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Grünland-Monitoring

Junges Gras bleibt zuckersüß

Grünland-Löwenzahn_MR
Barbara Misthilger, Ludwig Hitzlsperger, LfL Tierernährung Grub
am Mittwoch, 27.04.2022 - 17:29

Grünlandmonitoring 2022: Bringt der Regen Schwung in die Wiesen?

Es ist Ende April, doch der kühle Wind und niedrige Temperaturen lassen den Frühling nicht so recht in Fahrt kommen. Auch auf den Wiesen ist das zu spüren. Richtiges Wachswetter war bis jetzt erst an vereinzelten wärmeren Tagen mit Sonnenschein zu verzeichnen. Doch der fehlende Niederschlag bzw. die trockenen Böden wirkten als deutliche Bremse für das Wachstum.

Dies wird auch bei den aktuellen Aufwuchsuntersuchungen der LfL deutlich. Erst seit dieser Woche können an fast allen Standorten in Bayern die Wiesen beprobt werden, weil vor allem in den höher gelegenen Teilen Nordbayerns und des Alpenvorlands bislang kaum etwas gewachsen war. Im südlichen Teil Bayerns steht dagegen vielerorts schon der Löwenzahn in voller Blütenpracht auf den Wiesen.

Was steckt im Gras?

Die Ergebnisse zu den Inhaltsstoffen und Erträgen werden in sechs Agrargebieten grafisch in den jeweiligen Diagrammen dargestellt. Entscheidend für den optimalen Schnitttermin sind die enthaltenen Gehalte an Eiweiß (Rohprotein), Faser (ADFom) und die daraus berechnete Energiekonzentration (MJ NEL/kg TM).

Bei der Darstellung der Faser wird statt der Rohfaser die Säure-Detergenzien-Faser, kurz ADFom, verwendet. Drei strukturwirksame Kohlenhydrate bestimmen die Struktur in der Pflanze: Zellulose, Hemizellulose und Lignin. Der Parameter Rohfaser enthält die einzelnen Anteile der beschriebenen Faserfraktionen und deren Verdaulichkeit nicht vollständig.

Entscheiden für den Schnittzeitpunkt ist das Lignin. Durch dessen Einlagerung in die Zellwand kommt es zur Verholzung (Lignifizierung) im Gras – dieses wird schwerer bzw. schlechter verdaulich. Im Gegensatz zum Parameter Rohfaser ist beim ADFom-Gehalt das Lignin komplett enthalten und somit aussagekräftiger. Die ADFom-Gehalte liegen bei allen Agrargebieten mit durchschnittlich 192 g/kg TM noch deutlich unterhalb des angestrebten Orientierungsbereichs von 260 g/kg TM. Dies zeigt, dass sich die Grasbestände durch die kühlen Temperaturen der letzten Wochen langsamer entwickeln. Durch die geringe Verholzung der Gräser sind auch die daraus abgeleiteten Energiegehalte mit 7,0 MJ NEL/kg TM noch auf einem sehr hohen Niveau.

Die vor allem nachts kalten Temperaturen sorgen somit dafür, dass das Gras immer noch sehr „jung“ ist. Das hat eine weitere Nebenwirkung zur Folge: Der über den Tag aufgebaute Zucker in den Gräsern wurde durch die kühlen Temperaturen nicht veratmet. Im Mittel waren bei den Probeschnitten die Zuckergehalte mit 248 g/kg TM sehr hoch. Durch das zunehmende Wachstum der Gräser wird der Zuckergehalt aber bis zur Silierreife deutlich sinken.

Potenzial nach oben

Die ermittelten Trockenmasseerträge liegen vor allem in den Agrargebieten Alpenvorland, Ostbayerisches Mittelgebirge bzw. Jura, Keuper und Nordbayerisches Hügelland mit 10 dt TM/ha noch auf einem niedrigen Niveau. Wegen der anhaltend kühlen und trockenen Witterung kommen die Bestände dort erst langsam zum Wachsen. Im Voralpinen Hügelland und Tertiärhügelland sind die TM-Erträge mit durchschnittlich 18 dt TM/ha schon deutlich höher, aber auch hier ist noch Potenzial nach oben. Die Niederschläge der vergangenen Woche und wärmere Temperaturen werden hoffentlich einen regelrechten Aufschwung in die Wiesen bringen. Wann es allerdings Zeit ist die Mähwerke anzuwerfen, bleibt abzuwarten.