Bodenschutz

Hotspots der Erosion erkennen

Bild2-Bodenschutzstreifen- im-Feld
Gerhard Gradl, AELF Weiden
am Freitag, 02.10.2020 - 15:00

Dabei hilft die App „ABAG interaktiv“ der LfL – und bietet Gegenmaßnahmen.

Bild-1-Erosionsrinne-Raps

Boden gehört zu den wertvollsten Ressourcen der Landwirtschaft und ist die Grundlage unserer Ernährung. Dementsprechend wichtig ist sein Schutz – und dabei kann die überarbeitete Version der App „ABAG interaktiv“ helfen. Sie bietet zahlreiche Möglichkeiten, um Hotspots der Erosion zu erkennen und den Bodenschutz im Betrieb besser zu planen. Gerade angesichts der zunehmenden Starkregenereignisse in Zeiten des Klimawandels kommt es darauf an, Erosionsrisiken frühzeitig zu erkennen und schnell zu reagieren.

Die neue Version der App beinhaltet bereits die aktuellen R-Faktoren – die deutlich gestiegene Gefahr durch Regenfälle seit den ersten Erhebungen in den 60er und 70er Jahren in Bayern wird also berücksichtigt. Gewitterzellen, die in einer Region stehen bleiben, regnen dort besonders stark ab und erhöhen das Erosionsrisiko in besonderer Weise.

Bahn des Wassers ermittelt

Welchen Weg sich das Wasser, das nicht vom Boden aufgenommen werden kann, auf den einzelnen Feldstücken bahnt, zeigt die App. An diesen „Wasserwegen“ kann es bei fehlender Bodenbedeckung und lockerem Boden zu massiver Erosion kommen – so wie beim Bild oben. Hier wurde ein Rapsfeld kurz nach der Saat von Starkregen heimgesucht. Genau dort, wo die ABAG-App den Fließweg berechnet hatte, kam es zu einem reißenden Wasserabfluss in Richtung Hangfuß.

Erosive Kraft steigt mit der Hangneigung

Der Erosionsprozess beginnt mit dem Zerschlagen von Bodenkrümeln durch auftreffende Regentropfen. Fehlt eine schützende Mulchdecke, verschlämmt der Boden recht schnell. Schluff, Kalkmangel und ein geschwächtes Bodenleben – das Krümel bildet, die nicht stark genug sind – verstärken das Verschlämmen. Dringt das Wasser dann nicht schnell genug über Regenwurmlöcher und Poren in den Boden ein, läuft es oberflächlich ab. Mit der Zeit und der Menge an Wasser, die ins Fließen gerät, steigert sich die erosive Kraft des Wassers – gerade bei langen und steilen Hängen.

Erosionsschutzstreifen wirken dem Abtrag entgegen

Dem können beispielsweise Erosionsschutzstreifen entgegenwirken. Sie können über das Kulap gefördert werden. Das untere Bild zeigt, wie über die Anlage von Erosionsschutzstreifen abfließendes Wasser zumindest teilweise gestoppt werden kann. Der obere Streifen verringert den Wasserzufluss von oben erheblich, da die Pflanzenstängel ablaufendes Wasser bremsen und Boden zurückhalten. Zahlreiche Regenwurmlöcher – die sich unter einer ungestörten Pflanzendecke entwickeln können – sowie stabile Bodenkrümel nehmen das Wasser verstärkt auf. Dies trägt somit zum Schutz des Bodens bei.

Der zweite Streifen liegt direkt in der Abflussrinne und ist deshalb besonders wertvoll, da hier durch die Trichtersituation sehr viel Wasser ankommen kann, falls Kulturen angebaut werden, die in der Hauptsaison von Gewittern (Mai bis August) nur eine geringe Bodenbedeckung aufweisen. Die Verringerung des Bodenabtrags kann über die ABAG-Faktoren geschätzt werden. Ohne Schutzstreifen beträgt der berechnete Bodenabtrag für diesen Schlag 6,3 t/ha und Jahr. Durch die zwei Schutzstreifen sinkt der Abtrag auf 2,1 t/ha und Jahr.