Ackerbau

Die Kartoffelernte wird sinken

Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Donnerstag, 23.09.2021 - 11:19

Die Versorgung ist laut Kartoffelhandel gesichert. Das Wetter machte den Kulturen mit Kälte und Pilzdruck zu schaffen. Auch die Ernte konnte aufgrund der feuchten Böden erst im September richtig anlaufen.

Kartoffelernte

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat das vorläufige Ergebnis der diesjährigen Kartoffelernte in Deutschland bekannt gegeben. Grundlage ist die Feststellung des vorläufigen Ergebnisses des Sachverständigenausschusses für die Besondere Ernte- und Qualitätsermittlung.

Basierend auf den bisher vorliegenden Rodeergebnissen wird eine Erntemenge von rund 10,6 Mio. t erwartet. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sind das 9,2 % weniger. Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2020 sind es 0,4 % weniger.

Im Bundesdurchschnitt weisen die bisher vorliegenden Ergebnisse dabei einen vorläufigen Hektarertrag von 410 dt aus. Dies bedeutet einen Rückgang um 4,2 % gegenüber dem Vorjahr bzw. um 2,3 % gegenüber dem mehrjährigen Durchschnitt.

Erst zu kalt, später hoher Pilzdruck

Ein Grund für das geringere Ernteergebnis sind die diesjährigen Witterungsbedingungen. Durch das außergewöhnlich kalte Frühjahr entwickelten sich die Kartoffelbestände zögerlich. Das in weiten Teilen Deutschlands sehr wechselhafte und nasse Sommerwetter führte zu vermehrten Pilzinfektionen und wirkte sich negativ auf Ertrag und Qualität aus.

Im Juli und August waren die Kartoffelfelder oftmals zu nass zum Befahren. Erst seit Beginn des Spätsommers seit Anfang September kommen die Rodearbeiten zügiger voran.

Anbaufläche geht zurück

Hauptfaktor für die geringere Ernteschätzung ist die zurückgehende Anbaufläche. Rund 259 300 ha Ackerfläche wurden in Deutschland in diesem Jahr mit Kartoffeln bestellt – im Vergleich zum Jahr 2020 entspricht das einem Rückgang um 5,2 %.

Niedersachsen ist weiterhin das bedeutendste Kartoffelanbaugebiet in Deutschland mit einem Flächenanteil von rund 45 %, gefolgt von Bayern mit 15 % und Nordrhein-Westfalen mit etwas unter 15 %.

Weiterführende Informationen zu Entwicklungstendenzen auf dem Kartoffelmarkt enthält der von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung publizierte Bericht zur Markt- und Versorgungslage Kartoffeln.

Im Vergleich zu den Vorjahren liegen aktuell noch relativ wenige Auswertungen von Probeflächen aus der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung (BEE) vor, die Grundlage für die Feststellung der Erntemengen ist.

Von den deutschlandweit für die Ertragsermittlung ausgewählten etwas mehr als 800 Kartoffelfeldern sind bisher erst 35 % verfügbar. Daher können sich noch größere Abweichungen des tatsächlichen Ergebnisses der Kartoffelernte 2021 von den derzeitigen Einschätzungen ergeben.

Märkte noch unter dem Eindruck der Pandemie

Nach Aussage des Deutschen Kartoffelhandelsverbandes stellt das Jahr 2021 die Kartoffelbranche erneut vor große Herausforderungen. Pandemiebedingt waren die Absätze in Gastronomie und Außer-Hausverpflegung wiederum unterdurchschnittlich, der Absatz von frischen Speisekartoffeln blieb konstant.

Da noch erhebliche Mengen an alterntiger Ware vorrätig waren, wurden Anbaueinschränkungen empfohlen. Damit wurde erstmals seit 2016 nach vorläufigen statistischen Angaben die Kartoffelanbaufläche nicht mehr ausgeweitet.

Beim vom BMEL ermittelten Ertrag sind laut DKHV witterungsbedingt regional sehr unterschiedliche Ertrags- und Qualitätserwartungen zu berücksichtigen. Der verantwortungsvolle und kluge Umgang mit der Ressource Kartoffel habe in den letzten Monaten dazu beigetragen, dass bei guter Warenverfügbarkeit keine Marktturbulenzen aufgetreten sind.

Stabile Versorgung gesichert

Insgesamt stehe eine ausreichende, aber nicht zu große Bruttomenge zur Verfügung, die eine stabile Versorgung sichert. Jedoch muss diese Menge erst einmal in guter Qualität vollständig geborgen und gelagert werden, stellt der DKHV fest. Entscheidend werden die dem Markt am Ende zur Verfügung stehenden Nettomengen sein.

Die Kartoffelwirtschaft hat in den letzten Jahren bewiesen, dass die mittelständisch geprägte Struktur flexibel auf Herausforderungen reagieren und eine stabile Versorgung aller Bedarfe sichern kann. Das wird auch mit der Ernte 2021 gesichert sein, so der DKHV.

Mit Material von Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft