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Pflanzenbau

Kartoffelkraut unter Strom

Nucrop-elektrische-Krautregulierung
Helga Gebendorfer
am Donnerstag, 12.05.2022 - 08:00

Mit Strom Unkräuter wegbrutzeln und vor der Ernte das Kartoffelkraut ausdörren: Ein neues Verfahren dringt in die Praxis vor.

Mit Strom Unkräuter wegbrutzeln und vor der Ernte das Kartoffelkraut ausdörren: Die ersten Erfahrungen aus dem Einsatz in der Praxis für einen interessanten Ansatz zur Kartoffelkrautregulierung stellte Hans Stadler von der Firma Nufarm bei der Kartoffeltagung des Augsburger Landwirtschaftsamtes und der Erzeugerrings vor.

Gemeinsam mit Cropzone arbeitet Nufarm an einer hybridelektrischen Methode sowohl zur Unkrautregulierung als auch zur Regulierung des Kartoffelkrautes.

Eine Anbauspritze an der Schlepperfront sprüht ein Elektrolyt (5 l Volt-Fuel und 0,5 l Volt-Fuel Activator) aus, das die Leitfähigkeit der Unkraut- oder Kartoffelblätter und damit die Effizienz erhöht. Hinten am Schlepper erzeugt ein Generator (Volt-Cube) Strom für 16 Applikatoren. Diese hängen an einem höhenverstellbaren Gestänge. Für die Anwendung werden sie auf die Kartoffeldämme abgesenkt und gleiten dann über diese hinweg. Das mit Elektrolyt benetzte Kartoffelkraut streift an den Elektroden entlang. Der Strom zerstört die Pflanzenzellen, das Kraut trocknet aus und nach etwa 14 Tagen ist es fast ganz abgestorben. Sonniges Wetter während der Anwendung scheint den Effekt positiv zu beeinflussen.

Zur Zeit der Anwendung soll keine Staunässe oder stehendes Wasser in den Beständen vorhanden sein. Der Hauptstromfluss geht durch das Kartoffelkraut, wenig in den Boden und die Knollen. Bei den Anwendungen in Bayern war in vielen Stadien eine elektrische Maßnahme ausreichend und schon eine Überfahrt erzielte ein gutes Ergebnis.

Bei anderen Versuchen in wüchsigen Sorten bzw. frühen BBCH-Stadien wurde das Kraut nicht ganz erfasst. Hier führten zwei elektrische oder eine Kombination aus elektrischer und chemischer Anwendung zu einer guten Krautabtötung. „Insgesamt wird ein vergleichbarer Sikkationserfolg zu chemischen Maßnahmen erreicht. Elektrisch und chemisch sind eine gute Kombination“, so Stadler.

2021 waren in Deutschland vier Maschinen eingesetzt. Heuer sind sechs bis acht Maschinen geplant. Außerdem sollen Arbeitsbreiten von 9 und 12 m getestet und die Applikatoren optimiert werden. Es gibt weitere Versuche zur Wirkung auf Bodenlebewesen und die Kartoffelqualität und schließlich sollen auch Versuche in anderen Kulturen gefahren werden.