Gentechnik

Maßstäbe für Nachhaltigkeit setzen

Gentechnik
Pressemitteilung
am Mittwoch, 22.07.2020 - 12:56

Grain Club fordert Rechtsgrundlage für Anwendung neuer Züchtungstechniken, VLOG mehr Verbraucherschutz.

Mit dem European Green Deal und der Farm-to-Fork-Strategie hat die EU-Kommission ihre Vision von einer nachhaltigeren Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion formuliert.

Dem wirkt das am 25. Juli 2018 gefasste Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) zu den neuen Züchtungstechniken (NZT) nach wie vor entgegen.

Demnach sind alle Pflanzen, die mithilfe der NZT erzeugt werden, als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) nach EU-Gentechnikrecht zu behandeln. Auch zwei Jahre nach dem Urteil führt diese wissenschaftlich nicht begründete Einstufung der NZT weiterhin zu praktischen Problemen für Wissenschaft und Wirtschaft in Deutschland und in Europa.

Verbände appellieren an Bundesregierung

Die Anwendung dieser Innovationen in der europäischen Landwirtschaft und im Gartenbau ist damit de facto unmöglich. „Durch Nutzung innovativer Züchtungstechnologien hätte Europa dagegen die Chance, Maßstäbe für Nachhaltigkeit zu setzen. So könnte unsere Landwirtschaft effektiver klimatische Ertragsrisiken mindern, Ressourcen schonen sowie die Biodiversität fördern“, betont Thorsten Tiedemann als Grain-Club-Vorsitzender im Namen aller unterzeichnenden Verbände.

Gleichzeitig würde damit die Grundlage für eine ausreichende und nachhaltige Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln aus Europa gestärkt.

Die Verbände der Agrar-, Gartenbau- und Ernährungswirtschaft appellieren daher an die deutsche Bundesregierung, sich über die EU-Ratspräsidentschaft hinaus dafür einzusetzen, dass das EU-Gentechnikrecht an den Stand der Wissenschaft angepasst wird. Pflanzen, die sich nicht von klassisch gezüchteten unterscheiden, sollten nicht als GVO reguliert werden.

Die NZT haben ein großes Potenzial, Ernteausfälle infolge des Klimawandels zu minimieren, indem sie Nutzpflanzen schneller widerstandsfähig gegen Wetterextreme und Schädlinge machen. Auch der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln kann dadurch optimiert werden. So können die Ansprüche der Verbraucher und der Politik in Bezug auf eine nachhaltigere Landbewirtschaftung besser erfüllt werden.

Damit auch kleinen und mittelständischen Unternehmen der Zugang zu den NZT und deren Anwendung ermöglicht werden kann, müssen dringend adäquate rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. 

Mehr Verbraucherschutz statt Gentechnik

Anders als der Grain Club sieht es der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VLOG), der Lebensmittelhersteller und -händler sowie die vor- und nachgelagerten Bereiche der Lebensmittelproduktion repräsentiert.

„Das EuGH-Urteil war und ist ein wichtiger Meilenstein für Europas Verbraucher, Landwirte und die Lebensmittelwirtschaft, insbesondere für die stark wachsenden Bio- und ‚Ohne Gentechnik‘-Sektoren", so VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting. "Die laufende Studie der EU-Kommission zum Urteil darf nicht dazu missbraucht werden, die Regeln aufzuweichen. Ziel muss vielmehr die konsequente Umsetzung des Urteils sein – und damit mehr Verbraucherschutz statt mehr Gentechnik."

Hissting weiter: "Dafür sollte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner die deutsche EU-Ratspräsidentschaft nutzen, statt wie zuletzt selbst für eine Deregulierung zu werben. Zwei Jahre nach dem EuGH-Richterspruch brauchen wir vor allem endlich zuverlässige Nachweisverfahren für neue Gentechnik-Verfahren und deren konsequente Anwendung. Dafür sollte Julia Klöckner sich einsetzen."