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Getreide-Monitoring

Regen trifft meist gesunde Bestände

Gerste_Rhynchosporium_Zwergrost
Stephan Weigand, LfL Pflanzenschutz, Freising
am Mittwoch, 27.04.2022 - 13:25

Getreidemonitoring: Die Wintergerste entwickelt sich zügig, aber im Vergleich wachsen Weizen und Dinkel weiterhin ziemlich gebremst.

Seit Sonntag sorgte Tiefdruckeinfluss für unbeständiges, relativ kühles Wetter, das vielerorts den lang ersehnten Regen brachte. Nach den Regenschauern wurde es etwas wärmer, allerdings vorerst ohne die 20 °C–Grenze zu erreichen. Dort, wo der Regen nicht nur die Blätter kurzzeitig befeuchtete, sondern auch die Oberböden, steigt mit den Temperaturen jetzt auch das allgemeine Infektionsrisiko in den Beständen. Handlungsbedarf entsteht daraus allerdings nur dort, wo der Krankheitsbefall die bewährten Bekämpfungsschwellen überschreitet.

Solange gegen alle wichtigen Blattkrankheiten in der Schossphase ausreichend wirksame Fungizide zur Verfügung stehen, ist solch ein Schadschwellen-Konzept möglich und ratsam. Um bei Bedarf gezielt und vor allem rechtzeitig reagieren zu können, sind regelmäßige Kontrollen der eigenen Bestände auf Ausgangsbefall der älteren Blatter sowie auf erste Mehltau- oder Rostpusteln auch auf jüngeren Blattetagen unerlässlich.

Erste Wintergersten schieben das Fahnenblatt

Die Wintergersten haben sich auch unter den zuletzt sehr trockenen Bedingungen stetig weiterentwickelt. Bei den ersten Beständen spitzte anfangs der Woche bereits das Fahnenblatt (BBCH 37), spätere Lagen und Saattermine standen noch im Zwei– oder Drei-Knotenstadium (BBCH 32/33). In wärmeren Lagen, für Septembersaaten, besonders bei früheren Sorten wie Sandra, SU Ellen, SU Ruzena oder Valhalla wird sich im Laufe der nächsten Woche der Blattapparat vollständig ausbilden (BBCH 39). Ab dem Fahnenblattstadium kann dann grundsätzlich schon eine Abschlussbehandlung erfolgen.

Der bislang meist noch geringe Krankheitsbefall wird jedoch in vielen Beständen ein weiteres Hinauszögern Richtung Grannenspitzen/ Beginn des Ährenschiebens (BBCH 49/51) ermöglichen. Umgekehrt sollte bei den wenigen Schlägen mit Befall über den Schwellen, spätestens nach dem neuerlichen Regen, auch nicht länger gewartet werden.

Die ersten Proben vom Montag zeigen nur einen moderaten Anstieg der Krankheiten. Bei einem früh gesäten Bestand mit der Sorte SU Ellen wurden die Schwellen für Rhynchosporium-Blattflecken und Zwergrost erreicht. Dies trifft für Rhynchosporium zu, wenn mehr als jede zweite Pflanze, auf ihrem dritten oder vierten voll entwickelten Blatt von oben, die typischen großen, anfangs graugrünen Flecken zeigt, die sich später durch einen dunkelbraunen Rand vom gesunden Blattgewebe abgrenzen. Die Krankheit wird vor allem durch weiteren Regen gefördert.

Schwelle für Zwergrost

Die Schwelle für Zwergrost ist erreicht, wenn bei mehr als drei von zehn Pflanzen erste, der sehr kleinen braunen Rostpusteln am Haupttrieb zu finden sind. In der Vorwoche war dies lediglich an zwei schwäbischen Standorten mit den rostanfälligeren Sorten KWS Higgins und KWS Tonic der Fall. Mit weiteren Schwellenüberschreitungen für den Zwergrost ist jedoch zu rechnen, da dieser Schadpilz kaum Regen benötigt und von strahlungsreicher Witterung begünstigt wird.

Unter den ersten Wochenblatt-Proben vom Montag überschreitet dagegen weiterhin nur ein Schlag aus dem Landkreis Regensburg die Bekämpfungsschwelle für die Netzflecken – in der Vorwoche als einziger unter allen 58 bayerischen Monitoringschlägen. Die Schwelle wird bis BBCH 37 an den Blättern F-3 und F-4 überprüft, ab BBCH 39 auf F-2 und F-3. Sie ist erreicht, wenn jede fünfte Pflanze die typischen dunkelbraunen Flecken zeigt – als Netztyp mehr länglich, mit dunkelbraunem Netzmuster im Innern, als Spot-Typ mehr rundlich, ohne Netzmuster.

Im Unterschied zu ähnlichen, reinen physiologischen Stressflecken bildet sich um die Netzflecken relativ schnell ein heller, chlorotischer Hof. Während Fungizide gegen Stressflecken nutzlos sind, sollten diese bei bekämpfungswürdigem Befall mit den sich rasch ausbreitenden Netzflecken umgehend eingesetzt werden. Mit einer weiteren regionalen Zunahme auf unbehandelten Flächen ist allerdings erst mit spürbar steigenden Temperaturen zu rechnen.

Auch Mehltau spielte im Monitoring bislang kaum eine Rolle. Wie für Netzflecken war es auch für diesen wärmeliebenden Erreger in den letzten Wochen zu kalt. Zudem besitzen viele anbaustarke Sorten eine gute Mehltauresistenz.

Wird bei Befall über der Schwelle ein früher Einsatz noch vor BBCH 39 nötig, bieten sich Teilmengen von Präparaten an, die zusätzlich auch eine Ramularia-Wirkung besitzen, wie (Aufwandmengen jeweils je ha) 0,8 l Input Classic, 0,8 l Input Triple, 0,6 l Verben, 0,8 l Revystar + 0,4 l Flexity, 0,5 l Property 180 SC + 0,5 l Patel 300 EC, 0,5 kg Unix + 0,5 l Pecari 300 EC oder 150 g Prothioconazol über eines der zahlreichen Prothioconazol-Solo-Präparate. Die eigentliche Abschlussbehandlung kann dann etwa zwei Wochen später erfolgen.

Abschlussbehandlung mit Schwerpunkt Ramularia

Lässt sich eine erste Maßnahme dagegen bis BBCH 39 oder später schieben, kann diese als abschließende Einmalbehandlung erfolgen. Zur Abschlussbehandlung rückt dann die Ramularia-Sprenkelkrankheit in den Fokus. Denn trotz ihres späten Auftretens, weswegen sich auch keine Bekämpfungsschwellen nutzen lassen, bestimmt diese Krankheit in den meisten Anbauregionen Bayerns die Gerstenerträge maßgeblich. Der Kontaktwirkstoff Folpet, der wieder über ein Notfallzulassung der Produkte Folpan 500 SC und Amistar Max in der Gerste verfügbar ist, sollte in typischen Ramularia-Gebieten hierbei nicht fehlen.

Zu 1,5 l Folpan 500 SC oder 1,5 l Amistar Max eigenen sich als breitwirksame Partner für die Abschlussbehandlung zum Beispiel (je ha)1,2 l Ascra Xpro, 1,5 l Balaya, 1,0 l Elatus Era, 1,0 l Gigant, 1,5 l Jordi oder 1,5 l Revytrex, kostengünstiger bei allerdings etwas reduzierter Wirkung auch 175 bis 200 g Prothioconazol, zum Beispiel über 0,7 bis 0,8 l Abran, Aurelia oder Traciafin.

Ohne Folpet-Zusatz ist, bei meist etwas geringerer und unsicherer Wirkung, auch der Zusatz von Schwefel als Kontaktmittel möglich, wie 4,0 l Thiopron oder 2,5 bis 4,0 kg S über sonstige Schwefelpräparate. Abschlussbehandlungen ganz ohne Folpet oder Schwefel sollten möglichst hohe Mengen an Mefentrifluconazol (in Balaya und Revytrex) oder Prothioconazol (in allen anderen oben aufgeführten Mitteln) nutzen, weil beide Wirkstoffe noch die beste Wirkung gegen Ramularia besitzen. Nähere Hinweise zur Fungizidstrategie in Wintergerste finden Sie in Heft13 des Wochenblattes.

Triticale: Vereinzelt Handlungsbedarf

Wie gewöhnlich sind die Triticalebestände weiter in der Entwicklung als die Winterweizen. Zu Wochenbeginn hatten die Triticale-Bestände, je nach Lage, meist das Zwei-Knoten-Stadium (BBCH 32) erreicht.

Ein erster Monitoringstandort bei Regensburg mit der Sorte Lombardo und Saat im September hatte am Montag die Bekämpfungsschwelle für Rhynchosporium deutlich überschritten. Achten Sie gerade nach dem Regen auf Befall, auch dort, wo die anfällige Sorte Agostino wächst.

Mit Regen, steigenden Temperaturen und frostfreien Nächten ist zudem – nicht nur in Güllebetrieben – auf Mehltau zu achten, besonders bei anfälligeren Sorten wie Cedrico oder Tantris. Die Schwelle ist erreicht, wenn sechs von zehn Pflanzen erste Pusteln zeigen.

Gelbrostbefall, der in anderen Bundesländern teils schon gemeldet wird, zeigen unsere Erhebungen in Bayern bislang noch nicht. Kontrollen sollten aber, unabhängig von der Sorteneinstufung, regelmäßig erfolgen, um rechtzeitig reagieren zu können.

Wo in der Schossphase eine Maßnahme nötig wird, eignen sich breit wirksam (je ha) 1,0 l Input Classic, 1,0 l Input Triple, 0,8 l Verben, 1,0 l Revystar + 0,5 l Flexity oder 0,5 kg Unix + 0,5 l Pecari 300 EC, gegen Gelbrost alleine zum Beispiel (je ha) 1,2 l Orius oder 1,0 l Tebucur 250 EW, gegen Gelbrost und Mehltau zum Beispiel 1,6 l Kantik.

In vielen gesunden Beständen lässt sich ein Behandlungsstart weiter hinauszögern, um dort, wo Fusarium keine Rolle spielt, mit einer Fungizidmaßnahme möglichst den gesamten Blattapparat abdecken zu können.

Weizen und Dinkel erst am Beginn des Schossens

Im Vergleich zur Wintergerste wachsen Winterweizen und Dinkel weiterhin verzögert. Lediglich drei der 13 ersten Beobachtungsschläge hatten am Montag das Ein-Knotenstadium BBCH 31 erreicht, an dem die Bonituren starten. Alle drei Schläge mit den Sorten RGT Reform und Patras wiesen keinerlei Krankheitsbefall auf, selbst auf älteren Weizenblättern ließ sich kein Ausgangsbefall mit Septoria tritici finden. Offensichtlich ist der Ausgangsbefall aus dem feucht-milden Herbst und Winter im extrem trockenen März mit den ältesten, frühzeitig abgestorbenen Blattetagen verschwunden und muss sich nun erst wieder neu aufbauen. Näheres werden Exaktbonituren ab der kommenden Woche zeigen.

Über das Internet (www.LfL.bayern.de) kann die Befallssituation aller Monitoring-Standorte abgerufen werden. Die Pflanzenproben werden hierbei aus Spritzfenstern von Praxisschlägen entnommen. Die Ergebnisse bewerten die regionale Befallssituation, können jedoch nicht die Befallserhebung auf dem Einzelschlag ersetzen. Daneben kann über Isip (www.isip.de) zusätzlich eine Prognose der Infektionswahrscheinlichkeit aller wichtigen Blattkrankheiten abgerufen werden, die bayernweiten Wetterdaten und zahlreiche Zusatzinformation gibt es unter www.wetter-by.de.