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Auflagen

Herbstdüngung: Sperrfristen im Blick behalten

Wann und wo darf man Gülle ausbringen? In einigen Fällen kann diese Frage nicht pauschal beantwortet werden.
Robert Knöferl, LfL Agrarökologie – Düngung, Freising
am Freitag, 23.09.2022 - 12:10

Herbstdüngung: Von der LfL gibt es eine Entscheidungshilfe für unklare Konstellationen, die auch zusätzliche Auflagen, etwa in Roten Gebieten, sowie Verschiebungen der Sperrfrist berücksichtigt.

Mit dem Sperrfristprogramm kann jeder schnell und einfach ermitteln, ob eine Herbstdüngung möglich ist.

Die Düngeverordnung untersagt in bestimmten Zeiträumen, den sogenannten Sperrfristen, das Ausbringen von Düngemitteln mit wesentlichem Gehalt an verfügbaren Stickstoff. Darunter fallen alle organischen und mineralischen Düngemittel mit einem Gesamtstickstoffgehalt von mehr als 1,5 % in der Trockenmasse. Der Sperrfristbeginn ist dabei sowohl von der angebauten Kultur als auch von der Lage der Fläche anhängig.

Auf Flächen im Roten Gebiet gelten zum Teil strengere Vorgaben. Ausschlaggebend ist für diesen Herbst noch die Gebietskulisse mit Stand 2021 und nicht die bevorstehende Neuausweisung der Roten Gebiete. Einen Überblick zu den Sperrfristen der einzelnen Kulturen und Gebiete gibt Tabelle 1.

„Wann beginnt die Sperrfrist?

Da die Fragen „Wann beginnt die Sperrfrist? Darf ich im Herbst noch düngen?“ in einigen Fällen nicht mehr pauschal beantwortbar sind, stellt die LfL für Landwirte und Berater unter www.lfl.bayern.de/sperrfristen eine Entscheidungshilfe zur Verfügung. Nach wenigen Eingaben gibt die Excelanwendung „Sperrfristprogramm“ aus, ob und wann eine Fläche in Abhängigkeit der angebauten Kultur gedüngt werden darf. Dabei werden auch zusätzliche Auflagen der Fläche und die Sperrfristverschiebung berücksichtigt.

Auf Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau beginnt die Sperrfrist außerhalb der Roten Gebiete am 1. November und endet mit Ablauf des 31. Januar. Im Roten Gebiet beginnt der Verbotszeitraum bereits am 1. Oktober und endet ebenfalls am 31. Januar.

Obergrenzen für Stickstoff schon vor der Sperrfrist

Außerdem dürfen nach Düngeverordnung auf Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau ab 1. September bis Sperrfristbeginn mit flüssigen organischen Düngemitteln einschließlich flüssigen Wirtschaftsdüngern maximal 80 kg Gesamtstickstoff pro Hektar ausgebracht werden, in Roten Gebieten maximal 60 kg.

Weiterhin ist eine Düngung nach der letzten Nutzung mit 30 kg Ammonium- bzw. 60 kg Gesamtstickstoff pro Hektar nur möglich, wenn im kommenden Frühjahr eine Nutzung des Aufwuchses erfolgt und im Zeitraum von 1. September bis Sperrfristbeginn die erlaubte Ausbringmenge von 80 kg Gesamt-N/ha (bzw. 60 kg Gesamt-N/ha im Roten Gebiet) noch nicht ausgeschöpft ist.

Verschiebung der Grünlandsperrfrist

Die Düngeverordnung bietet die Möglichkeit, die Kernsperrfrist auf Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau um zwei oder vier Wochen nach hinten zu verschieben, wenn regionale Besonderheiten wie Witterung, Beginn und Ende des Pflanzenwachstums sowie Ziele des Boden- und Gewässerschutzes nicht entgegenstehen.

Die Verschiebung kann jährlich vom BBV-Kreisverband für den jeweiligen Landkreis beantragt werden. Die Verschiebung der Kernsperrfrist erfolgt dann als Allgemeinverfügung durch die Sachgebiete L2.3P Landnutzung an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) aufgrund der regionaltypischen Gegebenheiten.

In Tabelle 2 ist aufgeführt, in welchen Landkreisen für den kommenden Herbst/Winter die Sperrfrist für Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau im Roten Gebiet verschoben wurde. Verschiebungen der Grünlandsperrfrist außerhalb der Roten Gebiete werden im Wochenblatt 42 für ganz Bayern veröffentlicht.

Die Verschiebung gilt für die Ausbringung von Düngemitteln mit wesentlichen Gehalten an Stickstoff, ausgenommen Festmist von Huftieren, Klauentieren oder Komposte.

Aufgrund der zurückliegenden und regional weiter anhaltenden Trockenheit in diesem Jahr war bzw. ist die Grünlandnarbe in vielen Regionen Bayern verdorrt und stark geschädigt. Der optimale Zeitpunkt für eine Grünlanddüngung im Herbst 2022 variiert daher auch regional sehr stark.

Durch die Verschiebung der Sperrfristen kann der Zeitpunkt für die letzte Düngung des Jahres betriebsindividuell optimiert werden. Eine ausreichende Erholung der Grasnarbe sollte abgewartet werden, um diese nicht zusätzlich zu schädigen und keinen Dünger zu verschenken.

Mit Eintreten der Trockenheit wurde mancherorts die Grünlanddüngung seit dem zweiten bzw. dritten Schnitt nach guter fachlicher Praxis ausgesetzt. Die letzte Düngegabe kann in diesen Fällen die Grünlandnarbe stärken. Umfassende Tipps zum Umgang mit der trockenheitsgeschädigten Grünlandnarbe können Sie im Wochenblatt 37 ab Seite 33 nachlesen.