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Alternativ-Kulturen

Kichererbsen: Eine echte Alternative?

Kichererbsen
Karola Meeder
Karola Meeder
am Montag, 20.06.2022 - 16:26

Gerade für die trocken-warmen Regionen Süddeutschlands werden die Kichererbsen als alternative Kultur gehandelt - das war auch auf den DLG-Feldtagen ein Thema.

Kichererbse-3-Samen

Als Falafel oder Hummus haben es die Kichererbsen schon längst auf deutsche Teller geschaftt - auf unseren Äckern sind sie dagegen eine echte Rarität. Nur wenige hundert Hektar werden in Deutschland angebaut, der Großteil davon auf Öko-Flächen. Die drittwichtigste Hülsenfrucht der Welt mag es warm und trocken, daher sind ihre Hauptanbaugebiete bislang in Indien, Pakistan und dem Mittelmeerraum zu finden.

Aktuell wird die Kichererbse aber auch als interessante Kultur für Deutschland gehandelt - wegen ihrer klimatischen Ansprüche sieht Kai Dommaschk, Produktmanager bei Lidea, die Kichererbse vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. „Nicht nur das Klima ändert sich, sondern auch die Landwirtschaft und ebenso die Ernährungswirtschaft“, erklärt Dommaschk – und auf alle drei Veränderungen bieten Kichererbsen eine gute Antwort.

Fruchtfolgen auflockern, heimischen Bedarf decken

Kichererbsen-Aufmacherbild

Die Hülsenfrucht kann Fruchtfolgen erweitern und ist relativ extensiv zu führen. Als Leguminose entfällt die Stickstoffdüngung. Neben einer P/K-Düngung, die Dommaschk auf etwa 100 €/ha schätzt, ist nur ein Herbizideinsatz im Vorauflauf (etwa 80 €/ha) nötig. Bei Bedarf könnte man ab dem Vierblattstadium mit der Hacke durchfahren. Anders als andere Leguminosen, werden die Kichererbsen nicht mit Rhizonien-Bakterien geimpft - allerdings nur, weil es kein geeignetes Impfmittel gibt. In den Versuchen von Lidea ohne Impfmittel wurden Erträge zwischen 10 und 22 dt/ha erreicht.

Als Antwort auf die Veränderungen in der Lebensmittelwirtschaft ist die die enorm gestiegene Nachfrage nach Kichererbsen und Kichererbsenprodukte für die menschliche Ernährung zu nennen. 2020 wurden 19300 t nach Deutschland importiert - verglichen mit den Zahlen fünf Jahre zuvor ist das eine Steigerung von über 250 %. Im Zuge der Klimaveränderungen wird die Kichererbse in Deutschland in den besonders trockenen und warmen Regionen realistische Chancen auf eine Anbauausdehnung haben - da ist man sich bei Lidea sicher und ist daher eine Züchtungskooperation zur Kichererbse eingegangen.

Potenzial ist da, beweisen müssen sie sich aber noch

Kichererbse-2-Huelse

Auch beim Stand der DLG mit alternativen Kulturen, war die Kichererbse vertreten - ebenso am Stand des Ministeriums für Ernährung Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg und bei Öko-Verbänden. Das Potenzial der Kichererbsen hoben alle hervor - sie wiesen jedoch auch auf die bisher geringen Anbauerfahrungen in Deutschland hin und auf die derzeit noch stark schwankenden Erträge. So war es den Kichererbsen 2021 vielerorts zu kalt und zu nass - darauf reagieren sie empfindlich, dementsprechend niedrig waren die Erträge. Glänzen konnten sie dagegen vor allem in warmen, trockenen Jahren.

Damit Kichererbsen sicher abreifen, sollte man auf früh reifende Sorten setzen, erklärt Dommaschk. Lidea bietet die beiden bewährteren Sorten Elmo und Orion, sowie die neue Sorte Analisto an. Generell unterscheidet man bei Kichererbsen verschiedene Typen: Desi und Kabuli.

Aus dem Lebensmittelhandel kennt man in erster Linie den Kabuli-Typ, der auch weltweit rund 70 % des Anbaus ausmacht. Die Samen des Kabuli-Typs sind hell-cremefarben, die Pflanzen blühen weiß. Dagegen sind sie Samen des Desi-Typs außen dunkel und kleiner als die des Kabuli-Typs. Desi-Typen blühen violett.

Vermarktungsstrukturen fehlen noch

Wer interssiert am Kichererbsenanbau ist, sollte sich vorab unbedingt Gedanken zur Vermakrtung machen - denn feste Vermarktungsstrukturen gibt es bisher nicht. Viele Anbauer vermarkten ihre Ernte direkt an die Verbraucher. Laut Dommaschk lassen sich bei der Direktvermarktung Erlöse zwischen 1,70 (konventionell) und 2,20 Euro/kg (bio) erzielen.

Weil die Kichererbsen ab Bodentemperaturen von 7°C keimen, erfolgt die Saat im April bis Mai. Als Bestandsdichte empfiehlt das LTZ Augustenberg 50 Pflanzen pro Quadratmeter bei einem Reihenabstand von 30 Zentimetern. Nach etwa 40 bis 50 Tagen blühen dann die Kichererbsen – ab da muss die Temperatur bei mindestens 15 Grad Celsius liegen, andernfalls besteht die Gefahr, dass die Blüten abfallen oder die Pollen ihre Fruchtbarkeit verlieren. Die Erntetermine sind relativ variabel und liegen je nach Sorte und Witterung zwischen Mitte August und Oktober. Die Kichererbsen können mit einem normalen Schneidwerk geerntet werden.