleibende Keimung.

Eindrucksvolles Nord-Süd-Gefälle

Der Mais hat sich dann in den Monaten Juni und Juli sehr unterschiedlich entwickelt. Es zeigt sich ein eindrucksvolles Nord-Süd-Gefälle. Im Süden, wo es in diesen Monaten etwas mehr geregnet hat und vor allem dort, wo die Böden mehr Wasser speichern können, kann noch mit guten Erträgen gerechnet werden. In den von Haus aus trockeneren Regionen, wie den fränkischen Regierungsbezirken und in der Oberpfalz, gab es im Juni wenig und im Juli so gut wie keinen Niederschlag. Hier sind Totalausfälle durch Vertrocknen zu erwarten.

Die anhaltende Trockenheit verändert das Abreifeverhalten der Maispflanzen bis hin zur Notreife. Der Mais reagiert sehr empfindlich, wenn es zu wenig Wasser zur Zeit der Blüte sowie zur Einkörnung und Kolbenfüllung gibt – also ab Mitte Juli bis in den August. Notreife und abgestorbene Pflanzen behindern nicht nur den Silierprozess, sie liefern auch nur unbefriedigende Energiewerte.

Es ist mit sehr früher Ernte zu rechnen

Auch bei Beständen, die bislang keine Trockenheitssymptome zeigen, ist heuer mit einer sehr frühen Ernte zu rechnen. Die Grafik zeigt den Verlauf der Temperatursumme des Maises am Beispiel Ruhstorf an der Rott. Es wird deutlich, dass sich das Jahr 2022 (dunkelgrüne Linie) mit den hohen Temperaturen deutlich vom Vorjahr abhebt (hellgrüne Linie) und auch wärmer ist als der Durchschnitt der Vorjahre (graue Linie).

Die Ergebnisse des Reifemonitorings müssen unbedingt mit dem eigenen Bestand abgeglichen werden. Kolbenarme oder kolbenlose Bestände sollten anhand des Anteils der vertrockneten Pflanzenanteile bewertet werden. Ist die Pflanze zu 50 % vertrocknet ist eine vorzeitige Ernte ratsam.

Ein kurzer Blick auf die einzelnen Gebiete:

  • Süden Bayerns: Vor allem im südlichen Ober- und Niederbayern, in Schwaben und im Allgäu konnte sich er Mais durch etwas höhere Niederschläge noch ausreichend gut entwickeln. Ausnahmen gibt es auf Böden mit geringer Wasserhaltefähigkeit wie im Raum München oder auf sandigeren Lagen an der Donau. Hier haben die Regenfälle Anfang August zwar etwas für Erleichterung gesorgt, für eine qualitativ hochwertige Silage kamen sie leider zu spät.
  • Norden Bayerns: Hier sieht es nicht gut aus. Nur punktuell bei guten Bodenverhältnissen und regionalen Gewitterniederschlägen kann mit guten Erträgen und Qualitäten für die Fütterung gerechnet werden. In den fränkischen Regierungsbezirken wird 2022 nach 2018 als eines der schlechtesten „Maisjahre“ in Erinnerung bleiben. Vertrocknete, kolbenlose Bestände mit Wuchshöhen von max. 1,5 m sind auf den leichteren Standorten besonders in Ober- und Unterfranken eher die Regel. Ähnlich sieht es in der Oberpfalz aus. Mit Ausnahme von grundwassernahen Böden oder Höhenlagen im Oberpfälzer Wald sind die Bestände schwer geschädigt bzw. vertrocknet. Stark betroffen sind das Naabtal und auch die leichten Böden entlang der Donau.

 

Digitale Hilfe zur Reifeeinschätzung

Maisernte

Wann ist der Mais erntereif? Darauf hat der Temperaturverlauf des Jahres wesentlichen Einfluss. So hat sich die Auswertung der Temperatursummen bei der Vorhersage des Erntetermins von Silo- und Körnermais als hilfreich erwiesen. Für frühe (Reifezahl bis 220), mittelfrühe (Reifezahl 230 – 250) und mittelspäte Sorten (ab Reifezahl 260) gibt es bestimmte Temperatursummen, bei denen die Silo- bzw. Kornreife erreicht sein sollte.

Aber wie hoch ist die Temperatursumme für den Mais am eigenen Standort? Das kann jeder Landwirt in Bayern im GeoBox Viewer der LfL nachschauen. Standortgenau können die aufsummierten Tagesdurchschnittstemperaturen seit der Maisaussaat abgerufen werden. Das Programm zeigt automatisch die Temperatursumme für einen Sätermin am 20. 4. an – nach Eingabe des tatsächlichen Saattermins berechnet es dann die Temperatursumme individuell. Oft wird sich in diesem Jahr infolge der Trockenheit noch ein deutlich früherer Erntetermin ergeben, als es nach der Temperatursumme zu erwarten wäre.