Düngung

Heuer viel Stickstoff im Boden

Raps
Dr. Matthias Wendland, Konrad Offenberger, Alexander Kavka (LfL Agrarökologie/Düngung, Freising)
am Donnerstag, 23.01.2020 - 10:01

Die vorläufigen Nmin–Gehalte für Wintergetreide und Winterraps stehen fest – mit Blick auf das vergangene Jahr überraschen die relativ hohen Werte nicht.

Die Ermittlung des Stickstoff- und des Phosphatdüngebedarfs ist ein bedeutender Baustein der Düngeverordnung für eine bedarfsgerechte Düngung nach guter fachlicher Praxis. Ziel ist eine ausgewogene, dem Standort und den Ertragserwartungen angepasste Pflanzenernährung bei gleichzeitig möglichst geringer Umwelt- und Gewässerbelastung.

Doch bevor es mit den Berechnungen losgehen kann, braucht es die entsprechenden Nmin-Werte. Und die sind heuer in den bayerischen Böden vergleichsweise hoch, was einfach zu erklären ist: Die Trockenheit im Sommer 2019 besonders in Nordbayern führte zu unterdurchschnittlichen Erträgen mit entsprechend geringen Nährstoffentzügen. Die in Nord- und in Südbayern unterdurchschnittlichen Herbst- und Winterniederschläge haben nur wenig Stickstoff ausgewaschen.

Rote Gebiete brauchen eigene Proben

Die Düngeverordnung verpflichtet zu einer schriftlichen Dünge­bedarfsermittlung. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) bietet hierfür das Onlineprogramm „LfL Düngebedarf“ und ein Excel-Programm im Internet unter ww.lfl.bayern.de/duengebedarfsermittlung an.

In Gebieten mit hoher Stickstoffbelastung (sogenannte „rote Gebiete“) muss je Fruchtart mindestens eine Nmin-Untersuchung vorliegen. Für die restlichen Flächen in „roten Gebieten“ mit der gleichen Kultur kann mit dem Online-Programm „LfL Düngebedarf“ der Nmin-Wert simuliert werden.

Bei Verwendung des Excel-Programms ist zu beachten, dass dieses die Vorgaben der Düngeverordnung nur in „weißen“ und „grünen“ Gebieten erfüllt; Ausnahme: Es liegen für alle „roten Flächen“ eigene Bodenuntersuchungsergebnisse vor und werden bei der Düngebedarfsermittlung verwendet.

Vorläufige Nmin-Werte für weiße/grüne Gebiete

Die für die Berechnung in weißen und grünen Gebieten nötigen vorläufigen Nmin-Werte je Regierungsbezirk sind ab dem 24. Januar auf der Homepage der LfL zu finden. Diese vorläufigen Werte können für die Düngebedarfs­ermittlung verwendet werden, wenn sehr früh gedüngt werden soll. Wenn der endgültige Nmin-Wert (voraussichtlich ab 1. März) nicht um mehr als 10 kg N/ha über dem vorläufigen Wert liegt, ist eine erneute Berechnung nicht erforderlich.

Die vorläufigen Nmin-Gehalte stellen einen Mittelwert über alle Ergebnisse der jeweiligen Kultur auf Standorten mit einer Durchwurzelungstiefe bis 90 cm dar. Auf flachgründigen Standorten mit einer Durchwurzelungstiefe bis 60 cm sollten nur 75 % vom Nmin-Gehalt angesetzt werden, bei einer Durchwurzelungstiefe bis 30 cm nur 45 %. Die Nmin-Gehalte schwanken zum Teil erheblich zwischen den Regierungsbezirken. Bei der Düngeplanung ist dies zu berücksichtigen.

Wenn für eine Fruchtart eigene Nmin-Untersuchungsergebnisse vorliegen, können diese auch bei der Düngeplanung für andere Flächen (nicht auf „roten“ Flächen, hier ist eine Simulation notwendig) mit derselben Kultur verwendet werden. Die Berechnung kann in diesem Fall auch mit dem Excel-Programm der LfL durchgeführt werden – ebenso die Berechnung des Phosphatdüngebedarfs. Die Düngeempfehlungen, die man nach der Untersuchung eigener Bodenproben vom Düngeberatungssystem Stickstoff (DSN) erhält, entsprechen der Düngebedarfsermittlung für Stickstoff für diese Flächen.