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Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung (LKP)

LKP sieht sich auf dem richtigen Weg

Hilfe zur Selbsthilfe: Die LKP-Feldberatung unterstützt Bayerns Landwirte bei aktuellen Fragen im Ackerbau und am Grünland.
Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Mittwoch, 16.11.2022 - 10:00

Jubiläen sind ein Anlass, um zurückzuschauen, aber auch um sich neu auszurichten. Beim 50-jährigen Jubiläum des Landeskuratoriums für pflanzliche Erzeugung überwog das zweite: der Blick nach vorne.

Anton Dippold: „Die Betriebe brauchen verlässliche Informationen. Die müssen am Smartphone bereitstehen.“

Landwirte müssen immer mehr Aufgaben erfüllen. Sie müssen neue rechtliche Auflagen befolgen, die Anforderungen der Gesellschaft berücksichtigen und dazu auch Umweltschutz, Digitalisierung und vieles mehr. Die Betriebe werden größer und komplexer. Große und finanziell wichtige Entscheidungen sind immer zu treffen. So beschrieb Jürgen Dietrich, Vorsitzender des Landeskuratoriums für pflanzliche Erzeugung (LKP), bei der Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen der Selbsthilfeeinrichtung die aktuelle Situation. Dem LKP braucht also nicht bange sein, dass ihm die Arbeit ausgeht.

„Die Landwirte brauchen unsere Unterstützung, um die Aufgaben der Zukunft zu bewältigen“, sagte Dietrich. Für diese These erhielt er fachkundige Unterstützung. Anton Dippold, der Geschäftsführer der Bayerischen Staatsgüter sollte den LKP-Verantwortlichen den künftigen Dienstleitungs- und Beratungsbedarf in der pflanzlichen Erzeugung aufzeigen. Nach seiner Ansicht benötigen die Selbsthilfeeinrichtungen dazu drei wesentliche Fähigkeiten: Kreativität, Flexibilität und Zusammenhalt.

Trockenjahre sind normal

Michaela Kaniber: „Der agrarpolitische Grundsatz Hilfe zur Selbsthilfe gilt weiter. Ich wünsche uns gutes Gelingen.“

Da ist zunächst der Klimawandel. Für Dippold ist das vermeintliche Ausnahmejahr 2022 die neue Normalität. Da habe man in der Forschung den Turbo viel zu spät gezündet, wie Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in ihrer Festrede zugab. Es brauche dingend klimaresiliente Arten und Sorten und es brauche eine einzelbetriebliche Vorsorge. Derzeit wird im unterfränkischen Schwarzenau eine Zentrum für Wissenstransfer im Ackerbau in Trockenlagen aufgebaut. Laut Kaniber gibt es viele Praktiker, die daran Interesse haben, die auch ihre Flächen für Versuche zur Verfügung stellen. Das ist sicher Wasser auf die Mühlen von Dippold, denn der fordert, dass neue Ansätze und Erkenntnisse sei es

  • beim Boden,
  • bei den Fruchtfolgen oder
  • bei der Annäherung von konventionellem und Ökolandbau

früh und ausgiebig auf Praxisbetrieben getestet werden.

Klimaresilienz und neue Kulturen sind aber noch nicht das Ende, meint Dippold. Da muss auch die Wertschöpfung mit aufgebaut werden. Wenn es um den Moorschutz geht, dann sei immer von den sogenannten Paludikulturen die Rede, und was man aus denen alles machen könne, aber die Märkte dafür gäbe es noch nicht. Er kann es auch nicht verstehen, wenn ein Startup in Bayern sich mit der Bereitstellung von Erbseneiweiß beschäftigt, die Erbsen dafür aber aus Niedersachsen kommen. Auch in den klassischen Produktmärkten gibt es eine hohe Volatilität. „Im Ein- und Verkauf ist viel Musik drin“, so Dippold. Er forderte die Selbsthilfeeinrichtungen hier insgesamt auf mehr zu netzwerken.

Die Auflagen müssen in die Technik

Jürgen Dietrich: „Die Entscheidungen im Betrieb werden immer komplexer. Das LKP kann helfen.“,

Um die Bürokratie bewältigen zu können, braucht es laut Dippold mehr Flexibilität. „Die Auflagen müssen in die Technik rein“, sagte er. Mit anderen Worten: Die Digitalisierung muss hier die Landwirte entlasten. Das Thema hatte bereits Leonhard Ost, Vorsitzender des Kuratoriums Bayerischer Maschinen- und Betriebshilfsringe in seinem Grußwort aufgegriffen.

Die Maschinenringe hätten zum Beispiel die Ackerschlagkartei, das LKP habe das Bodenportal und das Landeskuratorium für Tierische Veredelung die HIT-Tierdatenbank. Davon ausgehend sprechen die Selbsthilfeeinrichtungen, der Bauernverband und die staatlichen Stellen bereits über eine bayerische Agrardatenbank. Die auf die Beine zu stellen, ist für Ost sehr wichtig, denn sie fördere die Zusammenarbeit der Selbsthilfeeinrichtungen, die ja alle für die landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern arbeiten. Und würden es nicht die Selbsthilfeeinrichtungen schaffen, dann würden es andere tun. Die Frage sei dann aber, ob die Betriebe noch die Hoheit hätten über ihre eigenen Daten.

Dippold verwies in dem Zusammenhang auch auf das Digitalisierungszentrum der LfL in Ruhstorf und ergänzte mit Blick auf die Selbsthilfeeinrichtungen: „Auch in der Digitalisierung braucht es jemand, der sagt, was sich rechnet, der aus den Daten Empfehlungen erarbeitet.“ Mithilfe der vorhandenen Daten müssten Wissensnetzwerke aufgebaut werden, und der Wissenstransfer müsse über die neuen Kommunikationswege organisiert werden.

Ebenfalls zu den Aufgaben der Selbsthilfeeinrichtungen gehört es für den BaySG-Geschäftsführer, die Ernährungs- und Einkaufsgewohnheiten der Menschen zu beobachten und in der Beratung entsprechend zu reagieren. In Bayern wurde das Ziel „30 Prozent Ökolandbau“ ausgerufen, die Regionalvermarktung sollte in größeren Skalen gedacht werden.

Pflanzliche Eier und Insekteneiweiß

Herzlich willkommen: Einen besonderen Begrüßungsapplaus erhielt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.

Beispiele gibt es schon jetzt. Mit Nextegg unterstützt zum Beispiel die BayWa ein Startup, das Eier aus pflanzlichen Rohstoffen erzeugt. Die Indoor-Erzeugung von Nahrungsmitteln dürfte sich in Regionen ausweiten, wo Wassermangel herrscht, und ein Unternehmen in Bayern bietet Betrieben die Erzeugung von Insekteneiweiß an, derzeit noch begrenzt als Futtermittel.

Dass das LKP in all diesen Punkte Potenzial hat, das machte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in ihrer Festrede deutlich. Immerhin sind über die Erzeugerringe 90 000 Landwirte und Gärtner darin organisiert. Die wissen die Arbeit ihrer Erzeugerringe und deren Dachorganisation LKP zu schätzen und auch das Ministerium erlebt die Selbsthilfeeinrichtung bei den übertragenen Aufgaben als verlässlichen Partner.

„Sie haben die Schlagkraft, wir haben das Geld“, sagte Kaniber in Bezug auf die künftige Zusammenarbeit. Das hat auch bisher so gut funktioniert. Damit die Einrichtungen ihre Aufgaben erledigen können, wurden die Fördersätze von 46 auf 60 € pro Stunde erhöht, im vergangenen Jahr hat das LKP für seine Projekte vier Millionen Euro an Erstattungen erhalten. Der derzeit gültige Vertrag zwischen dem Landwirtschaftsministerium und dem LKP läuft im kommenden Jahr 2023 aus. Die Ministerin sicherte zu, dass der Folgevertrag au Augenhöhe verhandelt wird.

Aus dem politischen Teil von Kanibers Rede seien hier die folgenden drei Punkte zu den Themen Düngung, Sortenzüchtung und Pflanzenschutz herausgegriffen.

  1. Sie will in der Düngeverordnung einen neuen Anlauf unternehmen, dass Betriebe, die ordnungsgemäße Bewirtschaftung nachweisen, von den Auflagen befreit werden.
  2. Die Pflanzenzüchtung bleibt ein Schwerpunkt. Einmal, um die steigende Nachfrage nach Qualität bedienen zu können, zum zweiten, um die Herausforderungen des Klimawandels meistern zu können. Zur Absicherung des Klimarisikos wird 2023 auch die Mehrgefahrenversicherung ausgeweitet. Es gibt Angebote für Ackerbau, für Grünland und für Dauerkulturen.
  3. Die Pläne der EU zur Reduktion des Pflanzenschutzes, die ganz Europa über einen Kamm scheren, sind nicht akzeptabel. Die Regionen wissen hier viel besser, was zu tun ist.

Verlässlichkeit durch Gesellschaftsvertrag

Europa und die Regionen waren auch der Schwerpunkt im Grußwort von Josef Hefele, Vorsitzender des Kuratoriums für Tierische Veredelung in Bayern. Er kann das ständige Hin und Her zwischen den einzelnen Ebenen nicht nachvollziehen. Dabei wird nach seiner Ansicht sehr viel Energie verschwendet. Die aktuellen Krisen zeigten, dass es wichtigere Aufgaben gibt. Gerade in diesen unsicheren Zeiten brauchen die jungen Landwirte, die die Betriebe übernehmen, eine gewisse Verlässlichkeit. Ein Stück davon könnten die Selbsthilfeeinrichtungen gewährleisten, wenn der Aufwand, den sie für Beratung und Weiterbildung benötigen, auch erstattet wird.

Die Verlässlichkeit für die Betriebe treibt auch BBV-Präsident Günther Felßner um. Er wünscht sich eine Art Gesellschaftsvertrag zwischen Landwirtschaft, Bevölkerung und Staatsregierung, der dann natürlich auch die Selbsthilfeeinrichtungen umfasst. Dabei ist für ihn die Landwirtschaft in einer starken Verhandlungsposition. Die Bäuerinnen und Bauern müssen nämlich nicht in die Mitte der Gesellschaft gebracht werden. Mit ihrer Nachhaltigkeit, mit der generationenübergreifenden Denkweise, mit der Umweltorientierung, mit der Regionalität und mit der Verwurzelung in der Region seien sie vielmehr die Mitte der Gesellschaft.