Artenvielfalt

"Insektenfördernde Regionen" sollen Schutz in die Fläche bringen

Einsame Harzbiene
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 16.12.2020 - 09:47

Mit dem neuen EU LIFE-geförderten Projekt „Insektenfördernde Regionen“ sollen sieben Anbauregionen zielgerichtet den Schutz der Insekten angehen.

Radolfzell - Die Bodensee-Stiftung arbeitet an Konzepten, in denen die Landwirtschaft Teil der Lösung sein soll. wissen zum Schutz der Insekten sie mittlerweile reichlich vorhanden, so die Stiftung, das große Defizit bestehe darin, die Maßnahmen in die Fläche zu bringen. Dazu soll "Insektenfördernde Regionen" nun Abhillge schaffen. Es setzt auf den Insektenschutz über die Grenzen eines landwirtschaftlichen Betriebs hinaus: Vertreter der wichtigsten Landnutzer in der Region – allen voran die Landwirtschaft – erarbeiten gemeinsam einen regionalen Biodiversity Action Plan (BAP).

    Regionale Pläne werden auf den Einzelbetrieb heruntergebrochen

    So läuft das Projekt: Die Ausgangslage bezüglich der Insekten wird erfasst, d.h. Stärken und Schwächen sowie Potentiale für Verbesserungen. Die Ziele und Maßnahmen der regionalen Biodiversitätspläne werden auf die landwirtschaftlichen Betriebe heruntergebrochen: Sowohl der Obstbauer als auch der Getreideanbauer oder Milchproduzent tragen mit einem betriebsspezifischen Biodiversitätsplan dazu bei, dass die Ziele erreicht werden. In Vorreiter-Betrieben werden besonders innovative Maßnahmen umgesetzt und dokumentiert. Auch weitere Landnutzer wie Waldbesitzer, Unternehmen zum Abbau von Rohstoffen oder die Kommunen mit Pachtflächen und Grünanlagen werden einbezogen.

      Leistungen sollen honoriert werden

      Insekten- und Biodiversitätsschutz sind nicht zum Nulltarif zu haben und Landwirte, die sehr gute landwirtschaftliche Praktiken anwenden, leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz eines Gemeinguts. Dieser Beitrag soll auch angemessen honoriert werden. Um dies zu erreichen, erarbeiten die Projektpartner ein Konzept für ein Agrar-Umweltprogramm, das in der gesamten Europäischen Union Anwendung finden könnte.

      Aber auch die Lebensmittelbranche ist gefordert! Der erbitterte Preiskampf im Handel wird meistens zu Lasten der Umwelt, der Sozialstandards und der Landwirte ausgefochten, die keine hochindustrialisierten Betriebe haben. Verbrauchern muss klar sein, dass Qualität ihren Preis hat und Umweltqualität dazu gehören muss. Eine spezielle Marketingstrategie und Kommunikation für Verbraucher*innen soll die Nachfrage nach Produkten aus den insektenfördernden Regionen ankurbeln und dafür sorgen, dass sich Umsicht und besondere Verantwortung für Landwirte auch lohnen.

      Zum EU-Life Programm und dem Projekt Insektenfördernde Regionen

      Das Projekt „Insektenfördernde Regionen“ hat ein Volumen von 3,4 Millionen Euro. Die Kosten werden zu 55 % durch das Umweltprogramm LIFE der Europäischen Kommission gefördert. In jeder Ausschreibung werden bis zu 1.000 Projektanträge eingereicht, das Auswahlverfahren ist anspruchsvoll. Etwa 10 % der Anträge werden letztlich bewilligt.

      Diese sieben insektenfördernden Regionen sind geplant:

      • Bodensee (Landkreise Konstanz, Bodenseekreis, Ravensburg)
      • Mittlerer Oberrhein (Landkreise Karlsruhe, Rhein-Neckar-Kreis)
      • Hohenlohe (Schwäbisch Hall, Hohenlohe, Main-Tauber-Kreis, Rems-Murr-Kreis, Ostalbkreis, Ansbach)
      • Allgäu (Landkreise Ravensburg, Oberallgäu, Unterallgäu, Ostallgäu, Lindau)
      • Dresden (Bezirke Dresden, Meißen, Bautzen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
      • Steinhuder Meer/ Wendland (Landkreise Nienburg/Weser, Schaumburg, Lüchow-Dannenberg)
      • Bliesgau (Landkreise Saarpfalz-Kreis, Neunkirchen)