Pflanzenbau

Mehrjähriger Weizen im Test

Karola Meeder
Karola Meeder
am Freitag, 08.01.2021 - 13:21

Versuche in Bayern zeigen: Das Potenzial ist da, es braucht aber noch Forschung

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Bodenruhe, ein ausgeprägtes Wurzelwerk und eine ganzjährige Bodenbedeckung inklusive Erosionsschutz – mehrjährige Kulturen haben ihre Vorteile. Warum diese nicht auch im Getreideanbau nutzen? Das haben sich auch die Fachleute der Ökoberatungsgesellschaft mbH – Fachberatung für Naturland gefragt. Getestet haben sie das in einem dreijährigen Projekt am mehrjährigen Weizen.

Dabei haben sie die Erträge, die Qualität und die ökologischen Vorzüge von fünf mehrjährigem Weizenlinien geprüft. Entstanden sind die Linien aus der Kreuzung von Weichweizen und einer Queckenart aus einer amerikanischen Züchtung. „Dabei handelt es sich also nicht um Kernza oder Weizengras“, betonte Werner Vogt-Kaute beim diesjährigen LfL-Ökolandbautag.

Qualität und TKG auf Niveau von Backweizen

Man habe sich gezielt für diese Kreuzung entschieden, weil die getesteten Linien den Vorteil haben, dass sowohl das TKG als auch die Qualität auf dem Niveau von gutem Backweizen liegen, erklärte Vogte-Kaute in die Kamera – denn auch diese Veranstaltung konnte coronabedingt nur digital stattfinden.

Die Versuche mit dem mehrjährigen Weizen fanden in Bayern auf drei verschiedenen Grenzstandorten für den Weizenanbau statt. Beim Anbau unter ökologischen Bedingungen lagen die Erträge der ausdauernden Linien im ersten Jahr bei maximal 17,5 dt/ha.

Die Backqualitäten lagen in einem guten Bereich. Auf den selben Standorten wurde zum Vergleich einjähriger Weizen angebaut – er brachte Erträge von knapp 20 dt/ha.

Trockenheit und Unkraut machen Probleme

Im zweiten Jahr war der Wiederaustrieb der ausdauernden Linien allerdings durch eine extreme Trockenheit deutlich schwächer, als es Vorversuche erwarten ließen, erklärte Vogt-Kaute. Und so lagen die Erträge der besten Linien nur noch bei 7 dt/ha.

Zwei der fünf Linien fielen durch die Trockenheit sogar komplett aus. Zwei weitere trieben erst im Frühjahr wieder stärker aus, statt wie ursprünglich vorgesehen im Herbst.

Neben der Trockenheit bereitete auch eine starke Spätverunkrautung Probleme, sodass es im dritten Anbaujahr keine nennenswerten Erträge mehr gab.

Dass ausdauernde Sorten per se über ein beachtliches Ertragspotenzial verfügen, zeigte der Anbau der gleichen Linien auf einem gut mit Wasser versorgten Standort in Luxemburg. Hier wurden im ersten Anbaujahr Erträge von bis zu 53 dt/ha erzielt. Da der Standort im Winter überflutet wurde, konnten jedoch für das zweite Anbaujahr keine Erträge ermittelt werden.

Trotz Schwächen ein Anbaupotenzial

Versuchsleiter und Naturlandberater Werner Vogt-Kaute sieht für mehrjährigen Weizen trotz der bescheidenen Erträge im Versuch zumindest auf schwächeren Standorten ein gewisses Anbaupotenzial – auch im konventionellen Bereich.

Dazu zählt er zum Beispiel kleine, ungünstig geschnittene Flächen, Erosionsschutzstreifen oder Permakultursysteme. Da die Backqualität gut ist, sieht er auch keine Probleme bei der Vermarktung der Ware.

Ökologische Vorteile nicht vergessen

Darüber hinaus biete der Anbau nach seinen bisherigen Erfahrungen auch einige ökologische Vorteile. So förderten zum Beispiel die längere Bodenruhe und die größere Wurzelmasse auch in tieferen Bodenschichten die Humusbildung.

Zudem sei die Zahl der Regenwürmer in den Versuchsparzellen mit mehrjährigem Weizen gestiegen.

„Mit den verfügbaren Linien ist jedoch nur ein zweijähriger Anbau sinnvoll“, betont der Fachmann. Außerdem ist eine niedrigwachsende Klee-Untersaat aus seiner Sicht unerlässlich, um eine Spätverunkrautung nach der ersten Ernte zu vermeiden.

Zudem sei deutlich geworden, dass die Ergebnisse um so schlechter werden, je trockener der Standort ist. Daher hält er für mehrjähriges Getreide das auch für Trockenstandorte geeignet sein soll, Durum für den besseren Kreuzungspartner.

Kurzum: Mehrjähriges Getreide hat Potenzial – um es nutzen zu können, ist aber noch einiges an Forschungsarbeit nötig.

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