Mikroorganismen

Komposttee – was ist das?

Veronika Fick-Haas, Karola Meeder
am Freitag, 09.04.2021 - 06:32

Komposttee ist ein flüssiger Extrakt aus Kompost – in dem das bis zu 500-fache an Mikroorganismen enthalten ist, als in Kompost selbst.

Komposttee ist ein flüssiger Extrakt aus Kompost – in dem das bis zu 500-fache an Mikroorganismen enthalten ist, als in Kompost selbst. Wie das geht? Der Kompost wird mit warmem und belüftetem Wasser angesetzt – meist kommt noch Gesteinsmehl dazu. Sozusagen als Nahrung für die Mikroorganismen kommt dann noch Melasse dazu – so sollen die Mikroorganismen „herangezüchtet“ werden. Komposttee soll positive Wirkungen auf den Boden - aber auch auf die Pflanzengesundheit haben.

Betriebsmittel sparen

„Die regelmäßige Anwendung von Komposttee in Verbindung mit Pflanzenstärkungsmitteln und Gesteinsmehl führt zu einem gesunden, lebendigen Boden und höheren Erträgen“, ist Dr. Ingrid Hörner überzeugt – das wisse sie aus eigener Erfahrung. Wissenschaftliche Untersuchungen, aber auch zahlreiche Praxisbeispiele belegen laut ihren Worten, dass zugleich chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel eingespart werden können. Reduzierungen von 40 bis 50 % seien bereits nachgewiesen worden.

Komposttee – was kann er?

Humus

Sucht man aktuelle und unabhängige Untersuchungen aus Deutschland zur Wirkung von Komposttee, tut man sich schwer. Einen Überblick über die verfügbare, schon ältere, Literatur bietet die Literaturstudie des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL) von 2004 mit dem Namen „Auswirkungen von Komposten und von Gärgut auf die Umwelt, die Bodenfruchtbarkeit, sowie die Pflanzengesundheit“.
Laut den Autoren können Kompost und Kompostextrakte (darunter fällt auch der Komposttee) die Gesundheit von Pflanzen über unterschiedliche Wege positiv beeinflussen: Zum einen über die Wirkung auf bodenbürtige Krankheitserreger – und zum anderen, indem sie Resistenzen in den Pflanzen gegenüber Schaderregern auslösen. So hätten Kompost und Kompost­extrakte durch eine solche „induzierte Resistenz“ Gerstenpflanzen vor Echtem Mehltau geschützt.

Die Auswertung der Literatur zeige außerdem, dass Mistkomposte meist besser auf die Pflanzengesundheit wirken als rein pflanz­liche Komposte. Zudem gebe es einen deutlichen Zusammenhang zwischen der mikrobiellen Aktivität in der Phyllosphäre – vereinfacht ausgedrückt, ist das die Oberfläche der Pflanzen – und der Unterdrückung von Krankheiten. Diese mikrobielle Aktivität lasse sich durch die Gabe von Kompostextrakten erhöhen. Die Schutzwirkung der Mikroorganismen auf der Pflanzen­oberfläche könne demnach über drei verschieden Mechanismen erfolgen: Hemmung der Sporenkeimung, antagonistische Wirkung und Konkurrenz mit Krankheits­erregern sowie über die bereits erwähnte induzierte Reisistenz.

Hilfe gegen Krautfäule?

Aber was bedeutet das alles für die Praxis? Bisher wenig – wobei die Literaturstudie des FiBL schon interessante Ergebnisse auflistet: So konnten in einigen Versuchen Erfolge gegen Apfelschorf sowie Mehltau in Reben verzeichnet werden. Die Autoren einer anderen Studie berichten sogar von einem „effizienten Schutz“ der Kartoffeln vor der Kraut- und Knollenfäule im Freiland – und dies ganz besonders dann, wenn der Kompostextrakt mit antagonistischen Mikroorganismen angereichert wurde.

Im Gemüsebau sind besonders mit Schafsmistkomposten gute Ergebnisse erzielt worden – beispielsweise gegen Alternaria, Botrytis und Echtem Mehltau bei Tomaten. Mit Komposttee zu Tomaten hat auch die LfL experimentiert – und zwar gegen Samtflecken. In den Versuchen zeigte sich aber keine Wirkung.

Noch Forschungsbedarf

Zurück zur Literaturstudie. Darin findet sich auch folgender Feldversuch: Weizensaatgut wurde mit Magermilchpulver, Algenpulver und Weizenmehl gebeizt. Damit konnte der Befall mit Weizensteinbrand stark reduziert werden – laut den Autoren habe die Zugabe von Kompostextrakt als Haftmittel diese Wirkung zusätzlich verstärkt.

Die Autoren der Literaturstudie kommen zu dem Schluss, dass Komposte und Kompostextrakte Potenzial haben, Pflanzen vor Schad­erregern zu schützen – und dies nicht nur unter geschützten Laborbedingungen, sondern auch auf dem Feld. Dennoch gebe es teils widersprüchliche Ergebnisse und unterschiedlich starke Wirkungen.

Das unterstreicht laut den Autoren zum einen, dass die Qualität des Komposts oder Kompostextraktes eine wesentliche Rolle spielt. Zum anderen sei deutlich geworden, dass die Mechanismen, die hinter der positiven Wirkung auf die Pflanzengesundheit stehen, bisher nur in Ansätzen bekannt sind. Um also Kompost/Kompostextrakte zielgerichtet einsetzen zu können, sei noch viel Forschungsarbeit nötig – ein Aufruf, der allerdings zumindest in Deutschland seitdem kaum Gehör fand.

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