Zuckerrübensaatgut

Notfallzulassung: Bayern stellt auf letzten Drücker Antrag

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 17.12.2020 - 14:41

Notfallzulassung soll es aber nur unter strengen Auflagen in Franken geben. Bundesamt muss jetzt entscheiden.

Zuckerrüben-Pflanze

Nachdem Rübenanbauer sich in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen schon über eine Notfallzulassung für die Saatgutbeizung freuen, hat Bayern nun einen Antrag beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gestellt. Weitere Anträge aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz liegen dort bereits vor. Andere Bundesländer bereiten Entsprechendes vor. Für die Notfallzulassung wird es höchste Eisenbahn, da derzeit die Beizung auf Hochtouren läuft.

Um die Landwirte in besonders betroffenen Hotspots bei der Bekämpfung des sogenannten Vergilbungsvirus zu unterstützen, hat Bayern nach ausführlicher Güterabwägung eine streng begrenzte Notfallzulassung für eine Behandlung des Zuckerrübensaatguts mit Neonikotinoiden beantragt.

Wie das Landwirtschaftsministerium in München mitteilt, soll die Zulassung unter strengen Vorgaben ausschließlich auf das besonders betroffene Anbaugebiet Franken begrenzt bleiben. Eine flächendeckende Ausweitung auf andere Regionen ist nicht vorgesehen. Zudem werde sichergestellt, dass die Bekämpfung des Virus nur mit einem umfassenden amtlichen Monitoring geschieht. Insbesondere werden die Landwirte verpflichtet, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass Insekten wie Bienen und andere Bestäuber nicht gefährdet werden. Bayern macht sich außerdem dafür stark, die Forschung nach alternativen Mitteln zur Bekämpfung des Virus zu verstärken.

In Franken 87 Prozent der Fläche betroffen

In Bayern ist Franken von dem Virus besonders stark betroffen. Das Virus bedroht von Frankreich kommend den Zuckerrübenanbau und richtet erhebliche Schäden an. Nach Angaben des Ministeriums sind heuer im Anbaugebiet Franken auf 87 Prozent der gesamten Anbaufläche von 22.300 Hektar Vergilbungssymptome aufgetreten.

Handlungsbedarf entsteht aus Sicht des Ministeriums nicht durch wirtschaftliche Einbußen, sondern weil sich der dortige Anbau bereits in einer existenziellen Notlage befindet. Bayern geht maßvoll vor und beantragt die Notfallzulassung nur für besonders stark betroffene Gebiete.

Der Freistaat wird im Falle einer Zulassung zudem für die betroffenen Flächen Bewirtschaftungsregeln zum Schutz von Bienen und anderen Insekten erlassen. So sind zum Beispiel auf dem Zuckerrübenschlag nur Kulturen als Nachfolgekultur erlaubt, die für Bienen nicht attraktiv sind. Blühflächen sind hier verboten. Zudem muss gewährleistet sein, dass der Abstand zu blühenden Pflanzen ausreichend groß gewählt und Erosion vermieden wird. Weitere Auflagen erhöhen den Schutz der Insekten.

Eine Notfallzulassung wurde bislang in Frankreich und Österreich sowie in der Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten erteilt. Mit dem Antrag will der Freistaat neben der Virusbekämpfung auch die regionale Versorgung und die Überlebensfähigkeit der heimischen Zuckerproduktion sichern.