Ernte 2019

Heterogene Maisbestände erschweren die Erntezeitbestimmung

Maisbestand
Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Dienstag, 03.09.2019 - 14:07

Trockenstress und hohe Temperaturen setzen den Pflanzen zu.

Bonn – Die Maisbestände präsentieren sich gegenwärtig in Deutschland sehr heterogen. Es gibt Flächen, auf denen der Mais nach den geringen Niederschlägen im letzten Jahr und der ungenügenden Auffüllung der Wasservorräte im Winter und Frühjahr bereits
Mitte Juni deutlich unter Wasserstress litt. Heterogene Bestände mit weitgehend normalen Pflanzen, reduzierter bzw. verspäteter Blüte bis zu massiven Trockenschäden mit kolbenlosen Pflanzen sind regional und z.T. lokal begrenzt vor allem im Nordwesten und
Osten zu finden, erklärt das Deutsche Maiskomitee e.V. (DMK).

Dies führt bei den gegenwärtig hohen Temperaturen dazu, dass kein verfügbares Bodenwasser von den Pflanzen mobilisiert werden kann. Aktuelle Auswertungen zum Bodenfeuchtegehalt durch die Agrarmeteorologie des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Verbindung mit dem Erntezeitprognosemodell MaisProg zeigen, dass die nutzbare Feldkapazität (nFK) vergangene Woche auf 10 bis 20 % (leichte, mittlere Böden) abgenommen hat.

Nur südlich der Linie Stuttgart – Ingolstadt – Regensburg liegt die nFK (%) deutlich, im Nordwesten Schleswig-Holsteins und im Grenzgebiet zu Luxemburg etwas höher. Aus den Regionen, die bereits während der Hitzeperiode um den 25. Juli eine nFK von 10-20 % (Karte links) aufwiesen, wird über kolbenarme bzw. kolbenlose Bestände berichtet.

Eine aktive Abreife verbunden mit der Einlagerung von Stärke in das Korn wird es in den betroffen Regionen bzw. an den Standorten aller Voraussicht nicht mehr geben. Es ist daher zusätzlich mit einer sehr zügigen Abtrocknung der Restpflanze zu rechnen. In der Folge sind hohe tägliche Zunahmen im TS-Gehalt der Gesamtpflanze bei milchigen Körnern bzw. hohen TS-Gehalten in der Restpflanze zu erwarten.

Ist in der Restpflanze noch Feuchtigkeit vorhanden, sollte mit der Ernte noch abgewartet werden. Neben der verminderten Erntemenge kann es zu deutlichen Einbußen bei der Futterqualität des Silomaises kommen. Hat die Dürre die Ausbildung von Kolben verhindert und zu einem frühzeitigen Absterben der Pflanze geführt, ist von einem deutlich erniedrigten energetischen Futterwert der daraus erzeugten Silagen auszugehen.

Kolbenlose und -arme Maissilagen, die in der Vegetationsphase unter Hitzestress litten, haben erhöhte Rohfaser und Zuckergehalte sowie verminderte Stärkegehalte. Aufgrund deutlich verringerter Verdaulichkeit der organischen Masse ist der energetische Futterwert solcher Silagen nur noch als mäßig zu beurteilen, beschrieb Dr. Martin Pries von der Landwirtschaftskammer NRW die vergleichbaren Verhältnisse aus der Ernte 2018.