BBV-Erzeugerwoche

Kartoffeln: Bescheidene Qualitäten und Preise

Kartoffelmarkt_B
Helga Gebendorfer
am Donnerstag, 02.12.2021 - 10:58

Auf dem Kartoffelmarkt sind die diesjährigen Preise enttäuschend trotz geringem Anbau.

Hinter uns liegt ein sehr bewegtes Jahr“, blickte Konrad Zollner, Vorsitzender der Bayerischen Landesvereinigung Kartoffeln zurück. So wurden die Kartoffeln von den Wetterkapriolen in Mitleidenschaft gezogen. „Die Qualitäten fielen bescheiden aus und dementsprechend schwierig ist die Vermarktung“, erklärte er im Rahmen der BBV-Erzeugerwoche. Der Landwirt benötigte mehr Geld, Energie und Arbeitsaufwand, doch der Erlös lässt zu wünschen übrig, sodass kein kostendeckendes Arbeiten herauskommt. „Alles in allem ist die Situation angespannt und die Stimmung schlecht – anders als die Euphorie bei Getreide und Ölsaaten“, lautete die Bilanz von Zollner. Nach seiner Auskunft ist die Vermarktung heuer zweigeteilt: Im Speisekartoffelbereich verlief alles ordnungsgemäß mit beständiger Abnahme, dagegen bereitet die Lage im Frittenbereich Probleme.

Den Kartoffelmarkt stellte Wilfried Beeker, Geschäftsführer der 1963 gegründeten Erzeugergemeinschaft REKA mit ca. 1000 Mitglieder und etwa 30 000 ha Anbaufläche aus rheinischer Sicht dar. Demnach ging in Deutschland 2021 die Kartoffelanbaufläche von 274 000 auf 259 000 ha zurück, was ein Minus von gut 5 % gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Auch die Erntemenge fiel mit 10,6 Mio. t um rund 1 Mio. t niedriger aus. Beide Entwicklungen gelten für alle Bundesländer. „Insgesamt ist in Deutschland mit durchschnittlichen Brutto-Erträgen zu rechnen“, fasste Beeker zusammen. Das gleiche Bild spiegelt sich in den EU-4 – Belgien, Deutschland, Frankreich, Niederlande – wieder: ein Minus von 4,7 % in der Fläche, ein Minus von 4,7 % bei den Erntemengen und eine durchschnittliche Bruttoernte.

Frühkartoffeln

In allen Frühregionen gestaltete sich die Witterung im April und Mai meist kühl, was zu Verzögerungen in der Entwicklung der Kartoffelbestände führte. Bedingt durch die unterschiedlichen klimatischen Voraussetzungen und die gefächerten Auspflanztermine ergab sich insgesamt ein gestaffeltes, kontinuierliches Angebot.
Die erste Notierung der REKA für festschalige, rheinische Speisefrühkartoffeln wurde Mitte Juli für vorwiegend festkochende Sorten mit 44 €/100 kg und für festkochende Sorten mit 46 €/100 kg veröffentlicht. Im Rheinland zeigte sich der übergebietliche Versand – vor allem in Richtung Benelux – sehr aufnahmefähig. Auch der Klein- und Markthandel lief auf stabilem Niveau. Die Frühkartoffelsaison war geprägt von kontinuierlichen Preisrücknahmen von wöchentlich 4 bis 6 €/100 kg.

Speisekartoffeln

  • Anbau: Der Anbau für Speisekartoffeln wurde in Deutschland reduziert. Die Speisekartoffelerträge fielen in den deutschen Anbaugebieten meist durchschnittlich aus. Im Rheinland zeigten sich heterogene Erträge – in Abhängigkeit von der Region, Sorte, Pflanztermin und weiterer Einflussfaktoren. Zudem: Es ergeben sich teils große Unterschiede zwischen Brutto- und Nettoerträgen (grüne Knollen, Drahtwurmfraß, Übergrößen u. a.). Die REKA geht daher aktuell von einem Marktwarenertrag auf eher durchschnittlichem Niveau aus.
  • Nachfrage: Der Absatz im LEH und Discount liegt unter den sehr guten Vorjahreszahlen, wird von den Abpackbetrieben aber als saisonüblich beschrieben. Der Klein- und Markthandel stellt sich mit fortwährend guten Absätzen weiterhin als feste Größe dar. Im übergebietlichen Versand (beispielsweise in Richtung der klassischen Zuschussgebiete im Südwesten sowie in den Süden Deutschlands) zeigt sich eine Belebung. Der Absatz der Schälbetriebe ist gestiegen, erreicht aber noch nicht das Vor-Corona-Niveau. In Südeuropa bzw. Ost- und Südosteuropa zeigen sich erste Nachfrageimpulse. Die Kartoffeleinkäufe privater Haushalte schrumpfen im Vergleich zum Vorjahr.
  • Erzeugerpreise: Die Notierungen erreichten Mitte September auf einem Niveau von 15 €/100 kg für vorwiegend festkochende und 17 €/100 kg für festkochende Sorten einen Preisboden. Im Rheinland einigten sich Ende Oktober Packbetriebe, Handel und REKA auf einen Preisaufschlag von 4 €/100 kg für durchgeschwitzte Lagerware. Entsprechende Aufschläge konnten auch in Niedersachsen, im Südwesten Deutschlands und vielen anderen Anbaugebieten umgesetzt werden.

Ausblick

  • Die Produktionskosten in Anbau und Lagerung steigen.
  • Qualitäten bleiben in den nächsten Jahren ein großes Thema.
  • Rentabilität ist nur bei guter Produktionstechnik und geringen Abzügen gegeben.
  • „Regional ist das neue Bio“?

Industriekartoffeln

  • Angebot: Bezogen auf die Qualitäten bei den Industriekartoffeln wird in diesem Jahr witterungsbedingt insbesondere von Wachstumsrissen, Hohlherzigkeit und grünen Knollen berichtet. Als Konsequenz hieraus ist absehbar, dass sich vielfach größere Unterschiede zwischen Brutto- und Nettoerträgen ergeben werden. Aufgrund der verzögerten Entwicklung passten in allen westeuropäischen Anbaugebieten die Ertrags- und Qualitätsparameter zu Beginn der Saison vielfach nicht. Wie im Vorjahr wurde der Bedarf der Verarbeitungsindustrie lange über Lagerware der letztjährigen Ernte abgedeckt. Erst in der erste August-Dekade stellten die Verarbeiter komplett auf neuerntige Ware um.
  • Nachfrage: Die Frittenfabriken decken bislang ihren Bedarf schwerpunktmäßig über Vertragsware. Diese fließt größtenteils planmäßig ab. Der freie Industriemarkt zeigte sich über einen längeren Zeitraum als ruhig, die Nachfrage war verhalten. Nach dem Abschluss der Einlagerung tendiert der freie Markt aktuell fester. Die REKA-Notierung für diese Woche wurde angehoben. Für die anstehenden Industriekartoffelverträge gelten folgende Rahmenbedingungen:
  • Steigende Produktionskosten.
  • Steigende Erzeugerpreise bei den Alternativkulturen.
  • Neue Verarbeitungsfabriken und Investitionen in bestehende Fabriken.
„Jeder Landwirt muss selbst entscheiden, ob er weiterhin auf den Kartoffelanbau setzt. Das Anbaurisiko steigt, was sich in den Vertragspreisen wiederfinden muss. Außerdem müssen die Fabriken die Kapazitäten auslasten“, kommentiere Beeker.