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Düngerkosten

Kostenexplosion beim Stickstoff: Dünger mischen und sparen?

Unterschiedliche Korngrößen sind immer ein Problem, weil sie sich schon beim Umlagern und spätestens beim Ausbringen entmischen können.
Klaus Strothmann
am Dienstag, 27.09.2022 - 10:12

Lässt sich mit Mischdüngern bei gleicher Wirkung Geld sparen? Harnstoff und SSA mischen funktioniert, aber es gibt mehrere Haken.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um Mineraldünger zu kaufen? Und mit welcher Düngerform lassen sich Kosten sparen? Viele Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter stellen sich aktuell diese Fragen rund um den Düngerkauf und wenden sich damit an die Offizialberatung. Das bestätigt auch Nikolaus Schackmann, Pflanzenbauberater am Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR) in der Eifel.

Günstige Angebote verpasst – jetzt Dünger mischen?

„Leider kann ich nicht sagen, wohin sich der Düngermarkt entwickelt“, sagt der Berater. „Viele Betriebsleiter, die die Angebote vor zwei bis drei Monaten für Kalkammonsalpeter (KAS) zu 65 bis 70 Euro/dt nicht wahrgenommen haben, scheinen nun Panik zu bekommen.“ Schackmann beobachtet, dass jetzt Mischdünger aus Harnstoff und Schwefelsaurem Ammoniak (SSA) angeboten werden. Sie liegen pro Kilogramm Stickstoff deutlich unter dem Preis von KAS. Dennoch gilt es gründlich abzuwägen, ob der Dünger für den jeweiligen Betrieb und den Düngerstreuer geeignet ist, warnt der Experte.

Harnstoff und SSA mischen? Ja, aber…

„Grundsätzlich lässt sich mit den Mischdüngern aus Harnstoff und SSA der Stickstoffbedarf einer Pflanze abdecken.“ Der im SSA enthaltene Schwefel decke, je nach Mischungsverhältnis, auch den Pflanzenbedarf an Schwefel ab. Allerdings gibt es Grenzen in der Wirksamkeit. „Was man mit diesem Dünger nicht kann, ist schwache Bestände anschieben, weil er kein Nitrat enthält.“ Und auch die Emissionen sind ein Thema: Um die gasförmigen Stickstoffverluste zu reduzieren, sollte Harnstoff nicht lange auf trockenem Boden liegen. „Unmittelbar nach der Ausbringung, also innerhalb von einem bis zwei Tagen, sollten daher mindestens 5 bis 10 mm Niederschlag fallen.“ Harnstoff unterliegt im Boden einer ähnlichen Verlagerungsgefahr wie Nitrat. Erst wenn Harnstoff in Ammonium umgewandelt wurde, bindet er sich an Tonteilchen.

Technische Streifenkrankheit: Mischdünger entmischen sich leicht

Dann ist da noch die Sache mit der Ausbringung. Mischdünger neigen zur Entmischung – und das umso stärker, je häufiger sie umgelagert werden. Am geringsten ist die Gefahr der Entmischung, wenn der Mischdünger direkt aus der Mischanlage in BigBags gefüllt wird. Eine Entmischung geschieht aber auch beim Ausbringen. Das Ergebnis sieht man an streifenweise unterschiedlicher Grünfärbung der Bestände.

Diese Entmischung geschieht auch bei kleinen Streubreiten von 15 Metern. Berater Nikolaus Schackmann: „Dass sich eine ungleichmäßige Düngerverteilung negativ auf den Ertrag auswirkt, sollte klar sein. Bei den aktuellen Getreidepreisen macht sich dies auch finanziell sehr stark bemerkbar.“ Das Merkblatt 445 „Einsatz von Mineraldüngerstreuern“ der DLG enthält hilfreiche Hinweise zum Thema Entmischung.

Mit Material von Nikolaus Schackmann, DLR Eifel