Obst- und Weinbau

Schäden an Obst durch Frostnächte

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 11.05.2021 - 13:53

Nach den verheerenden Frostschäden im vergangenen Jahr müssen die Obst- und Weinbaubetriebe 2021 erneut um ihre Ernte fürchten.

Die in der Blüte besonders frostempfindlichen Bestände wurden durch die Frostnächte Anfang April stark geschädigt. Vorläufigen Schätzungen der Vereinigten Hagel zufolge liegt der zu erwartende Gesamtschaden in Süddeutschland bei rund 75 bis 85 Millionen Euro. Bei einem Schadentermin vor Ort im oberschwäbischen Meckenbeuren wurde Zwischenbilanz gezogen.

Kosten laufen weiter – auch wenn der Ertrag ausbleibt

Zwetschge

Franz-Josef Müller, Präsident des Landesverbandes Erwerbsobstbau BadenWürttemberg, zeigte sich trotz des dramatischen Ausmaßes erleichtert, dass ein Teil der Schäden versicherungstechnisch abgedeckt ist. Seit dem letzten Jahr fördert das Land die Frostpolice für Winzer und Obstbauern finanziell. „Für uns als Verband ist es wichtig, dass dieses Programm auch nach der Pilotphase fortgeführt wird und die Betriebe eigenverantwortlich Risikomanagement betreiben können,“ betonte er bei dem Besuch des Obstbaubetriebs von Dietmar Rist.

Auch im Hinblick auf den europäischen Wettbewerb sei die Förderung enorm wichtig. In fast ganz Europa werden Versicherungslösungen bereits unterstützt. Für Rist war es nach 2017 bereits der zweite existenzbedrohende Schaden. Vor vier Jahren gab es die Versicherung noch nicht – die Ernte betrug dennoch nur rund 30% des Durchschnitts der Vorjahre. „Die Kosten laufen ja weiter und müssen bezahlt werden.

Zunahme der Frostjahre in bisher ungeahntem Ausmaß

Auch Dr. Rainer Langner, Vorstandsvorsitzender des Versicherungsvereins, begrüßte das Landesprojekt, das in ähnlicher Form seit diesem Jahr auch in Bayern und RheinlandPfalz angeboten wird: „Das ist nun das vierte Frostschadenjahr in den letzten sechs Jahren. Eine solch hohe Frequenz – ein Ergebnis des Klimawandels – haben wir bisher nicht gekannt.“ Die Förderung der Versicherung ermögliche auch den Erhalt der regionalen Obstproduktion in Deutschland, der Selbstversorgungsgrad bei Obst betrage ohnehin nur rund 20%.

Temperaturen stürzten nach warmer Phase wieder ab

Die Folgen dieser Minustemperaturen sind deutlich sichtbar: So musste Obstproduzent Martin Bähr aus Oberkirch im Ortenaukreis schwere Frostschädigungen an seinen Zwetschgen feststellen: „In unserer Hanka-Anlage in der Vollblüte haben wir nach den letzten Frostnächten einen Schaden von 90-100%. Letztes Jahr hatten wir auch schon einen Totalausfall. Im zweiten Jahr in Folge sind wir betroffen!“

Auch die Region im äußersten Südwesten Baden-Württembergs wurde nicht von den jüngsten Frostereignissen verschont, wie Hansjörg Stücklin, Weinbauberater in Südbaden, berichtet: „Die Schäden sind im nördlichen Markgräflerland enorm. Aufgrund von Tiefsttemperaturen bis minus 4,4 °C wurden die sich im Wollestadium in frühen Lagen und frühen Sorten bereits im beginnenden Aufbruch der Knospen befindlichen Reben enorm geschädigt. Ausfälle zwischen 40% und 80% können nicht ausgeschlossen werden.“

Rund 85% der Blütenorgane der Apfelsorte Topaz beschädigt

Apfelblüte

Die in der Blüte befindlichen Obstanlagen von VH-Mitglied Markus Schörlin aus Efringen-Kirchen im Landkreis Lörrach lassen ebenso schwere Frostschädigungen erkennen. „Bedingt durch die Frostschäden vom 06. April sind rund 85% der Blütenorgane der Apfelsorte Topaz beschädigt. Dies zeigt sich deutlich an der Schwarzfärbung der Kerngehäuse“. Eine finale Ertragsaussicht könne erst nach der Blüte gestellt werden, da das weitere Blühwetter entscheidet, ob sich die gesunden Blüten noch zu Früchten entwickeln, so Schörlin. Sehr geringe bis stark verminderte Erträge erwartet der Obstproduzent für die frostgeschädigten Süßkirschen- und Zwetschgenbestände, die in der Frostnacht vom 06. April einen Blüteschaden von bis zu 90% erlitten.