Pflanzenschutz

Landwirtschaft heute ökologischer als vor 30 Jahren

Getreide
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 11.05.2021 - 09:12

Für Andreas von Tiedemann, Universität Göttingen, ist die Aufklärung der Bevölkerung eine der großen Zukunftsaufgaben.

Auf einer Webinar-Reihe der Industriegruppe Pflanzenschutz (IGP) gab Andreas von Tiedemann, Wissenschaftler an der Universität Göttingen, eine aktuelle Einschätzung zur Pflanzenschutzsituation ab. Tiedemann widmet sich neben der Erforschung von bodenbürtigen Krankheiten, die auch von der Fruchtfolge und dem Anbausystem beeinflusst werden, besonders neuen Pathogenen an Weizen, Raps und Mais, um deren Auswirkungen und Verhalten zu ermitteln.

Druck durch Schadinsekten steigt

Seiner Einschätzung nach sind Pflanzenkrankheiten aktuell gut beherrschbar, aber bei Schadinsekten gibt es große Probleme. Ursachen sind ein steigender biologischer Druck, klimatische Faktoren und der Verlust von Wirkstoffen durch Verbote und Anwendungseinschränkungen.

Von Vielen werde nicht verstanden, dass die Kontrolle von Schädlingen für einige wichtige Kulturen wie Raps und Zuckerrübe essenziell sei. Hier gebe es bei der Sortenresistenz kaum Möglichkeiten, um den chemischen Pflanzenschutz zu entlasten. Die Kulturpflanzen brauchen einen Schutz. Eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung sei nur mit Pflanzenschutz möglich, urteilt der Wissenschaftler.

Landwirtschaft hat zur Risikominderung beigetragen

Die Landwirtschaft sei mittlerweile deutlich ökologischer als vor 30 Jahren, bilanziert der Wissenschaftler die Entwicklung der letzten Jahrzehnte. Sämtliche Forderungen von damals habe sie umgesetzt damit und zu einer Risikominderung beigetragen. Dass im Green Deal plötzlich quantitative Reduktionsforderungen gestellt werden, wundert den Forscher. Die Risikoreduktion sei in der Vergangenheit nur durch qualitativen Fortschritt passiert, aber nie durch eine pauschale Mengenreduktion.

Aufklärung der Bevölkerung ist Riesenaufgabe

"Das mangelnde Wissen der Menschen über Landwirtschaft wird von vielen missbraucht. Das ist die Achillesferse der Landwirtschaft, denn die Menschen glauben, was berichtet wird. Eine sachgerechte Aufklärung der Bevölkerung ist eine Riesenaufgabe. Die Politik entscheidet nämlich entsprechend dem Wählerwillen. Längst ist nicht mehr wissenschaftliches Wissen Treiber des Fortschritts, sondern die gesellschaftliche Akzeptanz des Fortschritts. Durch das Verbot oder Vermeiden von Fortschritt kommt aber das Risiko der unterdrückten Technologien ins Spiel, also das, was passiert, weil wir Innovationen nicht anwenden", so zitiert der Nachrichtendienst aiz den Experten.

Mit Material von aiz