Ernte 2020

Guter Hopfen-Jahrgang

Hopfenanbau
Helga Gebendorfer
am Freitag, 02.10.2020 - 14:57

Hopfenbonitierung in Moosburg: Erntemenge und Qualität liegen heuer über dem Durchschnitt.

Hopfenproben

Schon vor 133 Jahren wurde die Gersten- und Hopfenbonitierung in Moosburg ins Leben gerufen. Jährlich gibt sie einen ersten Einblick in Ertrag und Qualität der Bierrohstoffe Hopfen und Gerste – so auch heuer. Neben 81 Erzeuger- und elf Handelsmuster bei der Gerste, wurden auch 71 eingesandte Hopfenproben beurteilt. Von den rund 35 in Deutschland angebauten Hopfensorten wurden in Moosburg zehn eingeschickt.

Die Hallertauer Hopfenanbaufläche ist gegenüber dem Vorjahr um über 200 ha auf 17 233 ha angestiegen. Bei den Aromasorten verschiebt sich das Spektrum weg von Hersbrucker, Hallertauer Mittelfrüh, Spalter Select, Saphir und Nordbrauer hin zu Tradition und Perle. Bei den Bitterhopfen verlagert sich die Fläche von Magnum und Taurus zu Herkules und Taurus.

Johann Portner

Zurück zur Bonitur: Sechs Aroma- und vier Bittersorten wurden den Experten vorgelegt. Verteilt auf sechs Stationen bewerteten die Fachleute die äußeren Qualitätsmerkmale. Die Alphasäuregehalte wurden im Labor analysiert. Das Gesamtresultat lautet „gute äußere Qualität“. Die Merkmale im Einzelnen: saubere Pflücke, meist grüne Farbe, oft fehlender Glanz, gutes Aroma, gesunde Dolden mit zum Teil Peronospora und Echtem Mehltau sowie erhöhter Doldenblattanteil.

Auch die „inneren Werte“ der Hopfenproben – also die Alphagehalte – sind gut. Bei vielen erntefrischen Proben lagen die Werte vieler Sorten über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre: Hersbrucker 3,1 %, Hallertauer Mittelfrüh 5,0 %, Saphir 4,2 %, Spalter Select 5,5 %,Tradition 6,9 %, Perle 7,4 %, Magnum 15,2 %, Taurus 15,5 % und Herkules 16,8 %.

Hohe Alphasäuregehalte

„Die hohen Alphasäuregehalte sind eine gute Nachricht für die Pflanzer, sind sie doch maßgeblich entscheidend für den Erlös“, betonte der LfL-Hopfenexperte Johann Portner. Bei seinem Rückblick über das Vegetationsjahr erinnerte Portner daran, dass alle Hopfenarbeiten im Frühjahr problemlos durchgeführt werden konnten. Regen kam für den Hopfen dieses Jahr immer rechtzeitig, sodass die Niederschläge insgesamt ausreichten. Zudem gab es heuer relativ wenig Hitzetage. „Wir konnten beim Hopfen einen guten Jahrgang einfahren“, lautete Portners Fazit.

Einige Besonderheiten gab es heuer aber schon – zum Beispiel der starke Peronospora-Infektionsdruck. Die Pilzkrankheit, die letztmals vor zehn Jahren vehement auftrat, führt zu Ertrags- und Qualitätseinbußen. Heuer löste das Geschehen sieben Bekämpfungsaufrufe über den Peronospora-Warndienst der LfL aus.

Verzögerte Entwicklung bei Wachstum und Blühbeginn

Bemerkenswert war heuer auch die verzögerte Entwicklung bei Wachstum und Blühbeginn. So führten die Trockenheit im Mai und die kälteren Tage im Juni zu einem zögerlichen Pflanzenwuchs sowie zu einer bis zu 14 Tage späteren Blüte. Erst im August holte der Hopfen auf – der heiße September beschleunigte dann die Abreife.

Die kühle und feuchte Witterung im Juni führte zu Infektionen mit der Hopfenwelke. Der Bodenpilz verursachte ab Anfang Juli die Welkesymptome. Betroffen waren besonders einzelne Sorten wie Saphir und Hersbrucker, was bei einer Reihe von Betrieben ein Problem bedeutete.

Monitoring zum Citrus Bark Cracking Viroid

In dieser Hopfensaison wurden über ein vom Landwirtschaftsministerium finanziertes Monitoring umfangreiche Untersuchungen hinsichtlich des Citrus Bark Cracking Viroid (CBCVd) vorgenommen. Das Viroid ist in Europa vor allem in Slowenien verbreitet und wurde 2019 erstmals in der Hallertau entdeckt. Das Ergebnis des Monitorings: Es wurden über 2300 Proben bei gut 400 Hopfenpflanzern genommen. Bei sieben Betrieben in der Hallertau wurde ein Befall entdeckt.

Kurz vor dem diesjährigen Erntebeginn kam es zu Sturm- und Windschäden. Die Reben wetzten aneinander, sodass Hopfendolden und Seitentriebe abfielen, was zu vertrockneten Dolden führte.
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