Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Schädlinge

Das Gras verdorrt von unten

Anton Maier (Pflanzenbauberater, AELF Passau) und Christoph Probst (Pflanzenbauberater, AELF Regen)
am Dienstag, 24.05.2022 - 08:00

Maikäferengerlinge: Heuer befinden wir uns im Hauptschadensjahr. Wir zeigen betroffene Regionen und Handlungsmöglichkeiten.

Engerlinge_B

Die Engerlinge des Feldmaikäfers verursachen seit einigen Jahren massive Schäden auf Grünlandflächen, mit Schwerpunkt im Bayerischen Wald. Hier prägten großflächig verbraunte Wiesen das Landschaftsbild in den befallenen Regionen.

Der Feldmaikäfer hat einen dreijährigen Entwicklungszyklus. Im Mai / Juni 2021 fand ein intensiver Flug des Maikäfers statt. Anschließend legte der Käfer seine Eier im Boden ab, aus denen sich Engerlinge entwickeln.

Somit befinden wir uns 2022 im Hauptschadensjahr und es muss erneut mit erheblichen Fraßschäden durch Engerlinge im Grünland gerechnet werden.

Engerling-Monitoring zeigt Befallsschwerpunkte

Gemarkungsmittelwert_LfL

Um die zu erwartenden Schäden abschätzen zu können, hat Landesanstalt für Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftsämtern Passau und Regen im Bayerischen Wald im Sommer 2021 ein Engerling-Monitoring durchgeführt.

Ein speziell geschultes Team hat auf von Landwirten gemeldeten Grünlandflächen mindestens zehn Grabungen je Hektar mit einer Größe von 32 x 32 cm (= 0,1 m2) beprobt. Bei fast einem Drittel wurde eine Überschreitung der Schadschwelle von 40 Engerlinge/m2 festgestellt: Hier ist mit schweren Schäden bis hin zum Totalausfall des Grünlands zu rechnen!

Die Auswertungen zeigen, dass vor allem in Gemarkungen nahe der österreichischen Grenze die Schadschwelle oftmals überschritten wurde.

Drei Möglichkeiten der Gegenwehr

Erfahrungen und Versuche in den letzten Jahren haben gezeigt, dass sich eine ausreichende Bekämpfung des Feldmaikäfers und seiner Larven als schwierig darstellt. Die besten Ergebnisse erreicht man durch eine mechanische Bearbeitung z. B. mit einer Fräse oder Kreiselegge. Damit Sie die befallenen Grünlandflächen ohne negative Auswirkungen auf Förderungsmaßnahmen regulieren können, haben betroffene Landwirte drei Möglichkeiten.

1 Grünlanderneuerung

Bei einer von Engerlingen befallenen Dauergrünlandfläche ist mit der Anzeige und der Anerkennung als Fall höherer Gewalt/außergewöhnlicher Umstände die Möglichkeit gegeben, eine Bodenbearbeitung mit z. B. Fräse oder Kreiselegge durchzuführen. Hierfür ist kein Genehmigungsverfahren zur Umwandlung von Dauergrünland erforderlich. Falls Sie eine Fläche in betroffenen Gemarkungen haben, können Sie bereits jetzt (auch vor dem ersten Schnitt) den Fall höherer Gewalt/außergewöhnliche Umstände anzeigen. Dies muss dem AELF vor der geplanten Bodenbearbeitung schriftlich mitgeteilt werden.

Auch für Flächen, die in einer Gemarkung liegen, welche den Schwellenwert nicht überschreiten, können durch Engerlinge entstandene Schäden gemeldet werden. Entscheidend ist hier der Moment des Schadenseintritts. So können Landwirte innerhalb von 15 Arbeitstagen nach dem Zeitpunkt, ab dem Sie dazu in der Lage waren (Moment des Schadenseintritts), den Fall höherer Gewalt dem zuständigen AELF schriftlich mitteilen. Bei der Anerkennung ist dann auch in diesem Fall kein Genehmigungsverfahren zur Umwandlung von Dauergrünland erforderlich.

Handelt es sich um eine VNP-Fläche oder greifen weitergehende Schutzvorschriften (z. B. Verbote in Schutzgebietsverordnungen, gesetzlicher Biotopschutz, FFH-, artenschutzrechtliche Verbote), ist die Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde (uNB) einzuholen. Die Prüfung, ob eine VNP-Fläche vorliegt, erfolgt ebenfalls durch das AELF.

Im Zuge der Wiederherstellung der Grasnarbe ist es im Fall höherer Gewalt/außergewöhnlicher Umstände zulässig und empfehlenswert, eine Deckfrucht bei der Aussaat der Grünlandsaatgutmischung zur schnelleren Bodenbedeckung zu verwenden.

Um die Ertragsausfälle auf den zu behandelnden Grünlandflächen möglichst gering zu halten, sollte der erste Schnitt abgefahren werden und die Erneuerungsmaßnahme Mitte – Ende Mai durchgeführt werden. Die Deckfrucht fungiert in diesem Fall als 2. Schnitt (Ernte spätestens zur Milchreife). Durch eine zeitige Regulierung geht bei einer durchschnittlichen Grünlandnutzung im Maßnahmenjahr nur eine Schnitt verloren.

2 Biologische Bekämpfung mit Insektizid

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat für das Insektizid Exigon (Wirkstoff: Insektenpathogener Pilz Beauveria bassiana, Stamm: BOV 1) zur Bekämpfung der Engerlinge des Feldmaikäfers für den Zeitraum 4. März 2022 – 1. Juli 2022 eine Notfallzulassung erteilt. Insbesondere auf stark erosionsgefährdeten Flächen, auf denen eine mechanische Bearbeitung problematisch ist, kann der Einsatz von Exigon in Betracht gezogen werden. Das Verbot der flächenhaften Ausbringung von Pflanzenschutzmittel auf Dauergrünlandflächen gemäß des Bayerischen Naturschutzgesetzes (BayNatSchG) greift hier nicht.

Die Ausbringung von Exigon auf Flächen, die nicht umgebrochen werden, muss laut Notfallzulassung mit einem Cultan-Gerät erfolgen. Allerdings kann der Einsatz Beschränkun-gen unterliegen: Sollte die Fläche in gesetzlich geschützten Landschaftsbestandteilen und in gesetzlich geschützten Biotopen liegen, ist eine Ausnahmegenehmigung von der zuständigen unteren Naturschutzbehörde notwendig! Des Weiteren sind die in § 4 Abs. 1 der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung festgelegten Anwendungsverbote für die dort genannten nationalen Schutzgebiete und FFH-Gebiete zu beachten. Weiterhin sind Rechtsvorschriften, die sich z. B. aus den AUM-Programmen ergeben, einzuhalten. Aus den genannten Gründen wird empfohlen, vor der Anwendung mit dem örtlichen AELF Kontakt aufzunehmen.

3 Zeitweise Ackernutzung für drei Jahre

Auf besonders stark befallenen Flächen kann die Engerlings-Population durch eine temporäre Ackernutzung reduziert werden. Die Durchführung einer Ackernutzung auf Dauergrünland ist vor sichtbarem Schadenseintritt an der Grasnarbe infolge der Engerlinge nur auf Antrag und nur für Flächen möglich, welche im Zuge des Monitorings über der Schadschwelle von 40 Engerlingen/m² liegen und mit der jeweiligen FID-Nummer flächenscharf abgegrenzt sind.

Mit Landwirtschaftsamt abstimmen

Hierbei dürfen jedoch keine fachrechtlichen Belange (z. B. Vorliegen erosionsgefährdeter Hang, usw.) entgegenstehen. Aus förderrechtlicher Sicht besteht die Möglichkeit, auf Antrag im Einzelfall und bei Vorliegen der Voraussetzung einer unzumutbaren Härte/Belastung eine dreijährige Ackernutzung auf durch Engerlinge geschädigtem Dauergrünland zu gewähren. Nach diesem Zeitraum ist die Fläche wieder als Dauergrünland zu nutzen.

Bei der Berechnung der Erosionsgefährdung ist es Anfang dieses Jahres zu einer Änderung gekommen, wodurch auf vielen Flächen im Dienstgebiet eine Umwandlung einer Dauergrünlandfläche in einen Acker aus erosionstechnischen Gründen nicht möglich ist. Deshalb steht diese Möglichkeit nur eingeschränkt zur Verfügung.

Es wird allen Landwirten dringen empfohlen, alle Maßnahmen vorab mit dem zuständigen AELF abzustimmen und auf die Möglichkeit der Umsetzung zu prüfen!

* Pflichtfeld. Mit der Anmeldung für den Newsletter haben Sie den Hinweis auf die Datenschutzhinweise zur Kenntnis genommen. Sie erhalten den forstpraxis-Newsletter bis auf Widerruf. Sie können den Newsletter jederzeit über einen Link im Newsletter abbestellen.

Auch interessant