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Chancen

Nachdenken und ausprobieren

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Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Donnerstag, 04.07.2019 - 10:11

Trotz aller Angriffe, die derzeit auf die Landwirtschaft einprasseln, sollten die Betriebe die Chancen, die sich bieten, nicht übersehen.

Chancen sehen und anpacken heißt aber nicht, in Euphorie auszubrechen. Es war immer ein Auf und Ab und es wird ein Auf und Ab bleiben.

Nehmen wir einfach mal unsere heimischen Ölfelder, sprich den Rapsanbau. Es wird überliefert, die frühere Landwirtschaftsministerin Renate Künast – die Politikerin gehört den Grünen an – hätte die heimischen Rapsanbauer als die Ölscheichs der Zukunft bezeichnet. Es gab auch eine Zeit, da hatten Biokraftstoffe aus Raps eine Reputation und auch einen Markt. Diese Zukunft hat nicht lange gehalten. Eine Allianz aus Auto- und Mineralölindustrie und Umweltverbänden hat den Biokraftstoffen weitgehend den Garaus gemacht.

Auch jetzt droht den Rapsanbauern neues Ungemach: Pflanzenschutzmittel fehlen und bei noch vorhandenen drohen Resistenzprobleme. Kommt also das Ende des gelben Fleckerlteppichs im Frühjahr? Vielleicht nicht. Vielleicht gibt es eine recht einfache Lösung zur Abwehr der Rapsglanzkäfer. Wie wäre es, wenn man der ausgewählten Sorte einen Anteil einer sehr früh blühenden Sorte beimischt, in der Hoffnung, dass die Käfer sich dann auf diese frühe Sorte konzentrieren? Was wäre, wenn der Raps nicht mehr gelb blühen würde? Wären die Käfer dann verwirrt? Und was wäre, wenn der Raps nach Lavendel duften würde, weil die Käfer Lavendel nicht mögen?

Schließlich könnten sich die Anbauer in einer Region abstimmen und in einer vierjährigen Fruchtfolge alle im gleichen Jahr Raps anbauen. Dann hätten die Schädlinge drei Jahre lang keine Nahrungsgrundlage. Mit solchen Ideen könnte man zumindest Vorsprung vor den Schädlingen gewinnen. Über solche Ansätze sollte man nachdenken, mehr, man sollte sie ausprobieren.

Nachdenken und ausprobieren, das sind Eigenschaften, die vor allem auch auf die Direktvermarkter zutreffen. Auf der Bauernmarktmeile in Nürnberg haben sie sich gegenüber den Städtern wieder als Botschafter für die Landwirtschaft bewährt.

Noch einen Schritt weiter gegangen ist Johann Wenzl. Der Niederbayer hat als Landwirt in der Ukraine neu angefangen. Seine Erfahrung: Mit Können und Einfühlungsvermögen kann man die Produktion im Griff haben und die Menschen überzeugen. Unwägbar bleiben aber auch dort die politischen Rahmenbedingungen.