Erntezeitpunkt

Mais - Dürre sorgt für frühe Ernte

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Stefanie Gellan, LfL Pflanzenbau, Freising
am Donnerstag, 16.08.2018 - 13:37

Silomais: Vielerorts steht die Ernte schneller an als erwartet – allerdings zeigen sich große regionale Unterschiede in Bezug auf Entwicklung, Kolbenbildung und Wuchshöhe. Hier machen Wasserangebot und Bodenart den Unterschied.

Lang anhaltende Trockenheit, starke Sonneneinstrahlung und große Hitze haben in vielen Regionen Bayerns die Maisreife schon weit fortschreiten lassen. Die immer noch anhaltende Trockenheit setzt dem Mais extrem zu. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede, da das Wasserangebot und die Bodenart die Bestandsentwicklung, Kolbenbildung und Wuchshöhe bestimmen. Teilweise liegen nur ein paar Meter zwischen „guten“ und „schlechten“ Schlägen. In den Gebieten mit großer Trockenheit sind Stängel und Blätter verdorrt. Teilweise sind die Kolben aufgrund des Wassermangels zur Blüte nur schlecht ausgebildet oder gar nicht vorhanden.
Für stark vertrockneten Silomais rückt der Erntetermin schnell näher. Teilweise ist er bereits erreicht und auf manchen Flächen sogar überschritten. Aber auch auf Flächen mit guten Böden und ausreichender Wassernachlieferung ist heuer früher mit erntereifen Beständen zu rechnen.

Die Ernte hat schon begonnen

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In den Landkreisen Cham und Schwandorf zeigen sich teilweise extreme Trockenschäden. Einen grünen Maisschlag findet man hier kaum noch. An diesen Standorten wurde bereits Ende Juli/Anfang August mit der Ernte begonnen. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Franken, vor allem im westlichen Oberfranken. Hier finden sich auch einige kolbenlose Bestände. Das frühe Sortiment in der Gegend um Forchheim, Lichtenfels und Bamberg war teilweise bereits in der ersten Augustwoche erntereif. Etwas besser zeigt sich die Lage bei den Beständen um Bamberg.

Im Einzugsgebiet um Würzburg wurde ebenfalls bereits mit der Ernte begonnen. Zum größten Teil wird die Ernte hier wohl aber in der Kalenderwoche 33 stattfinden. Durchschnittlich liegen die TS-Werte auf den Praxisschlägen bei ca. 30 – 35 % (Aussaattermin 22. 4.).
Die TS-Gehalte einiger beprobter Sorten an verschiedenen Standorten in Bayern ergeben ein sehr unterschiedliches Bild. Je nachdem, ob an dem jeweiligen Probenstandort die Wasserversorgung ausreichend war oder nicht, weichen die TS-Gehalte stark voneinander ab. Es ist also sehr schwierig, die Werte für eine ganze Region zu verallgemeinern.

Da unter diesen Extrembedingungen die Wasserversorgung und die Bodengüte der einzelnen Standorte entscheidend sind, kann sich der Zustand der einzelnen Maisbestände auch auf kurzen Distanzen unterscheiden. Deshalb ist es wichtig, jeden Schlag separat zu beurteilen.

Der richtige Erntezeitpunkt

Bei der Bestimmung des richtigen Erntezeitpunktes kann das Temperatursummenmodell zur Reifeprognose (www.lfl.bayern.de/ipz/mais/069154) helfen. Das Modell prognostiziert in Abhängigkeit der Reifezahl einen Erntetermin. Dabei wird allerdings eine ausreichende Wasserversorgung vorausgesetzt. Die Grafik unten zeigt, dass die erforderlichen Werte für einen TS-Gehalt von rund 33 % in Frankendorf heuer deutlich früher erreicht werden als 2017 und im Mittel der letzten fünf Jahre.

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Für die optimale Qualität im Silo ist der richtige Erntetermin ein wichtiger Faktor. Den optimalen Bereich von ca. 32 – 35 % zu treffen, wird in diesem Jahr nicht leicht. Bei der Beurteilung der Bestände ist zu unterscheiden, ob der Bestand Kolben hat oder vorwiegend kolbenlose Pflanzen vorliegen. Sind Kolben vorhanden, sollte das Augenmerk hauptsächlich auf den Zustand der Restpflanze gelegt werden, da der Anteil an der Gesamtpflanze im Vergleich zum Kolben höher ist und somit der TS-Gehalt mehr von der Restpflanze bestimmt wird.

Läuft die Photosynthese noch?

Sind bereits die meisten Blätter vertrocknet, kann man davon ausgehen, dass die Photosynthese eingeschränkt ist und damit auch die Einlagerung ins Korn. Es ist nicht zu erwarten, dass sich bei solchen trockengestressten Beständen die Qualität noch wesentlich verbessert. Hier wird sich der optimale Erntezeitpunkt im Vergleich zu den Vorjahren wesentlich nach vorne verschieben.
Bei einem fast kolbenlosen Bestand mit deutlichen Trockenschäden an der Restpflanze ist keine qualitative Verbesserung mehr zu erreichen. Dieser Bestand sollte geerntet werden, bevor er einen TS-Gehalt von 35 % überschreitet und die Silierung problematisch wird. Bei diesen Beständen sollte ein TS-Gehalt von mindestens 28 – 30 % angestrebt werden, um eine gute Silierfähigkeit zu gewährleisten. Bestände, die optisch in Ordnung sind, sollten weiterhin regelmäßig beobachtet werden, bis ihre Silierreife erreicht ist.
Für die optimale Ernteplanung stellt die LfL auch in diesem Jahr wieder Daten aus dem Silomais-Erntemonitoring zur Verfügung. An verschiedenen Standorten von Betrieben der LfL, der AELF-Fachzentren Pflanzenbau, der Höheren Landbauschule Rotthalmünster, der Agrarbildungszentren der Bezirke Oberbayern in Landsberg und Oberfranken in Bayreuth werden Trockensubstanzbestimmungen bei Silomais durchgeführt. Die Daten stehen auf der Internetseite der LfL zur Verfügung und werden im Wochenblatt veröffentlicht. Weitere Infos zur Silierung von trockengeschädigtem Mais finden sie ebenfalls auf der Homepage der LfL und im Wochenblatt (Heft 32, S. 35). Stefanie Gellan