Witterung

Ein Tropfen auf den heißen Stein?

Himmel
Sepp Kellerer Portrait 2019
Sepp Kellerer
am Donnerstag, 23.05.2019 - 10:24

Kaum, dass am letzten Wochenende die Temperaturen wieder ein wenig geklettert sind, da hat es schon die ersten Gewitter gegeben.

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Vierzig Liter habe ich am Mittwoch früh aus dem Regenmesser in meinem Garten gekippt. Das ist sicher mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Und ich wünsche Ihnen, dass Ihre Analyse des Regenmesserinhalts zu dem gleichen Fazit geführt hat. Genug, um die nächsten Wochen sorgenfrei auf die Bodenfeuchte und damit auf das Wachstum der Kulturen blicken zu können, war das aber beileibe noch nicht.

Würde ich jetzt irgendwo in einer Kneipe in der Stadt sitzen und solche Aussagen von mir geben, dann würde mir wohl Unverständnis entgegenschlagen. In den Medien wurden doch überall Hochwasserwarnungen durchgegeben und der Kerl behauptet, es hätte immer noch zu wenig geregnet. Was ich dort erklären müsste, das kann ich Ihnen, liebe Leser, ersparen. Sie wissen um die Zusammenhänge zwischen Niederschlag, Schneeschmelze, und die Dynamik, die daraus in den Flüssen entsteht. Wenn ich das den Städtern erläutern würde, bin ich mir nicht sicher, ob das mehr wäre als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ein wenig muss ich noch bei den Niederschlägen bleiben. Sie, liebe Leser, sind ja sozusagen beruflich täglich mit dem Wetter konfrontiert, aber verstehen Sie noch, können sie noch abschätzen, was da passiert? Kaum, dass am letzten Wochenende die Temperaturen wieder ein wenig geklettert sind, da hat es schon die ersten Gewitter gegeben. Na gut, die Luft war feucht, die Temperaturen sind gestiegen, dann kann es schon mal blitzen und donnern. Aber dass dann gleich kirschengroße Hagelkörner aus den Gewitterwolken niederprasseln wie am Sonntag im Bayerischen Wald, dafür sind meine Erklärungsversuche nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein. Da hilft auch die lapidare Feststellung der Klima- und Wetterexperten nicht viel weiter, dass extreme Wetterereignisse in Zukunft häufiger auftreten werden.

A propos Zukunft: Wir werden künftig wahrscheinlich wieder mehr mechanische Geräte zur Unkrautbekämpfung auf den Feldern finden. Modere Technik mit Spurführsystemen, Kameras und Ultraschall macht es möglich, diese Maschinen präzise bei hohen Fahrgeschwindigkeiten zu steuern. Und mit diesen Techniken wagen sich die Hersteller inzwischen auch an die Unkräuter zwischen den Reihen heran. Zugegeben, noch ist die Digitalisierung in der Landwirtschaft relativ teuer, aber sie könnte durchaus das Zeug haben, bei der Imageverbesserung für die Landwirtschaft mehr zu sein, als ein Tropfen auf den heißen Stein.