Düngung

Raps düngen ohne Überschuss

BayWa Feldtag Gründl 927
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Wolfgang Piller
am Donnerstag, 27.06.2019 - 11:13

Am südlichen Rand der Hallertau unterhält Deutschlands größter Agrarhändler ein Versuchszentrum, um die eigene Beratung zu unterstützen.

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Die Zukunft der Erde liegt in der intelligenten Nutzung der Flächen“ – mit einer kurzen, dafür prägnanten Begrüßungsrede hat sich der neue Agrarvorstand der BayWa AG, Marcus Pöllinger, beim Pflanzenbauforum in Gründl vorgestellt. Er unterstrich, dass er weiter in ackerbauliche Versuche investieren wolle.

Am südlichen Rand der Hallertau unterhält Deutschlands größter Agrarhändler ein Versuchszentrum, um die eigene Beratung zu unterstützen. Mitte Juni hat die BayWa den Ackerbauern die diesjährigen Erkenntnisse präsentiert – und sie waren durchaus überraschend.

Das waren sie auch deshalb, weil sie nicht nur die üblichen Sortendemonstrationen und Fungizid- oder Wachstumsreglerversuche beinhalteten, sondern auch etliche Düngeversuche. Und das nicht ohne Grund, denn wie Josef Bauer, der Leiter der BayWa-Beratung, sagte, werde die Diskussion rund um die Düngeverordnung mittlerweile fast völlig frei von Fakten geführt.

Die Zahlen, die die BayWa mit ihren Versuchen gewonnen hat, sprechen dagegen eine eindeutige Sprache: Schon mit der jetzigen Düngeverordnung lassen sich Weizen und Raps so führen, dass das Grundwasser nicht gefährdet wird. Der N-Steigerungsversuch zeigt beim Raps ein wirtschaftliches Optimum bei 250 kg N/ha. Diese N-Menge ist jedoch nicht mehr erlaubt. Mit einer verordnungskonformen N-Düngung von 200 kg/ha würde der Ackerbauer auf 50 €/ha verzichten. Doch dafür wäre der N-Saldo bei +/- 0, wie Bauer erklärte.
Bei einer weiteren Verschärfung der DüV in den Roten Gebieten und einer daraus folgenden Verringerung der möglichen N-Düngung um 20 % wäre der wirtschaftliche Verlust mit rund 112 €/ha sehr viel höher und der N-Saldo mit –30 kg/ha negativ. Das hieße zum einen, dass der Raps dem Boden mehr Stickstoff entzöge, als zuvor gedüngt worden war, zum anderen aber auch, dass der Landwirt damit alles andere als nachhaltig wirtschaften dürfte.
„Das wäre falsch und es wäre Raubbau“, sagte Bauer. Denn dadurch würde im Boden Humus aufgebraucht und die Bodenfruchtbarkeit verringert werden. „Die aktuelle Düngeverordnung würde absolut ausreichen“, sagte Bauer, eine weitere Verschärfung sei nicht nötig. Das gelte auch für den Weizenanbau. Mit der N-Versorgung laut DüV ergebe sich nur ein kleiner, unproblematischer Überhang von 20 kg/ha.
Wenn der N-Dünger weiter begrenzt würde, sieht Lorenz Sixt vor allem einen Ausweg: Den Dünger am Acker zielgenauer verteilen. Sprich, die besseren Stellen etwas besser düngen, schwächere dafür weniger. Letztlich geht es darum, die Verluste so gut wie möglich damit zu minimieren. Das könnten Landwirte mit professioneller Unterstützung angehen, etwa durch die BayWa-Precision farming-Abteilung FarmFacts, oder aufgrund ihrer eigenen Kenntnisse.
Sixt, der die Versuchsstation in Gründl leitet, hat beim Raps den mehreren Hundert Landwirten, die zum Feldtag gekommen waren, weitere schwer verdauliche Erkenntnisse präsentiert: Er hat einen Block ohne Insektizidschutz geführt und im Frühjahr dort zusehen müssen, wie zuerst der Gefleckte Kohltriebrüssler die Pflanzen überfallen hat und später die Kohlfliegenmücke.

„Der Raps kann keinen guten Ertrag mehr liefern“, sagte Sixt. Erst habe es fast so ausgesehen, dass er gar nicht mehr blühen würde, dann hat er wegen der vielen Nachblüher kaum mehr aufgehört. Laut Sixt braucht der Raps mittlerweile etwa fünf Insektizidspritzungen: Drei im Herbst und zwei im Frühjahr. Gerade die letzte davon kann noch mal großen Schaden abwenden, sagte Sixt. 2018 hat sie alleine einen Mehrertrag von 10 dt/ha gebracht. Angesichts dessen, dass eine „intelligente Nutzung der Flächen“ ein so wichtiges Fruchtfolgeglied wie den Raps erfordert, können das sehr wichtige zehn Doppelzentner sein. Denn der Raps hat es derzeit schwer genug.