Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Kartoffelernte

Schonend Kartoffeln roden – aber wie?

ropa_kartoffelmaus_B
Dr. Rupert Geischeder, Ropa, Bereichsleiter Kartoffeltechnik
am Donnerstag, 04.02.2021 - 08:42

Was braucht ein Roder, damit er effizient, aber vor allem schonend arbeitet? Was ist beim vierreihigen Selbstfahrer zu beachten? Antworten aus dem Hause Ropa.

UFK mit KA_B

Die Hauptkartoffelernte startet in Deutschland meist Anfang September. In den vergangenen Jahren, waren aufgrund von überdurchschnittlich hohen Temperaturen die Rodebedingungen nicht ideal. Beim Pflanzen erzeugte Kluten wurden im Damm konserviert und erhöhten mit dem nicht vorhandenen Erdpolster – weil die absiebbare Erde bereits kurz nach dem Schar fehlte – das Beschädigungsrisiko. Das Abwarten auf feuchtere Bedingungen half vielerorts nicht und rächte sich in der Ernte 2020 durch hohe Niederschläge ab der zweiten Oktoberhälfte. Ein Abtrocknen der durchweichten Dämme fand nicht mehr statt und die Rodetage verringerten sich drastisch. Es bewahrheitete sich ein im Süden bekanntes Sprichwort, wonach die Kartoffel den Oktober nicht sehen sollte.

Die Schonung der Kartoffeln ist laut einer deutschlandweiten Umfrage im Rahmen einer Masterarbeit zum Stand der Kartoffeltechnik (Bernhard Hartl, 2018) das wichtigste Qualitätskriterium für die Landwirte. Frühere Untersuchungen bzgl. Kartoffelbeschädigungen im Ernteprozess haben gezeigt, dass 70 % durch mechanische Belastungen beim Roden und 30 % bei Transport und Einlagerung entstehen.

Neben den pflanzenbauchlichen und physiologischen Faktoren, hat die Einstellung der Kartoffelroder hierauf einen großen Einfluss. Jeder Kartoffelroder sollte im Nach- oder Vorerntezeitraum auf Verschleiß inspiziert werden. Hierbei können bauliche „Problemstellen“ verschleißbedingt erkannt und abgestellt werden. Ebenso sollte beim Erntestart auch immer die Einstellung des Roders überprüft werden. Rodereinstellungen, die beispielsweise am Ende einer langen und gegebenenfalls feuchten Rodesaison gewählt wurden, sind in der Regel bei frühen Sorten kontraproduktiv. Das Einstellen und Anpassen erfordert Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Eine elektronische Kartoffel oder Kameras können ein wertvolles Hilfsmittel sein, um den Kartoffelverlauf in der Maschine nachvollziehen zu können und Unterschiede von Einstellungsmaßnahmen in Echtzeit zu erkennen und zu optimieren.

Kartoffelroder muss gut zugänglich sein

Als Roderhersteller versucht auch Ropa, all diese Punkte bei der Entwicklung zu beachten. So muss der Kartoffelroder gut zugänglich sein, damit Verschmutzungen und schadhafte Verschleißteile möglichst schnell erkannt – und einfach behoben werden können. Auch haben, bezogen auf die Knollenbeschädigungen, der Gutfluss und das Erdpolster auf den Siebketten einen wichtigen Einfluss. Ein vor allem saison- und bodenbedingter mehrfacher Wechsel der ersten Siebkette kann entscheidende Vorteile bieten. Die gute Zugänglichkeit durch das Schnellwechselsystem ermöglicht ein einfaches Abkoppeln der Aufnahme.

Ein flacher Anstieg der ersten Siebkette hilft außerdem, dass das Erdpolster lange erhalten bleibt und die Kartoffeln nicht so leicht nach vorne rollen. Durch den hydraulischen Antrieb aller Siebketten und Bänder lässt sich die Geschwindigkeit auch unabhängig von der Motordrehzahl und Fahrgeschwindigkeit regeln. Somit kann der Fahrer Vorfahrtgeschwindigkeit des Traktors und Drehzahl der ersten Siebkette so wählen, dass der Siebkanal möglichst voll mit Erde liegt. Die Krautkette kann synchron zur zweiten Siebkette laufen oder auch gebremst werden, um einen optimalen Gutfluss und Reinigung, je nach Bedingungen zu gewähren.
Am effektivsten bei trockenen Kluten hat sich der umlaufende Fingerkamm in Verbindung mit Gumminoppenbändern erwiesen, da trockene Kluten von Größe, Form und Gewicht sehr den Kartoffeln gleichen und sich somit weder durch Luft noch durch zwickende Aggregate trennen lassen, ohne zugleich hohe Kartoffelverluste in Kauf zu nehmen. Längs oder quer angeordneten Walzenreiniger sind bei solchen Bedingungen schwer auf das richtige Maß einzustellen.
Die Reinigungsanforderungen sind auch die großen Herausforderungen bei vierreihigen Selbstfahrern, die nahezu unter allen Bedingungen gleich gut, schonend und effizient laufen sollen. Bei Modellen, die aus der Gare roden, sind die ersten Siebketten entsprechend steil und benötigen häufig ein Deckband für eine hohe Förderleistung. Lose Erde wird hierbei schon sehr früh abgereinigt. Dies ist bei vierreihigen Selbstfahrern wichtig, da sie im Verhältnis zur aufgenommenen Reihenanzahl weniger Reinigungsfläche zur Verfügung haben als die gezogenen Maschinen.

Zusätzliches Gespann für gute Auslastung nötig

Vierreihige Selbstfahrer mit Bunkerfassungsvermögen von <10 t, benötigen zur Auslastung ihrer Kapazität von 1 ha/h zusätzlich einen Überladewagen oder Muldenkipper, damit die Leerfahrten auf langen Schlägen sowie bei hohen Erträgen vermieden werden. Der Vorteil zur Einsparung eines zusätzlichen Gespanns bei vergleichbarer Leistung ist somit nicht mehr gegeben.
Die monetäre Vorzüglichkeit des Vierreihers gegenüber dem gezogenen zweireihigen Bunkerroder kann über eine entsprechende Auslastung (>250 ha/Jahr) oder durch positive innerbetriebliche Effekte wie längeres Wachstum und damit verbundene höhere Erträge mit passender Qualität erreicht werden.
Ein Trend hin zu einer Rode- und Transportkette wie bei den Zuckerrüben ist wegen geringer Flächenanteile und einer nicht zu hundert Prozent möglichen Mietenlagerung nicht abzusehen. Das Verladen von angelegten Mieten dagegen könnte durchaus mit adaptierter Verladetechnik erfolgen. Ein Projekt der Südstärke AG und Ropa unter der Einsatzleistung des MR Straubing-Bogen stellte dies in der Saison 2020 in einem erweiterten Feldtest mit knapp 15 000 t und rund 550 Zügen verladenen Stärkekartoffeln unter Beweis.