Schädlingsbefall

Kartoffelanbau durch Drahtwurm gefährdet

Interview: Karola Meeder
am Freitag, 19.03.2021 - 05:53

Anton Frauenhofer sieht den heimischen Speisekartoffelanbau durch den Drahtwurm gefährdet und fühlt sich von der Politik im Stich gelassen.

Anton-Frauenhofer

Als Speisekartoffelanbauer kennt sich Anton Frauenhofer sen. aus mit den wirtschaftlichen Verlusten, die der Drahtwurm verursachen kann. Schon seit Jahren weist der BBV-Obmann aus Adlhausen (Lkr. Kelheim) auf das Drahtwurmproblem hin. Er versucht die Politik durch Fachgespräche mit Experten, Vor-Ort-Termine sowie Briefwechsel für die Herausforderungen zu sensibilisieren. Erst vergangenen Freitag gab es auf seine Initiative hin ein Gespräch mit Landrat Martin Neumeyer, Petra Högl (MdL) und Experten von LfL, LKP und Landwirtschaftsämtern.

Wochenblatt: Herr Frauenhofer, wie ist das Gespräch aus Ihrer Sicht verlaufen?
Frauenhofer: Ganz gut. Dass wir an diesem Tag keine Lösung für das Drahtwurmproblem finden, war klar. Aber uns wurde zugehört und gemeinsam mit weiteren Praktikern konnten wir ein Bewusstsein für unsere Probleme schaffen. Das war nur ein Schritt von vielen. Mann muss an vielen Stellen ansetzen und immer wieder sein Anliegen in die Köpfe bringen. Ich würde mir wünschen, dass mehr Landwirte die Initiative ergreifen und zumindest die Politiker vor Ort für die Herausforderungen in der Landwirtschaft sensibilisieren. Steter Tropfen höhlt den Stein – und je mehr Tropfen, desto besser.
Wochenblatt: Zurück zum Drahtwurm. Welche Probleme haben Sie damit auf Ihrem Betrieb?
Frauenhofer: Wir bauen im Schnitt jährlich 75 Hektar Speisekartoffeln an. Von den letzten drei Ernten mussten wir jeweils zwischen 20 und 60 Prozent wegschmeißen, weil die Kartoffeln durch Drahtwurmbefall nicht vermarktungsfähig waren. Uns fehlen dadurch nicht nur die Einnahmen – die befallenen Kartoffeln müssen auch per Hand aussortiert werden. Das ist ein enormer zusätzlicher Aufwand. Was früher eine Person geschafft hat, müssen jetzt drei bis vier Personen erledigen. Hinzu kommt, dass man nie alle Löcher entdeckt. Obwohl wir also per Hand aussortiert haben, kommen Kunden und reklamieren die Kartoffeln, die sie bei uns im Hofladen oder auf dem Bauernmarkt gekauft haben. Das schadet unserem Ruf. Am meisten ärgert mich aber, dass wir gezwungen sind, einen so großen Teil unserer Kartoffelernte wegzuschmeißen, während Millionen von Menschen an Hunger leiden. Das müsste nicht sein.
Wochenblatt: Was meinen Sie damit?
Frauenhofer: Es ist ja nicht so, als ob es keine wirksamen Mittel geben würde. Goldor Bait hatte Wirkungsgrade von 80 Prozent, wurde aber verboten. Übrig geblieben sind teure biologische Mittel, die wenig wirken. Auf meinem Betrieb sind gemeinsam mit Professor Doktor Zellner von der LfL mehrjährige Versuche dazu gelaufen. Rund 5 Prozent Wirkungsgrad haben biologische Mittel erreicht, kosten aber bis zu 350 Euro je Hektar. Goldor Bait hat mich rund 100 Euro je Hektar gekostet. Ich finde es falsch, große Teile der Ernte verkommen zu lassen, obwohl es wirksame Mittel gäbe. Darum versuche ich auch, die politischen Entscheidungsträger auf dieses Problem hinzuweisen.
Wochenblatt: Ihr Engagement in allen Ehren. Aber was versprechen Sie sich davon? Eine Wiederzulassung von Goldor Bait ist ja unwahrscheinlich.
Frauenhofer: Ich würde es richtig finden, wenn man vorübergehend gut wirksame Mittel wie Goldor Bait wieder anwenden dürfte. Natürlich nur solange, bis es einen angemessenen Ersatz gibt. Ich weiß, dass das sehr unwahrscheinlich ist. Was ich aber in jedem Fall fordere ist, dass mit Hochdruck nach Lösungen für unser Problem gesucht wird. Dafür setze ich mich ein und da gebe ich auch nicht nach. Bei uns Speisekartoffelerzeugern steht kein Verband im Hintergrund. Wenn wir uns nicht selbst einsetzen, macht es keiner. Leider gelingt es mir nicht immer, das nötige Gehör zu finden.
Wochenblatt: Wo hat es denn nicht geklappt?
Frauenhofer: An unsere bayerische Landwirtschaftsministerin komme ich einfach nicht ran. Als Reaktion auf meine Versuche mit ihr ins Gespräch zu kommen, habe ich Briefe bekommen. In einem wurde darauf verwiesen, dass es ja heuer Notfallzulassungen für Force Evo, Attracap und Trika Expert gibt. Aber was ist im nächsten Jahr? In einem anderen Brief stand, dass Frau Kaniber gerne mit mir sprechen würde, es ihr Terminkalender aber leider nicht zulässt. Da frage ich mich schon: Will sie nicht oder darf sie nicht? Dass ihr Terminkalender zu voll ist, um auf unser Hoffest zu kommen, das sehe ich ja noch ein. Aber dass Sie nicht einmal Zeit für ein Telefonat hat, finde ich schon schwach.

Wochenblatt: Angenommen, es ändert sich nichts an der aktuellen Situation, wo sehen Sie Ihren Betrieb in fünf Jahren?

Frauenhofer: Da sehe ich schwarz für den Speisekartoffelanbau. Und das nicht nur bei uns auf dem Betrieb, sondern generell. Wenn bei höherem Aufwand die Hälfte der Einnahmen ausbleibt – wer kann das auf Dauer durchhalten? Logisch wäre es, auf Stärkekartoffeln umzusteigen. Oder man lässt die Kartoffel ganz aus der Fruchtfolge fallen. So oder so – eines ist klar: Werden weniger heimische Speisekartoffeln produziert, werden sie von sonstwo importiert. Dass diese Kartoffeln dann unter geringeren Umwelt- und Sozialstandards produziert werden als hier in Bayern, muss ich nicht erklären. Ich hoffe sehr, dass es nicht so weit kommen muss – darum kämpfe ich auch weiter.