Ackerbau

Der Helfer wird zum Schädling

Mais-Trichoderma-Kolbenfäule
Karola Meeder Portrait 2019
Karola Meeder
am Montag, 12.10.2020 - 11:09

Trichoderma-Pilze gelten als Gegenspieler von für Pflanzen gefährlichen Mikroorganismen und werden daher auch in biologischen Pflanzenschutzmitteln verwendet – nun zeigt sich: Bestimmte Stämme lösen Kolbenfäule an Mais aus.

Der Befall von Maiskolben mit einer bis dahin in Europa unbekannten Art der Trichoderma-Pilze wurde erstmals 2018 in Süddeutschland festgestellt. Bei betroffenen Pflanzen bildeten sich graugrüne Sporenbeläge auf den Körnern und zwischen den Lieschblättern der Kolben. Zudem keimten die befallenen Körner verfrüht aus.

Bislang gelten sie als Gegenspieler von Krankheitserregern

Das Besondere daran: Trichoderma-Arten gehören zu den Schlauchpilzen und kommen weltweit im Boden, an Pflanzenwurzeln, in verfaulenden Pflanzenresten und an Holz vor. Sie gelten als Substratzersetzer und als Gegenspieler anderer Mikroorganismen. Deswegen werden sie als biologische Pflanzenschutzmittel – beispielsweise gegen Botrytis oder Fusarium – verwendet. „Bisher war nicht bekannt, dass sie auch als Krankheitserreger an Pflanzen auftreten können“, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Göttingen. Wissenschaftler der Universität haben nun im Labor diese neue pflanzenpathogene Trichoderma-Art identifiziert.

Dazu brachten sie Maispflanzen im Gewächshaus mittels Inokulation – also auf künstlichem Wege – mit Trichoderma in Kontakt. Sie konnten nachweisen, dass sich der Trockensubstanzgehalt der infizierten Maiskolben in der Folge stark verringert hat.

Mancher ist hochaggressiv

Annette Pfordt, Doktorandin an der Universität Göttingen, hat über zwei Jahre lang 18 Trichoderma-Isolate vornehmlich aus Maiskolben in Süddeutschland und Frankreich analysiert. Sie fand dabei heraus, dass einige dieser Isolate mit einem Kolbenbefall von 95 bis 100 Prozent hochaggressiv sind. Mittels molekulargenetischer Untersuchungen ließen sich diese Isolate der neuen Art Trichoderma afroharzianum zuordnen. Innerhalb dieser Art haben sich offenbar bislang unbekannte pflanzenpathogene Stämme entwickelt, die nun für die Kolbenfäule verantwortlich sind.

„Die Art, die in biologischen Pflanzenschutzmitteln zum Einsatz kommt, ist ein naher Verwandter, nämlich Trichoderma harzianum. Isolate dieser Art waren in den Untersuchungen nicht so aggressiv, führten aber in den Inokulationsversuchen auch zu einem leichten Befall am Kolben“, sagt Pfordt. „Die bisherigen Untersuchungen zeigen zwar, dass sich die in biologischen Pflanzenschutzmitteln eingesetzten Trichoderma-Stämme von den jetzt gefundenen aggressiven Formen unterscheiden, allerdings wird auch deutlich, dass Risiken durch den Einsatz lebender Mikroorganismen im Pflanzenschutz genau untersucht werden müssen“, ergänzt Prof. Dr. Andreas von Tiedemann, Leiter der Abteilung für Pflanzenpathologie und -schutz der Universität Göttingen.

Soviel also zu den Öko-Fungiziden. Bleibt noch die Frage, was mit den pflanzenpathogenen Trichoderma-Stämmen ist, die schon 2018 in der Praxis aufgefallen sind. In den USA kennt man die Kolbenfäule durch Triochoderma schon länger. So schreibt beispielsweise das Crop protecting network (www.cropprotectionnetwork.org) – ein Zusammenschluss verschiedener amerikanischer Universitäten – dass ein Befall in erster Linie bei vorgeschädigten Maispflanzen (z.B. Trockenstress) auftritt. In aller Regel verursache der Befall aber keinen wirtschaftlichen Schaden.

Unklare Lage zu den Auswirkungen

Was allerdings die Bildung von Pilzgiften angeht, gibt es auf der Plattform unterschiedliche Aussagen. Während in einem Artikel steht, dass die Bildung von Mykotoxinen bisher nicht mit diesem Erreger in Verbindung gebracht wird, steht in einer anderen Veröffentlichungen, dass zwar nicht alle, aber gewisse Trichoderma-Arten schon Pilzgifte bilden.

Die Wissenschaftler der Universität Göttingen wollen dazu noch keine Aussage treffen – es sei aber ein Folgeprojekt beantragt, in dem genau das geklärt werden soll, wie Prof. Dr. Andreas von Tiedemann dem Wochenblatt erklärte. Ebenso soll in diesem Projekt untersucht werden, wie verbreitet die pathogenen Stämme sind. „Es sieht derzeit danach, aus also ob sie die wärmeren Regionen bevorzugen“, sagt Tiedemann und erklärt, dass sie bisher in Bayern und im Elsass gefunden wurden – während man sie in Norddeutschland noch nicht entdeckt habe. „Das muss aber alles noch verifiziert werden“, wie er betont.

Oder ist das alles gar nichts Neues?

Für Dr. Joachim Eder von der LfL besteht kein Grund zur Aufrgeung: „Da wird etwas schon lange Bekanntes als Neu bezeichnet“, sagt der Maisexperte. Solche Kolben habe er immer mal wieder gesehen. In der Zeit, in der er sich intensiv mit Mais beschäftigt hat – also seit 1992 –, sei aber keinerlei Dynamik zu beobachten gewesen. „Dennoch muss geklärt werden, welche wirtschaftlichen Auswirkungen dieser neue Stamm auf den Maisanbau haben könnte“, ist auch Eder überzeugt.

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