Betriebsvergleich

Pflanzenbau im Weltvergleich

Thünen Institut
am Donnerstag, 30.07.2020 - 14:04

Die neuesten Ergebnisse des internationalen Betriebsvergleichs wurden bei einer Web-Konferenz vorgestellt. Wie stark wirkt sich die Corona-Pandemie aus?

Die Corona-Pandemie verändert die weltweite Pflanzenproduktion strukturell wenig – dies ist eines der wichtigsten Ergebnisse der diesjährigen agri benchmark Cash Crop Conference, die erstmals als Web-Veranstaltung stattfand. Die Konferenz versammelte mehr als 100 internationale Partner, um die neuesten Ergebnisse des internationalen Betriebsvergleichs sowie die Herausforderungen in der Pflanzenproduktion zu diskutieren.

Agrarökonomen liefern Einschätzung

Das Agrarökonomen-Netzwerk geht davon aus, dass die Produktion von Ackerkulturen von der aktuellen Krise nicht wesentlich beeinträchtigt wird. Auch der weltweite Handel werde hoch bleiben, da das Produktionspotenzial vieler Importländer bei Getreide und Ölsaaten einfach zu begrenzt sei. Ein solcher Schritt ist von einigen Politikern gefordert worden, um lange, krisenanfällige Wertschöpfungsketten zu vermeiden.

Rückläufige Ethanolproduktion in den USA

In den USA hat Corona jedoch zu einem massiven Einbruch des Kraftstoff- und Ethanolverbrauchs geführt. Daher stellten die Ethanolanlagen die Produktion ein und die Maisvorräte stiegen deutlich an. Infolgedessen werden die Maispreise zumindest auf kurze Sicht unter Druck bleiben.

Eine ähnliche Situation besteht in Brasilien, wo der Rückgang der Ethanolnachfrage die Zuckerfabriken dazu veranlasst hat, vermehrt Zucker anstatt Ethanol zu produzieren. Die Zuckerpreise sind dadurch in den Keller gegangen.

2019 war international gesehen ein normales Jahr

Aufgrund regelmäßiger Erträge und meist stabiler Ab-Hof-Preise war 2019 für die meisten Landwirte ein normales Jahr. In der EU war das Bild uneinheitlicher: Betriebe in Frankreich, Großbritannien und Spanien verzeichneten einen Gewinnrückgang, während deutsche, dänische und schwedische Betriebe bessere Ergebnisse erzielten als 2017 und 2018.

Für die USA ist das recht positive Bild jedoch nur aufgrund eines Anstiegs der gekoppelten Subventionen (ca. 160 $/ha) zutreffend. Sie sollen die Landwirte für die Verluste aufgrund des Handelskonflikts mit China entschädigen. Die kanadischen Produzenten litten unter der gleichen Art von Konflikten – China reduzierte die Rapsimporte massiv.

Typische Betriebe in Russland und der Ukraine erlebten ein weiteres recht gutes Jahr. Die Grundlage für diesen Erfolg ist eine steigende Mais- und Sojabohnenproduktion, die heute mindestens die Hälfte der Anbaufläche der typischen Betriebe einnehmen. Bei Sojabohnen trifft dieser positive Befund zu – trotz noch relativ geringer Erträge von rund 2 t/ha – allerdings bei Preisen leicht über dem US-Niveau. Bei Mais nähert sich das Ertragsniveau mit 10 t/ha und mehr den hochentwickelten westlichen Produktionssystemen an.

In Kasachstan fördert die Regierung die Diversifizierung der Pflanzenproduktion weg von Weizen und hin zu hochwertigeren Feldfrüchten. Diese sind eher transportwürdig und damit für den Export attraktiv. Die Weizenfläche ist gegenüber 2009 inzwischen um 22 % zurückgegangen.

Viele Produzenten suchen nach Möglichkeiten, Rotationen auszuweiten, um den Schädlingsdruck zu verringern und Umweltwirkungen zu verbessern. Zudem fordern Politiker eine Substitution von Importen – in Europa vor allem von Pflanzeneiweiß. „Die Ökonomie des Sojabohnenanbaus sehe in diesen Ländern auf dem Papier oft schön aus – hauptsächlich verursacht durch deutliche Ertragssteigerungen“, berichteten Teilnehmer aus Deutschland. Die Herausforderungen einer richtigen Bewirtschaftung der Kulturpflanze – sowohl in agronomischer Hinsicht als auch bei der Vermarktung – seien jedoch beträchtlich. Daher sollte der Austausch zwischen den Produzenten über Produktionstechniken sowie die Zusammenarbeit der Erzeuger zur Bündelung des Angebots gefördert werden.
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