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Aussaat 2022

Trockenheit zur Rapssaat: Saatgut im Staub ablegen?

Raps drillen
Karl Bockholt
am Mittwoch, 17.08.2022 - 11:50

Damit Winterraps trotz Dürre beste Startchancen bekommt, ist beim Ackern jetzt gut zu überlegen. Sonst vertrocknen die Pflanzen sehr schnell.

Wichtig ist bei Trockenheit eine flache Bodenbearbeitung. Noch vorhandene Restfeuchte darf unter keinen Umständen ungenutzt verloren gehen. Flache Bearbeitung ist zudem die Basis, dass Ausfallgetreide keimt und Unkräuter und Ungräser auflaufen, sofern die Bodenfeuchte das erlaubt. Wichtig ist auch gute Rückverfestigung.

Lohnt es sich, teures Rapssaatgut im Staub abzulegen?

Ist im gesamten Saathorizont keinerlei Feuchte mehr vorzufinden, kann eine sehr flache Saatgutablage in den Staub dennoch Erfolg bringen, sagt Rainer Kahl vom Rapszüchter Rapool-Ring. Das habe sich etwa im Herbst des Dürrejahrs 2018 gezeigt. Kahl: „Die besten Feldaufgänge erreichten damals Sandböden.“

Auf Sandböden dringen selbst geringe Niederschläge tiefer ein. Der Boden hält das Wasser kaum. Je schwerer die Bodenart, desto mehr kann sie halten. Bei geringen Niederschlägen bleibt das Wasser aber oft in den oberen Zentimetern hängen und erreicht die Samen nicht.

Ausgetrocknete Tonböden binden das Wasser zudem so fest, dass es oft nicht verfügbar ist für die Pflanzen. „Trotz des besseren Feldaufgangs bei flacher Ablage ergaben sich Probleme, wenn nicht rechtzeitig Anschlussniederschläge kamen“, so Kahl. Nur sie können den Raps am Leben halten.

Wo finden sich am ehesten vertrocknende Rapspflanzen?

Vertrocknende Rapspflanzen seien regelmäßig dort zu finden, wo das Saatbett bei trockener Bestellung zu klutig war, so Kahl. Bei allen Spätsaaten in Dürrezeiten empfehle es sich, mit geplanten Herbizideinsätzen zunächst unbedingt zu warten. Zunächst sei dafür ein sicherer Feldaufgang nötig, ebenso gutes Wachstum.

Sollte es weiter trocken bleiben, sei so zumindest die Bestellung von Wintergetreide ohne nochmalige Saatbettbereitung ohne Probleme möglich.

Ist sofort zu säen, wenn noch Restfeuchte im Boden vorhanden ist?

Der Schritt ist gut zu überlegen und muss zum richtigen Termin erfolgen. „Eine falsche Bearbeitung darf nicht zur Austrocknung führen“, sagt Kahl. Klarheit darüber, ob im Bearbeitungshorizont oder kurz darunter noch Restfeuchte vorhanden ist, verschafft nur der Spaten.

Ist noch Restfeuchte da, ist die gleich für die Rapssaat zu nutzen. Das heißt Boden bearbeiten, zugleich gut rückverfestigen und unmittelbar anschließend säen.

Was ist zu tun, wenn der Boden komplett ausgetrocknet ist?

Ist der Boden krumentief völlig ausgetrocknet, brauchen Anbauer auf eine wassersparende Lockerung nach Meinung Kalhls keine Rücksicht mehr zu nehmen. Seiner Ansicht nach ist dann schon einige Wochen vor dem geplanten Saattermin auf die gewünschte Tiefe vorzuarbeiten.

Dann könne sich der Boden bis zur Saat wieder etwas setzen. Hoffentlich fallender Regen nimmt er dann besser auf. Fällt danach bis zur Rapssaat nur wenig Niederschlag, ist womöglich nur der obere Bereich durchfeuchtet. In dem Fall ist nicht mehr tiefer mischend zu arbeiten. Sonst wird womöglich noch ausgetrockneter Boden hochgeholt. Das gilt es zu vermeiden.

Wie weit lässt sich das Saatfenster bei Raps ausweiten?

Je trockener es ist, desto wichtiger sind schlagkräftige Bestellung und direkt folgende, bestmögliche Rückverfestigung. Wichtig ist, nicht in heiße, trockene Böden zu säen. Dort kann die Rapssaat bei über 20 °C sonst eine Keimruhe ausbilden.

Falls es möglich ist, sollten Anbauer Regen abwarten und später säen, rät Rainer Kahl. Mit frohwüchsigeren Rapssorten lässt sich das Saatfenster nach seinen Angaben bis zum 5. September strecken. Mit etwas mehr Risiko gehe es auch noch bis zum 10. September.

Winterraps besser früher oder später säen?

Saatbett geht vor Saatzeit, egal ob Früh- oder Spätsaat. Der ortsüblich optimale Termin liegt je nach Witterung zwischen dem 20. und 31. August. Er lässt sich aus arbeitswirtschaftlichen Gründen längst nicht immer einhalten. Für Früh- und Spätsaat gibt es Pro und Kontra.

Frühsaaten sind von Vorteil, wenn die Pflanzen schon widerstandsfähiger sind gegen Erdflöhe. Im vergangenen Herbst 2021 flogen die im Vergleich zum langjährigen Mittel 7 bis 10 Tage früher zu. Das war schon Anfang September. Frühe und mittlere Saattermine erwiesen sich da als Vorteil, weil der Raps da schon kräftiger war. Da lohnt es, das Monitoring zu beobachten.

Allerdings bergen Frühsaaten auch Risiken. Der Infektionszeitraum für Pilzkrankheiten wird länger. Höhere Temperaturen können auch zu frühem Aufstängeln führen. Stängelgesunde Sorten sind dann wichtig.

Spätsaaten benötigen gutes Wachstum. Dafür zählt ein gelockertes Saatbett, das noch vor Winter maximalen Wurzeltiefgang ermöglicht. Dabei gibt es keine arbeitswirtschaftlichen Kompromisse in der Bearbeitungsqualität. Je nach Standort sollte die Saatstärke für Spätsaaten um 5 bis 10 Kö. /m² höher liegen, sagen Züchter. Dabei lohnen sich schnellwüchsige Sorten.

Mit Material von Rainer Kahl, Rapool-Ring