Bodennahe Gülleausbringung

Gülle auf Grünland emissionsarm düngen

Grünlanddüngung_B
Karola Meeder
Karola Meeder
am Donnerstag, 06.05.2021 - 08:50

Ab 2025 muss die Gülle bodennah ausgebracht werden. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten – aber welche passt zum eigenen Betrieb? Praktiker schildern ihre Erfahrungen.

Für die meisten bayerischen Betriebe gelten ab 1. Februar 2025 neue technische Vorgaben zur emissionsarmen Ausbringung von flüssigen Wirtschaftsdüngern auf Flächen mit Grünland und mehrschnittigen Feldfutterbau. Ein wesentlicher Schritt hierbei ist die Minderung der Emissionen bei der Ausbringung von flüssigen Wirtschaftsdüngern.

Der größte Teil der Ammoniakverluste in die Atmosphäre erfolgt in den ersten Stunden nach der Ausbringung. Um die Ammoniakemission zu mindern, muss der Kontakt der Gülle mit der Atmosphäre reduziert werden. Das bedeutet konkret: Weniger emittierende Oberfläche durch streifenförmige Ausbringung oder die Gülle durch Injektion schneller in den Boden bringen.

Für die Ausbringung gibt es verschiedene Techniken. Praktiker berichten über ihre Erfahrungen.

Johannes Berchtold, Birkland

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„Wir bewirtschaften einen Milchviehbetrieb mit 50 ha Dauergrünland. Vier- bis fünfmal jährlich bringen wir die Gülle mit einem Schwenkverteiler aus und ein- oder zweimal mit dem Schleppschuhfass. Bei Trockenheit und höheren Temperaturen riecht man die bodennah ausgebrachte Gülle weniger stark. Bei kühleren Temperaturen und regnerischem Wetter merken wir kaum einen Unterschied.

Als Nachteil der bodennahen Ausbringung sehen wir die oft diskutierten Güllewürste, die man teilweise sogar noch bei der Ernte sieht. Sie würden vermutlich weniger stark auftreten, wenn man die Gülle während des Regens ausbringt. Allerdings haben wir schwere und feuchte Böden und versuchen daher bei trockenem Boden zu fahren.

Im Sommer verdünnen wir die Gülle mit 20 Prozent Wasser. Trotzdem machten wir die Erfahrung, dass die Gülle schnell an den Gräsern antrocknet. Und wenn sie mal klebt, wird sie auch von starkem Regen danach nicht abgewaschen.

Unser Ziel ist es jetzt, die Gülle fließfähiger zu machen, etwa durch Separierung oder mehr Wasser. Theoretisch könnte man die Gülle mit derselben Menge Regenwasser verdünnen. Damit würden sich aber auch Ausbringmenge, Kosten, Dieselverbrauch und Bodendruck verdoppeln. Man sollte nicht nur über Ammoniak sprechen, sondern auch über mögliche Nachteile hinsichtlich Futterhygiene, Tiergesundheit, Bodendruck und Flexibilität. Jetzt fahren die Bauern selbst mit ihren eigenen Fässern, die seit Jahren problemlos laufen. Was nun kommt, ist eine teure und anfällige Technik.“

Andreas Zentner, Gumpenstein

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Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein, Österreich: „Auch in Österreich wird die Verpflichtung zur bodennahen Gülleausbringung diskutiert. Da machen wir uns natürlich Gedanken, wie das auf hängigen Flächen funktionieren kann. Es gibt Schleppschuhfässer, die man bis zu 35 Prozent Neigung einsetzen kann. Eine Verpflichung der bodennahen Ausbringung auf Flächen mit bis zu 20 Prozent Neigung ist also durchaus umsetzbar, jedoch braucht es für extremere Lagen andere Techniken und Ausnahmeregelungen. Die klare Empfehlung lautet: Schleppschuhtechnik. Zum einen führt der Anpressdruck von 10 bis 15 Kilo je Schuh zu einer Stabilisierung. Zum anderen wird damit die Gülle auf den Boden und nicht auf die Pflanzen ausgebracht. Auch das Zeitfenster für die Ausbringung vergrößert sich. Bei ordnungsgemäßer Anwendung sehe ich auch keine Gefahr für erhöhte Futterverschmutzungen.

Gibt es in der Praxis diesbezüglich Probleme, liegt das meist an der Gülle. Sie ist oft zu dick. Ihr Trockensubstanzgehalt sollte maximal 7 Prozent betragen. Liegt er darüber, kann mit Wasser verdünnt oder separiert werden. Blickt man auf die flüssige Phase, ist die Separation durchaus vorteilhaft. Wir wissen aber auch, dass in der festen Phase ebenfalls noch Ammonium steckt. Hier muss man sich Gedanken über die Lagerung machen, um Verluste zu vermeiden.
Untersuchungen zeigen, dass die Verwendung des Separats als Einstreu den Keimdruck nicht erhöht – vorausgesetzt, das Liegeboxenmanagement stimmt. Dazu zwei Stciworte: sauber und trocken. Außerdem darf nur eigenes Separat verwendet werden. Darum ist auch die überbetriebliche Nutzung solcher Anlagen kritisch zu sehen, auch wenn es wirtschaftlich gesehen natürlich sinnvoll ist. Denn man müsste sicherstellen können, dass die Rückstände restlos aus der Anlage entfernt werden können, bevor die Anlage zum nächsten Betrieb fährt. Sonst kann es zu Keimproblemen kommen. Auch hier gibt es noch Forschungsbedarf.“

Michael Höhensteiger, Großkarolinenfeld

Michael-Höhensteiger

„Ich bin mit meinem Betrieb an einer Maschinengemeinschaft beteiligt. Wir haben sowohl einen Breitverteiler als auch Schleppschuhtechnik und nutzen beides auf insgesamt elf Betrieben. Beschwerden wegen Futterverschmutzungen gab es vereinzelt, da war aber die Ursache meist zu dicke Gülle. Ich sehe auch bei der Schleppschuhtechnik keine generell erhöhte Gefahr – ausschlaggebend ist die Gülle. Ist sie zu dick und zu faserhaltig, gibt es auch bei der Breitverteilung Probleme. Denn dann klebt die Gülle am Gras – unabhängig von der Ausbringtechnik. Der Unterschied ist nur, dass man das bei der streifenförmigen Ausbringung deutlicher sieht.

Wie stark die Gülle klebt, hängt von zwei Faktoren ab. Nummer eins sind die Schleimstoffe, sie lassen sich durch Wasserverdünnung oder Vergärung reduzieren. Faktor Nummer zwei ist die Faserfraktion: Je höher der Anteil und je länger die Fasern, desto problematischer. Besonders bei Betrieben mit Tiefboxen und Langstroh kann das schnell zum Problem werden.
Neben der maschinellen Separierung, gibt es zwei günstigere Möglichkeiten die Fasern zu separieren. Zum einen hat es sich bewährt, die Gülle nicht aufzurühren und gezielt die Dünngülle unterhalb der Faserschicht abzusaugen.
Möglich wäre es auch, die Faserschicht mit einem Bagger abzuschöpfen – beides hat den Vorteil, dass man in der Wachstumsphase die Dünngülle ausbringen kann und so die Verschmutzungsgefahr minimiert. Die Dickgülle mit hohem Faseranteil kann dann im Herbst und im zeitigen Frühjahr ausgebracht werden. Anpassungsmöglichkeiten gibt es viele. Ich bin überzeugt, dass es für jeden Betrieb eine Lösung gibt.“

Jens-Martin Keim, Gehrenberg:

Martin-Keim

Sprecher IG gesunde Gülle und Praktiker: „Die IG hat 2019 eine Umfrage gestartet, teilgenommen haben rund 1000 Praktiker und 85 Prozent davon gaben an, dass sie massive Bedenken wegen der Futterverschmutzung haben. Und das zu Recht. Wir wissen wenig über Auswirkungen auf die Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Die Versuche dazu sind nur theoretische Versuche. Da wird dann das Gras in den Parzellen mit der Heckenschere geerntet – die Arbeitsschritte der Praxis wie Schwaden oder die Pick-up-Aufnahme werden nicht berückichtigt. Ebenso wenig gibt es verlässliche Daten zur tatsächlichen Reduzierung der Emisisonen durch die streifenförmige Ausbringung. Wir sind keine grundsätzlichen Gegner, aber wir wollen, dass die Emissionen tatsächlich reduziert werden. Wo bleibt diesbezüglich die Garantie der Hersteller? Um Emissionen zu reduzieren, müsste man schon früher ansetzen, nämlich bei der Fütterung. Auch das Thema Gülleaufbereitung bräuchte mehr Aufmerksamkeit – denn es ist ein Unterschied, ob ich Fäulnisgülle oder Rottegülle ausbringe.“

Andreas Spatz, Dennenlohe

Andreas-Spatz

„An unserer Maschinengemeinschaft sind 24 Betriebe beteiligt und wir haben sowohl mit Schleppschuh- als auch mit Injektionstechnik gute Erfahrungen gemacht. Bei uns am eigenen Betrieb mit Schweine- und Rinderhaltung sowie Biogasanlage setzen wir ausschließlich auf den Holmer-Selbstfahrer mit Injektionstechnik. Hauptgrund dafür ist die Schlagkraft mit bis zu 100 Kubikmeter pro Stunde.

Außerdem sieht man im Getreide nach der Injektion einen deutlicheren Effekt als nach der Ausbringung mit dem Schleppschuh – ich bin überzeugt, dass das auch im Grünland so ist. Denn wenn ich die Gülle im Boden ablege, dort wo die Mikroorganismen direkt angreifen können, muss die Nährstoffausnutzung auch höher sein. Schaut man rund drei Wochen nach der Ausbringung nach, ist die eingeschlitzte Gülle weg, selbst wenn es nicht geregnet hat.

Anders ist das bei der Gülle, die oben auf dem Boden liegt. Bei der Injektion darf die Gülle auch dicker sein und wir sind flexibler beim Ausbringtermin.
Als Nachteil könnte man den hohen Aufwand sehen: Für den Holmer brauchen wir drei bis vier Schlepper und Fahrer. Und natürlich sieht man auch die Schlitze das ganze Jahr. Ich sehe das aber nicht so dramatisch, denn wer hochwertiges Grundfutter produzieren will, sät in der Regel auch jährlich nach. Die bodennahe Ausbringung ist machbar. Nach unserer Erfahrung gilt das auch auf hängigen Flächen.“

Auf den Seiten der Landesanstalt für Landwirtschaft gibt es einen umfangreichen Leitfaden zur emissionsarmen Gülleausbringung im Grünland.